Andacht zum Drittletzten Sonntag des Kirchenjahres, 9. November 2025

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Andacht zum Drittletzten Sonntag des Kirchenjahres, 9. November 2025

08.11.2025

von Prädikant Prof. Dr. Klaus Husemann (Petri-Johannis-Gemeinde in Freiberg)

Über das Altern

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wenn wir alt geworden sind oder merken, dass wir älter werden, gibt es vieles, was wir uns für unser Leben, für unseren Alltag wünschen. Wir sind dankbar, wenn wir - mit oder ohne Hilfe – noch selbstbestimmt leben können. Und das Beste, was wir dabei erfahren können, ist das Frieden finden und zur Ruhe kommen.

Das Altern eines Menschen und sein Sterben auf dieser unserer Erde sind – auch wenn das schlimm klingt – der normale Gang der Dinge. Deshalb ist das Altern keine Katastrophe, sondern eine Aufgabe, denn jeder Mensch altert – außer den Menschen, die vorher sterben müssen. Zum Beispiel schon als Kind oder jemand, der im besten Alter nach einem Krebsleiden sterben muss. 

Auch der Prediger Salomo sagt uns im Alten Testament etwas über den Ablauf des Lebens: „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde. So hat das Geboren werden seine Zeit und auch das Sterben hat seine Zeit; töten hat seine Zeit und das heilen hat seine Zeit; weinen hat seine Zeit und lachen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit und reden hat seine Zeit; lieben hat wie das Hassen seine Zeit; und daraus folgt, dass auch der Friede wie der Unfriede ihre Zeit haben.  

Was uns Älteren und Alten nun alles in den Medien, in der Werbung usw. empfohlen wird, damit wir jünger, aktiver und attraktiver werden oder wenigstens so wirken sollen, das will ich uns ersparen. Es ist normal, dass im Alter die Haut schlaffer wird und ein Körper abgenutzter ist. Und trotzdem ist er noch so leistungsfähig, dass er uns am Leben erhält. Wir wissen alle, wie wenig selbstverständlich das ist. Dazu ein Beispiel: Unser Herz schlägt 60 bis 80-mal pro Minute. Wenn jemand 60 Jahre alt geworden ist, hat das Herz schon 2.400 Millionen-mal geschlagen. Und wenn wir weiterleben: Im Alter von 80 Jahren kommen noch einmal 800 Millionen Herzschläge dazu. 

Natürlich gibt es Besonderheiten im Alter: Die Welt, die uns interessiert, wird kleiner. Unsere Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und Behinderungen nimmt zu. Unsere Lernfähigkeit und das Gedächtnis nehmen ab. Unser Ereignisvorrat, was unser weiteres Leben betrifft, wird kleiner. Es kommt uns so vor, als ob die Zeit immer schneller vergehen würde. Wir werden oft einsamer, weil uns liebe Menschen sterben oder schon gestorben sind. Manchmal fragen wir uns auch, ob wir noch genügend ernst genommen werden.

Andererseits sollten wir nicht vergessen, dass wir den Wert der sogenannten kleinen Dinge und Fähigkeiten viel besser erkennen als früher. Und was kaum bekannt ist oder nicht anerkannt wird: Im Alter kann die Fähigkeit zunehmen, komplexe Zusammenhänge zu erkennen und daraus die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Grundlage dafür ist unsere Lebenserfahrung, die uns niemand nehmen kann. Früher nannte man das Altersweisheit.

Was ich über das Altern oder das Altsein aufgeschrieben habe, ist ein Versuch. Und diesen Versuch wird jeder von ihnen etwas anders aufnehmen. Das ist ganz normal, denn jeder von uns ist anders, denkt und fühlt sich anders. Und die Unterschiede werden im Alter nicht kleiner. Aber unabhängig davon ist bei uns allen eines notwendig: Wir müssen uns ehrlich machen, ehrlich machen gegenüber uns selbst über das, was in unserem Leben war, ist und sein wird, damit wir zur Ruhe kommen und unseren Frieden finden. 

Der Glaube an Gott ist uns dabei eine große, vielleicht sogar die entscheidende Hilfe. Im Psalm 62, Vers 6 können wir dazu lesen: "Immer wieder muss ich es mir sagen: Vertrau auf Gott, dann findest du Ruhe! Er allein gib mir Hoffnung" (Gute Nachricht Bibel). Und Jesus sagt uns: "Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende." Das heißt, dass Jesus immer bei uns ist: Jeden Tag in unserem Leben, wenn wir sterben und wenn wir verstorben sind. Amen

Gebet

Großer Gott, bitte hilf,
dass ich zur Ruhe komme und meinen Frieden finde.
Großer Gott, bitte gib mir die Kraft und den Mut,
dass ich diesen Frieden auch an meine Nächsten weitergebe.
Großer Gott, sei bei allen,
die jetzt deine Hilfe brauchen
und stifte Frieden auf der Welt. 

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Rech komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse mich von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Segen

Der Herr segne Dich und behüte Dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich
Und gebe Dir Frieden. Amen

Herzlich grüßt Sie in Verbundenheit
Ihr Klaus Husemann

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