Andacht zum Trinitatisfest, 31. Mai 2026

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Andacht zum Trinitatisfest, 31. Mai 2026

30.05.2026

von Superintendentin Hiltrud Anacker

Liebe Leser und Leserinnen!

Mal angenommen

Ich möchte mit Ihnen ein Gedankenspiel spielen und nachdenken über Gott und die Welt.

Mal angenommen: Es wird Frieden in der Welt. Das ist ein bisschen mein Lieblingstraum. Stark und nicht so stark, die Lauten und die Leisen, arm und reich verbinden sich. Sie gehen aufeinander zu und gleichen Ungerechtigkeiten aus. Das wäre schon fast wie im "Himmel". Mal angenommen: Ich komme immer mit mir selbst zurecht. Ich weiß, woher ich komme, wer ich bin und wohin ich gehe. Das wäre toll. Mit unserem Gedankenspiel kommen wir ins Philosophieren. Das Trinitatisfest lädt dazu ein. Mal angenommen: Ich stelle mich der Überlegung, wie ist das eigentlich mit Gott? Wir reden von "Vater, Sohn und Heiligem Geist" und doch ist es nur der eine Gott, der sich unterschiedlich zeigt. Mal erleben wir ihn als einen unbegreiflich fernen und dann wieder als einen ganz nahen Gott, der zu meinem Alltag gehört. Gott wirklich vollständig zu verstehen, das komme ich an meine Grenzen. Mit bildhaften Vergleichen wird es etwas leichter.

Mal angenommen: Ich möchte mit einem Beispiel philosophieren. Sie lassen sich hoffentlich darauf ein. Der Gegenstand, um den es gehen soll, ist klein - eine Büroklammer. Es geht um ein kleines Stück gebogenen Draht. Es soll Papiere zusammenhalten, es hält zusammen, was zusammengehört. Dabei geht es nur um ein zu zwei Schlaufen gebogenes Stück Draht. Die große Schlaufe umarmt die kleine. Die Spitzen zeigen in dieselbe Richtung. Sie stehen in Spannung zueinander. Durch diese Kraft können sie Papiere zusammen halten. Die Büroklammer hat die Aufgabe, Verbindung zu schaffen.

Mal angenommen, die Eigenschaften der simplen Büroklammer sind vergleichbar mit dem alltäglichen Leben. Die Welt, so erlebe ich das, ist in Unordnung. Wie kann es überschaubarer werden,  wenigstens im eigenen Denken und Handeln? Wir könnten ein wenig Ordnung schaffen. Dabei sind es die Beziehungen, die Verbindungen, die Stabilität geben. Die Spannungen in gesunden Bindungen, sind Kräfte, die Verbindung schaffen und nicht zerstören. Ich behaupte, wahre Reife und innere Freiheit wachsen dort, wo Liebe und Bindung erfahren werden. Dann werden Kräfte nicht gegeneinander, sondern füreinander eingesetzt.

Wir sind schon weit mit dem Philosophieren: Wir haben ein Bild analysiert und das Ergebnis der Analyse auf unser Leben übertragen. Ich möchte das Bild noch weiter spinnen und übertragen auf die  Verbindung zu Gott: Mal angenommen, Sie haben gute Erfahrungen aus dem christlichen Glauben gezogen. Dann haben Sie erlebt, dass der Glaube aus der Verbindung zu Gott lebt. Dann haben Sie vielleicht die Erfahrung gemacht, dass Gott der Mensch, also auch ich, wichtig ist. Jetzt komme ich auf die Bibel zu sprechen. Das Volk Israel lebte mit diesen Gotteserfahrungen. Das Erste Testament erzählt von guten Zeiten als von Gott geschenkter Zeit und von schlechten Zeiten, in denen die Israeliten lernen mussten, dennoch auf die Erfahrung der Nähe Gottes zu vertrauen. Das haben viele Menschen aufgeschrieben. Dieses Vertrauen bildet auch die Grundlage des christlichen Glaubens an Gott, der sich so unterschiedlich zeigt. Und unsere Büroklammer? Im Vergleich wären wir die kleine Schlaufe und Gott die große. So wären wir eingebettet in den Schutz Gottes und zeigen im Idealfall in dieselbe Richtung. Die Verbindung Gottes zum Menschen dürfen wir "Segen Gottes" nennen. Das bedeutet, Gott passt auf den Gesegneten auf und hilft zur Lebensbewältigung (oder das Leben immer wieder zu ordnen). Der Segen wird zugesprochen. Damit wird die Verbindung, die Gott mit dem Menschen haben möchte in Erinnerung gerufen. Mal angenommen: Segen bedeutet, von Gott angenommen zu sein. Die Büroklammer erzählt von einer Verbindung, die lösbar ist, wenn ich es will. So ist das auch mit der Verbindung zu Gott. Es ist meine Entscheidung, ob ich sie löse oder in Verbindung bleibe. Die Spannung in dieser Verbindung sehe ich als eine positive, als eine spannende Geschichte. Vielleicht überfrachte ich das Bild ein bisschen, aber ich finde es treffend. Manches kommt erst in Ordnung durch eine feste Verbindung, durch ein Angenommensein.

Mal angenommen- Gott spricht: "Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden." (4. Mose 6,24-25) Da sagt Gott: "Du bist angenommen."
Amen.

Gebet

Dreieiniger Gott, du hast deinen Namen auf uns gelegt
und uns zu deinem Volk gemacht.
Segne uns, damit wir deine Gnade erkennen und deinen Frieden empfangen.
Sende uns dann hinaus als Gesegnete,
die selbst zum Segen werden. Durch Jesus Christus. 

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen

Segen heißt: Du bist angenommen.
Der HERR segne dich und behüte dich;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
Amen.

Herzlich grüßt Sie
Superintendentin Hiltrud Anacker

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