Predigt zum Sonntag Kantate, 3. Mai 2026

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Predigt zum Sonntag Kantate, 3. Mai 2026

04.05.2026

über Psalm 98, 1; gehalten von von Prof. Dr. Klaus Husemann (Prädikant in der Petri-Johannis-Gemeinde in Freiberg)

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Liebe Gemeinde, heute zum Sonntag Kantate soll es einmal um das Thema Musik gehen. Also um das Singen, das Musik-hören und das Musik-spielen. 

Viele werden jetzt vielleicht denken: Was soll denn das. Das kennen wir doch alles. Und das auch noch ausgerechnet hier im Dom. Da mögen sie Recht haben, Auch ich bin mir bewusst: Im Dom zum Thema Musik zu predigen, heißt natürlich Eulen nach Athen tragen. Aber so einfach ist das alles nun doch nicht. Denn Musik: Das ist nicht nur ein weites Feld, wie es der Schriftsteller Theodor Fontane nennen würde. Musik reicht tiefer, viel tiefer. 

Dazu gehört auch der Predigttext. Er steht im Psalm 98, den wir vorhin gemeinsam gesprochen haben. Genauer geht es um den Vers l, der lautet:

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Dieser Text ist kurz, aber er hat es in sich. Er hat es in sich, weil es hier um das Thema Musik geht. Und damit um solche Fragen: Was ist das eigentlich, Musik?  Was gehört alles dazu und warum ist Musik wichtig? Genauer gesagt: Warum ist Musik und das Singen für uns wichtig? 

Musik, liebe Gemeinde, ist wichtig für uns, weil sie etwas bewirkt – durch uns, mit uns und vor allem in uns. Und das geht ja noch weiter. Denn Musik hat nicht nur etwas, sondern viel mit unserem Gauben an Gott zu tun. Musik ist, wenn sie nicht missbraucht wird, etwas Wunderbares. Und auch etwas ganz Besonderes. Musik ist ein Geschenk. Ein Geschenk Gottes. Ein Geschenk, das gleichzeitig Körper, Seele und Geist berührt. Musik hilft Gefühle nicht nur auszudrücken, sondern auch zu verstärken. Und das oft besser, als es Sprache ohne Musik kann. Oder anders ausgedrückt: Musik kann Emotionen vermitteln – auch dann noch, wenn uns die Worte fehlen. 

Von den vielen Sprüchen und Versen, die Musik uns nahebringen, habe ich nur drei ausgewählt. Und zwar zwei Sprüche von griechischen Philosophen, die auch zeigen, dass das alles nichts Neues ist. Platon sagt dazu: Musik und Rhythmus finden ihren Weg zu den geheimsten Plätzen der Seele. Und von Aristoteles ist überliefert: Im Wesen der Musik liegt es, Freude zu bereiten. Und schließlich unser Martin Luther: Für ihn ist die Stimme die Seele des Wortes.    

Aber damit wir uns nun nicht falsch verstehen: Musik und Sprache, das Singen und Lesen sind keine Konkurrenten. Im Gegenteil: Wenn sich Musik und Sprache zusammentun, ist das ein Gewinn. Ein Gewinn für uns, für Geist und Seele. Nehmen wir als Beispiel unser Gesangbuch. Hier sind in jedem Lied Text und Melodie vereint. Sie sind nicht nur vereint., sondern miteinander verbunden. Das ist für uns so selbstverständlich geworden, dass wir uns das kaum noch bewusst machen. 

Liebe Gemeinde, wie arm wäre unser Leben, ja wie arm wäre es auf der ganzen Welt ohne Musik und ohne Gesang. Singen und das Musizieren gehören ganz einfach zu unserem Leben dazu. Sie ist eine Gottesgabe, die unsere Lebensqualität erhöht. Und da ist es ganz egal, ob jemand selbst singen oder musizieren kann oder ein Zuhörer ist. Und da ist es auch ganz egal, ob die Jugend in einer Disco bei sehr lauter Musik bis in die Nacht hinein glücklich ist oder vor allem Ältere von einer Oper begeistert sind. Auch wenn das oft anders erzählt wird:  Hausmusik ist kein Auslaufmodell. 

