Wochenandacht am 4.Sonntag nach Trinitatis, 28. Juni 2026

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Wochenandacht am 4.Sonntag nach Trinitatis, 28. Juni 2026

27.06.2026

von Katrin Hutzschenreuter, Prädikantin in der Kirchgemeinde am Dom Freiberg

Liebe Leserinnen und Leser, 

das Jahr ist auf seiner Höhe. Am vergangenen Mittwoch wurde der Johannistag gefeiert. Es gab Andachten auf den Friedhöfen. Die Johannisbeeren werden reif, und das Johanniskraut blüht in leuchtendem Gelb. in sechs Monaten ist Weihnachten…

Wer war dieser Johannes? Seine Eltern Zacharias und Elisabeth hatten die Hoffnung auf ein Kind schon aufgegeben, als ein Engel dem Vater das Wunder angekündigt hat. Bis zur Namensgebung konnte der Vater dann nicht mehr sprechen. Die Bibel erzählt Folgendes: Acht Tage nach der Geburt sollte Johannes beschnitten werden. Das war eine jüdische Tradition. Es war auch der Zeitpunkt, an dem das Kind seinen Namen bekam. An dieser Stelle bewies Elisabeth großen Mut. Der noch stumme Zacharias konnte ja nichts sagen. Die wohlmeinende Verwandtschaft war sich schnell einig: ist doch klar, der Junge heißt wie der Vater! Aber die mutige Elisabeth sagte „NEIN“. Sie als Frau, die damals nicht viel zu sagen hatte, widersprach der ehrwürdigen Verwandtschaft. Sie tat es aus Gehorsam Gott gegenüber, der dieses Kind auserwählt und schon vor der Geburt den Namen bestimmt hat. Johannes soll es heißen, das bedeutet „Gott ist gnädig“. Zacharias wurde gefragt, ob das in Ordnung sei. Da er ja nicht sprechen konnte, ließ er sich eine Tafel geben und bestätigte schriftlich den Namen seines Sohnes. Von da an konnte er wieder sprechen. Als erstes pries und lobte er Gott mit seiner wieder gewonnen Stimme.

Dire Gäste der Beschneidungsfeier hatten viel erlebt. Sie haben sich mit Elisabeth gefreut, als sie schwanger wurde. Dann erfuhren sie, dass das Kind entgegen der Tradition einen anderen Namen erhielt als der Vater. Und ich kann mir vorstellen, dass sie sich ziemlich erschrocken haben, als Zacharias plötzlich wieder sprechen konnte. Sie waren Zeugen eines göttlichen Wunders geworden. Wie ein Lauffeuer sprach sich die Sache in ihrem Dorf herum und im ganzen judäischen Bergland, und alle, die es hörten, wunderten sich mit, bewegten die Sache in ihren Herzen und fragten sich: “Was wird aus diesem Kind werden?“.

Es wurde ein Prediger aus Johannes, der kein Blatt vor den Mund nahm und die Menschen auf ihre Sünden hinwies. Selbst vor Königen zog er klare Linie. Diese Klarheit hat er schließlich mit seinem Leben bezahlt.

Sein Lebenssinn war, auf Jesus hinzuweisen, den Erlöser, den Gott seinem Volk und der ganzen Welt schickt. Vielleicht war der sogar auch auf der Feier anwesend. Wir wissen, dass Maria durch den Heiligen Geist schwanger wurde, als Elisabeth im sechsten Monat war. Maria besuchte ihre Cousine Elisabeth und blieb drei Monate bei ihr. Vielleicht war sie noch da, als Johannes geboren wurde, dann muss Jesus in ihrem Bauch auch mit da gewesen sein. Ein halbes Jahr später kam Jesus zur Welt, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt und auf den Johannes hinweist.
AMEN.

Gebet

Das Jahr ist auf seiner Höhe. Aus dem Dunkel sind wir gekommen. Jetzt sind die Tage hell. Es ist Sommer geworden. Wir danken dir, unser Gott, für das Leben und den Atem. Wir danken dir für deine Gegenwart in Dunkelheit und Licht, in Frost und Hitze, in Freude und in Traurigkeit.

Das Jahr ist auf seiner Höhe. Wir halten inne und erinnern uns. Wir sehen, was gewachsen ist, was gelungen ist, was Mut schenkt. Wir danken dir für die Menschen, die zu unserem Leben gehören, die uns Liebe schenken, und die, die uns zu tragen geben. In allem bist du, Gott unseres Lebens, gegenwärtig.

Das Jahr ist auf seiner Höhe. Wir halten inne und erinnern uns. Wir sehen, was in Trümmern liegt, was gescheitert ist, was uns trauern lässt. Wir hören Stimmen, die zur Umkehr rufen, die unsere Sehnsucht nach Frieden nähren, die uns an dein Reich erinnern. In allem bleibst du, Gott unseres Lebens, gegenwärtig.

Das Jahr ist auf seiner Höhe. Wir halten inne und erbitten gute sommerliche Tage ohne Fluten und Brände, voller Freundlichkeit und Liebe. Wir bitten um deinen Segen für Tage voller Aufatmen und Glück, um Frieden im Großen und in unserem kleinen Leben.

In allem vertrauen wir dir, du Gott unseres Lebens. Du bist bei uns im Dunkel und im Licht.

Durch Jesus Christus loben wir dich heute und morgen und alle Tage.
AMEN.

Gemeinsam bitten wir:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Es grüßt Sie herzlich
Katrin Hutzschenreuter, Prädikantin

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