Passionskonzert im Dom

Passionskonzert im Dom

15.02.2026 von Albrecht Koch

Domkonzert am 28. März, 17:00 Uhr

Am 28. März führt der Domchor gemeinsam mit renommierten Gesangssolisten und dem Dresdner Barockorchester Bachs Johannes-Passion auf. Die Aufführung steht im Kontext von TACHELES – Jahr der Jüdischen Kultur in Sachsen 2026 und präsentiert das Werk in einer Textfassung des jüdischen Berliner Künstlerkollektivs ha´atelier – werkstatt für philosophie und kunst. Für neun der zehn Arien wurde ein neues Libretto entwickelt, das eine zeitgenössische, subjektive Frömmigkeit aufgreift und Raum für persönliche Reflexion jenseits des streng biblischen Textes eröffnet. Diese ästhetische Offenheit dient dazu, dass christlich-europäische Selbstverständnis sowie die historisch belastete Unterscheidung zwischen Ekklesia und Synagoge kritisch zu befragen.

Bachs Johannes-Passion gehört zu den zentralen Werken europäischer geistlicher Musik und ist tief in der lutherischen Theologie verwurzelt. Ihre Dramaturgie folgt einer stark polarisierten Freund-Feind-Erzählung, die bis heute das religiöse Bewusstsein Europas prägt und nicht-christlichen, insbesondere jüdischen Hörern, den Zugang erschweren kann.

Gerade die barocke Arienpraxis eröffnet hier einen Freiraum: Die frei gedichteten Arien ermöglichen ein subjektives, emotionales Anteilnehmen und lenken den Blick auf die menschlichen Dimensionen von Leid, Hingabe und Liebe. Die von Shulamit Bruckstein Çoruh und Ruth HaCohen ausgewählten jüdischen, islamischen und philosophischen Texte ersetzen den Evangelientext nicht, sondern erweitern ihn um zusätzliche Perspektiven. So wird die Arie zum Ort subjektiver Auseinandersetzung, an dem auch historisch ausgegrenzte Stimmen Gehör finden können.

Wer die Johannes-Passion in ihrer originalen Gestalt hören möchte, kann dies am 29. März um 16:00 Uhr mit dem Domchor in der Kirche Polditz bei Leisnig erleben.

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