Predigt zum 3. Sonntag im Advent, 14. Dezember 2025

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Predigt zum 3. Sonntag im Advent, 14. Dezember 2025

14.12.2025

über Lukas 3,1-20 (Lut17); gehalten im Dom St. Marien zu Freiberg von Dr. Gunnar Wiegand, Pfarrer des Freiberger Doms

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,

wenn ich den Wetterbericht höre, ärgere ich mich immer mal wieder. Denn ich habe den Eindruck: die im Radio oder im Smartphone getroffenen Aussichten treffen für meinen konkreten Aufenthaltsort und die Uhrzeit oft nicht zu. Und die Aussagen, dass es für eine größere Region entweder gutes Wetter oder schlechtes Wetter gibt, brauche ich eigentlich nicht, da kann ich selber aus dem Fenster schauen.

Im heutigen Predigttext sehen wir eine andere Situation der Vorhersage: vor vielen Jahrhunderten hatte der Prophet Jesaja vorhergesagt, dass es einen Prediger in der Wüste geben wird. Er wird, wie ein so ein Bote, die Ankunft des Messias ankündigen. Und Lukas betont: genau diese Weissagung ist nun konkret geworden. Johannes, der Sohn des Zacharias, ist genau dieser Bote. Einer, der die Aufmerksamkeit der Betrachter besonders gut auf Jesus lenken kann: Krummes wird gerade, Höhen werden eben – so kann man gut sehen und gehen. Der Blick auf den Messias ist unverstellt, offen.

Von diesem Johannes weiß man eigentlich gar nicht viel – ein Mann aus der Wüste.

Und dann stellt sich gleich die Frage: Ist dieser Mann aber auch der richtige Prediger aus der Wüste? Lukas untermauert die Weissagung des Jesaja noch mit verschiedenen Fakten und Amtsangaben.

Hier geht es offenbar anders zu als bei der Wettervorhersage oder bei anderen Wahrsagern: hier geht es um’s Eingemachte, hier passiert bald etwas ganz Wichtiges. Gottes Sohn ist schon auf die Welt gekommen – wie wir ein Kapitel vorher in der Weihnachtsgeschichte lesen können – und jetzt wird er bald getauft. Bald wird er mit Gottes Wirkmacht auftreten. Doch hören Sie selbst:

Verlesung des Predigttextes Lukas 3,1-20 (Lut17)

Der Herr segne sein Wort an uns.

Liebe Gemeinde,

was für ein gewaltiger Bericht. Da ist eine sachliche historische Einordnung dieses Johannes. Das klingt vertraut, es lässt uns auf Distanz gehen. Vertraut klingen auch die Zitate aus Jesaja. Und dann aber diese Person, Johannes. Vertraut und doch völlig kurios, ein Mann aus der Wüste – mehr schreibt Lukas hier nicht. Er tauft und predigt die Buße, wirft den Menschen – trotz ihrer Bemühung – ihre Gottferne an den Kopf. Angst, Verunsicherung bei den Leuten. Angst, Verunsicherung bei uns? Werden wir dieser Botschaft dieses Wüstenmanns gerecht? Werden wir dem gerecht, der da kommt? Und im Zentrum wiederholt die berechtigte Frage: Was sollen wir tun? Was hat uns dieser Mann heute hier in Freiberg zu sagen? Ich will diese Frage in zwei Richtungen beantworten: I. Die Taufe aus dem Geist und II. Das Evangelium.

Zu I. Die Taufe aus dem Geist

Johannes scheint mir die Menschen sehr gut zu kennen, in seiner Zeit, wie auch uns heute. Er beobachtet das Treiben, das Verhalten der Leute. Und er bemerkt: in der Vorbereitung auf Gottes Kommen, in der Vorbereitung auf die Ankunft des Messias, im Advent herrscht da diese gewisse Unruhe und Hektik. Wir eilen durch die Adventsmärkte und Geschäfte, wir surfen uns durch die Verkaufsplattformen. Wir besuchen Christmärkte und Konzerte. Wir kommen auf Weihnachtsfeiern und zu Familienabenden zusammen. Ja, wir kommen heute in die Kirche. Und warum tun wir das? Natürlich gibt es ganz verschiedene Gründe, die dafür zu nennen sind. Aber im Endeffekt ist es doch das Eine: Weihnachten, das Fest, auf das alles zuläuft. Es ist das Fest der Ankunft Jesu für uns in der Kirche, für die Menschen außerhalb zumindest ein besonderes Familien- oder Lichter- oder Geschenkefest.

