Andacht zum Sonntag Lätare, 15. März 2026

Predigtarchiv

Andacht zum Sonntag Lätare, 15. März 2026

14.03.2026

von Theresa Matthes (Gemeindepädagogin in der Petri-Johannis-Gemeinde Freiberg)

Liebe Leserinnen und Leser,

mitten in der Passionszeit ein Sonntag, der zum Freuen einlädt: Lätare. Lätare ist lateinisch und heißt „Freue dich!“ Schon jetzt darf ein wenig die Freude des Osterfestes durchscheinen, die Hoffnung auf das neue Leben. Wir dürfen vertrauen: Die Zeit bleibt nicht im Leid und in der Dunkelheit stehen.

Der Spruch, der über der kommenden Woche steht, lautet: "Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht." Joh 12,24

Es scheint ein Gesetz: ohne Einsatz kein Erfolg und kein Gewinn. Ohne Geduld kein Glück, ohne Mühe kein Ertrag. So ist es überall. Ich denke an die Nerven, die man auf Arbeit lässt, um am Ende Veränderungen und Erfolge wahrzunehmen. Oder an die mühsame Beziehungsarbeit mit manchen Mitmenschen, die jedoch Vertrauen und Lebendigkeit wachsen lässt. Ich denke auch an schweißtreibende Gartenarbeit, die uns im Herbst mit Blumen und Früchten entlohnt. Oder an Momente des beharrlichen Ringens im Gebet, durch das verfestigte Situationen aufbrechen.

Ich mag die Bildsprache der Bibel. Sie erinnert uns in unserem technisch-funktionalen Weltverständnis daran, dass wir in Leben, in Wachsen, in ein Netzwerk eingebunden sind. Diese Bildsprache ist so klar und einleuchtend und dabei voller Tiefe. Ein Körnchen, ein Same. Jede hat schon mal eins in der Hand gehalten. Und in die Erde gesteckt und gegossen. Freudig einen kleinen Spross begrüßt. Ein Weizenkorn, das in die Erde gesteckt wird, muss sterben. So sagt es der Vers aus dem Johannesevangelium. Es muss loslassen. Wenn es ein Bewusstsein hätte, würde es vielleicht folgendes spüren: Es muss das Bedürfnis loslassen, dass seine heile, goldig-trockene Welt immer die gleiche bleiben wird. Es muss die Vorstellung loslassen, zu wissen und kontrollieren zu können, was geschieht. Es muss den Wunsch nach Selbstwirksamkeit loslassen, denn es weiß nicht, was geschieht. Es muss sich anvertrauen, einer Umwelt, die es im innersten Wesen verändern wird. Ja, es muss sterben. Dieser Prozess ist ein elementarer Teil seines Daseins. Des Daseins eines jeden Körnchens, eines jeden Menschen.

Manchmal steht man vor einer schweren Entscheidung: Da ist das Gefühl, nur zwischen zwei Übeln wählen zu können und so oder so schuldig zu werden. Es hilft der Gedanke, auch diese Entscheidung in Gottes Hände zu legen. Im Vertrauen, dass neben allem Schaden, die Möglichkeiten groß werden mögen, dass daraus neue ins Weite führende Wege entstehen. Den Segen, der auch durch manches Versagen entstehen kann, wird man jedoch erst mit der Zeit erkennen können.

Es ist leicht gesagt: Versuche doch im Schlechten das Gute zu sehen. Wie mögen das Menschen mit schweren Schicksalsschlägen hören. Sterben, Hingabe, Aufopferung muss jedoch nicht zwangsläufig sinnlos sein. An auch unvorhersehbaren Stellen kann es Auswirkungen haben, indem es Neubeginn, Umdenken, Veränderung bewirkt. Von Herzen wünsche ich allen Trauernden, dass sie das eines Tages erfahren.

Der Sonntag Lätare will das Leiden, die Ungerechtigkeit und die Sinnlosigkeit nicht kleinreden. Doch wird dürfen uns erinnern lassen, dass wir unseren Blick über das jetzige Erleben hinausrichten können.

Es ist eine große Einladung: Vertraue dich an. Lass los. Habe die Gewissheit, dass unser Schöpfer dich sieht und führt und durch schwere Zeiten trägt. Dass dein Leben nicht ohne Auswirkung auf diese Welt bleiben wird. Dass es segensvolle Auswirkungen sind, dafür kannst du selbst ein klein wenig tun. Übe dich in Liebe, in Vertrauen und Hoffnung.
Amen.

Gebet

Guter Gott, Loslassen fällt so schwer. Wie gern haben wir die Dinge selbst in der Hand, wie sehr sehen wir uns nach Gemeinschaft, nach Zeit miteinander, nach Frieden, nach Glück. Du kennst unsere Sehnsucht. Wir bitten dich, öffne unsere Augen und Herzen für deine Güte und Barmherzigkeit, die auch in schweren Zeiten, im Leid, um uns ist. Schenke uns Hoffnung, die über uns selbst hinausweist. Lass in uns die Freude wachsen. Wir bitten dich, sei allen mit deiner Gnade nahe, die es in diesen Tagen besonders schwer haben.

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen

„Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.“ Mit fester Zuversicht darauf segne uns Gott, jetzt und allezeit.
Amen.

Herzlich grüßt Sie
Theresa Matthes

alle Predigten


Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

Felder mit Stern (*) müssen ausgefüllt werden.

nach oben