Zur Musik gehört auch, dass sie Menschen verbindet und ein Gemeinschaftsgefühl vermittelt.  Ich nenne hier unser gemeinsames Singen im Gottesdienst oder die Proben und Aufführungen unseres Domchores und der Kurrente, auf die wir im Übrigen sehr stolz sein können. 

Erfreulich sind auch die Zahlen, die ich aus dem Landeskirchenamt in Dresden habe:

Danach singen rund 17.000 Mitglieder in ca. 500 Kirchenchören und Kantoreien und 350 in Kurrenden und Kinderchören. Dazu gibt es über 450 Posaunenchöre und 360 Instrumentalgruppen, in denen ca. 10.000 Mitglieder musizieren. Hinzu zu sagen ist auch, dass in vielen Dörfern Kirchenmusik das einzige Kulturangebot ist. 

Und damit sind wir in aller Stille bei der Kirchenmusik angekommen. Ich bin dankbar, dass wir eine evangelisch - lutherische Kirche sind. Denn im lutherischen Gottesdienst wurde schon in der Reformationszeit deutlich mehr gesungen als in einer katholischen Messe und die Gemeinde wurde beim Singen mit ein bezogen – und das in deutscher Sprache. 

Und es war auch Martin Luther, der das „Singt dem Herrn ein neues Lied“ aus dem Alten Testament auf ein neues und entscheidendes Niveau gehoben hat. Und das ohne den Vers verschwinden zu lassen oder um zu formulieren. Auf der ersten Seite unseres Gesangbuches wird dazu Martin Luther dankeswerterweise zitiert: „Singet dem Herrn ein neues Lied! Das heißt ein neues Lied, nämlich das heilige Evangelium und Gott dafür danken. Dazu helfe uns Gott.“ Dem ist ,liebe Gemeinde wenig hinzu zu fügen. 

Es war Johann Sebastian Bach, der die lutherische Musikauffassung am erfolgreichsten umgesetzt hat . Bach: Immerhin ein Jahrtausendgenie, der größte. und auch fleißigste Kirchenmusiker aller Zeiten. Auch als 5. Evangelist bezeichnet und für viele Musiker das A und O der Musik. Von seiner Kirchenmusik sind noch erhalten: unter anderem 220 Orgelwerke, 200 Kantaten. Dazu 3 Oratorien, 2 Passionen, 5 Messen. 

Über zum Beispiel das Weihnachtsoratorium, die Matthäuspassion und die vielen himmelstürmenden Orgelwerke muss hier im Freiberger Dom nicht viel gesagt werden. Auch wenn mir das vielleicht nicht zukommt: Ein Dankeschön dem Domkantor, Chor, Kurrende und den vielen Helfern will ich am Sonntag Kantate schon einmal loswerden. 

Etwas ist zum Predigttext noch zu sagen: Und zwar über die Wunder Gottes als das Ergebnis unseres Singens und Musizierens. Das wäre – wie wir wissen – auch eine lange Geschichte. 

Es ist wieder unser Martin Luther, der das Wesentliche dazu kurz und verständlich aufgeschrieben hat. Nicht in unser Stammbuch, sondern 1545  als Vorwort in ein Gesangbuch: „Singet dem Herrn ein neues Lied, singet dem Herrn alle Welt. Denn Gott hat unser Herz und Mut fröhlich gemacht durch seinen lieben Sohn, welchen er für uns gegeben hat zur Erlösung von Sünden, Tod und Teufel. Wer solchs mit Ernst gläubet, der kanns nicht lassen. Er muss fröhlich und mit Lust davon singen und sagen, dass es andere auch hören und herzukommen.“ 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

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