Auch die Menschen um Johannes waren von dieser Unruhe getrieben. Man muss sich das einmal vorstellen: wir wissen nicht genau, wer die Leute waren. Aber es ist anzunehmen, dass diese Leute aus Dörfern und Städten in der Gegend kamen. Und die machten sich auf in die Wüste, bzw. an den Fluss Jordan, also in die Wildnis, weil sie etwas erwarteten. Sie wollten für die Ankunft des Messias gerüstet sein. Und nun gelangen sie dahin in ihrer Unruhe und Johannes fährt sie erst einmal mit derben Worten an: Schlangenbrut, gerade ihr, die ihr die Taufe wollt und euch für etwas Besonders haltet: eure Vorbereitungen helfen euch nicht, eure Tradition ist nicht zweckdienlich. Oder an uns heute gerichtet: die Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest, ja selbst unsere vermeintliche Gewissheit aus der Taufe sind dem Propheten offenbar nicht genug. Aber: es geht ihm auch nicht darum, noch eine Aktivität drauf zu setzen. Es geht Johannes nicht darum uns noch mehr Verpflichtungen für die Adventszeit aufzuhalsen. Nein, er verweist auf Christus – ganz schlicht. Die Leute fragten ihn, ob er der Christus sei. Er weist das zurück indem er spricht: „Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber der, der stärker ist als ich; ich bin nicht wert, dass ich ihm die Riemen seiner Schuhe löse; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“ Und genau das ist der Fingerzeig. Genau das will Johannes den Leuten in ihrer Vorbereitungsunruhe mit auf den Weg geben: Glaubt an Jesus Christus. Glaubt, dass Jesus, der in Bethlehem als Kind geboren ist, der Christus ist. Ansonsten ist all euer Tun vergeblich. Dieser Jesus ist der neue Maßstab. Er ist der Grund, warum wir uns vorbereiten. Der Trubel und die Hektik sind gar nicht nötig. Ihr seid getauft mit Wasser nun nehmt Jesus auch im Glauben an. Das ist völlig ausreichend. 

Zu II. Das Evangelium

Als sich die Menschen Johannes nahten, forderte er sie zur Buße auf. Das stiftete Verwirrung, weil sie dachten durch die Taufe würden die Verfehlungen vergeben werden. Und so fragten sie in ihrer Unsicherheit: Was sollen wir also tun? Oder anders gesagt: wenn wir den Glauben an die Taufe und den Heiligen Geist, den Glauben an Jesus Christus haben, müssen wir dann überhaupt noch etwas tun?

Johannes antwortet ganz schlicht:

1.    „Kommt euren Aufgaben nach. Erfüllt eure gesellschaftliche Pflicht. Kommt den Aufgaben eures Berufs nach. Oder anders gesagt: ihr müsst eure Leben nicht verbiegen für Jesus Christus. Lebt auf die beste Weise nach den Möglichkeiten eurer inneren Gaben.“ Lukas verdeutlicht das an den Berufsgruppen der Zöllner und Soldaten: „Es kamen aber auch Zöllner, um sich taufen zu lassen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun? 13 Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch vorgeschrieben ist! 14 Da fragten ihn auch Soldaten und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemandem Gewalt noch Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold!“

2.    …antwortet Johannes den Leuten: „Liebt euren Nächsten“. In Johannes Worten: „Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer Speise hat, tue ebenso.“ Wir sollen aus dem Glauben an Jesus Christus das Bedürfnis des Nächsten im Blick haben. Und freilich ist das Wort von Johannes übertragen zu verstehen: es geht nicht darum mein altes verschlissenes Hemd für die Altkleidersammlung abzugeben um dann zu sagen: das ist doch genug. Johannes Worte sind im Verhältnis zu sehen: er war ein Eremit, ein armer Mann aus der Wüste. Einfach gekleidet. Für ihn ist ein Hemd sehr viel Wert. Wenn wir das in Relation setzen: es geht darum von unserem Reichtum für andere Menschen abzugeben.

Wie viele Menschen in unserem Land, in Europa und der westlichen Welt haben Unmengen an Geld? Und auf der anderen Seite stehen viele Menschen, die sparsam haushalten müssen. Die Schere von Superreich und Arm geht immer weiter auseinander. Es ist hier ein völliges Ungleichgewicht eingetreten…. Und ungerecht – wie ich finde. Aber Johannes sagt deutlich: „Gebt ab von eurem Reichtum und haltet Maß in euren Forderungen.“ 

Es ist völlig klar: Johannes will den Menschen nicht die Adventsstimmung verderben. Er will nicht die Weihnachtsmärkte, Adventsfeiern, die schöne Musik oder die Einkäufe verbieten. Aber er ermahnt uns, wachsam zu sein. Wir tun das alles, weil Jesus als Christus auf die Welt gekommen ist. Christus ist der richtende Maßstab unseres Lebens, nicht unser Geld, nicht unsere persönlichen Wünsche, ja nicht einmal unsere Sehnsucht nach Idylle oder Tradition – wie wir sie ja gerade oft auf den Weihnachtsmärkten finden. Der Glaube an Christus hat die Buße zur Folge. Und diese Buße fordert von uns das Evangelium in den Blick zu nehmen. Für Johannes bedeutet das: einerseits soziale Gerechtigkeit, Maßhalten und andererseits sich den Aufgaben seines Berufes, seines Lebensumfeldes stellen und sie bestmöglich zu erfüllen. So seid ihr bereit für die Ankunft Christi, so seid ihr bereit für Christi Maßstab.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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