31.12.2025
von Superintendentin Hiltrud Anacker
Liebe Leser und Leserinnen!
Zum Jahreswechsel möchte ich mit Ihnen den Blick zurück wagen. Das Jahr 2025 begleitete ein Satz aus dem Neuen Testament als Jahreslosung: „Prüft alles, und behaltet das Gute.“ (1. Thess. 5,21). War es ein gutes Jahr? Persönlich werden Sie unterschiedliche Antworten geben. Was wird Ihnen nun alles durch den Kopf gehen? … Gesellschaftlich habe ich Sorge um das Miteinander unter uns. Ich wünschte mir, wir hätten mehr Geduld miteinander und könnten mehr sehen, was wir haben, als was uns fehlt. Wenn ich so weit bin mit meiner Sorge entdecke ich, wie Menschen, ohne in die Nachrichten zu kommen, unkompliziert aufeinander zugehen und helfen. Darüber freue ich mich. Über die Weltpolitik will ich jetzt nicht schreiben. Wie war das Jahr in der Kirchgemeinde? Wir kommen nicht darum herum, dass auch Kirche sich verändert. Das war schon immer so. Manche machen sich sorgen, dass das Pfarrhaus schon lange nicht mehr von einer Pfarrfamilie bewohnt ist. In anderen Orten gibt es zwar den „Großmütterchenkreis“ nicht mehr, dafür aber eine „Familienkirche“, zu der Jung und Alt herzlich willkommen sind. Die eine Gemeinde sorgt sich, wie die Sanierung der Kirche oder des Gemeindehauses finanziert werden kann. Bei einer anderen durfte ich die neu reparierte Orgel wieder einweihen. Wie haben wir jubelnd dazu gesungen. Beim Kirchenkaffee haben wir uns ausgetauscht. Auch neue Glocken konnten geweiht werden. Die alten hatten ihren Dienst getan. Daran erinnere ich mich gern. Kirchgemeinde heißt nicht, am althergebrachten festzuhalten. Kirche heißt aus dem Glauben an Gott zu leben und davon zu erzählen. Ich bin mir ganz sicher: Die Kirche Jesu Christi wird es auch in Zukunft geben, ermutigend und tröstlich.
„Prüft alles, und behaltet das Gute.“ Das hat Paulus an die Christen im alten Thessaloniki geschrieben. Er hält mit dieser Aufforderung keinen Jahresrückblick. Im Brief lobt und ermutigt er. Er schreibt ganz allgemein vom „Evangelium“ also von der „guten Botschaft“ des christlichen Glaubens mit dem Ziel der Auferstehung. Die Christen warteten schon vor fast 2000 Jahren, dass Jesus Christus wiederkommen und sie erlösen würde. Aus dieser Hoffnung schöpften sie Trost. Sie lebten in einer Minderheit. Die anderen hatten einen anderen Glauben. Das kann verunsichern. Jesus war bisher noch nicht wiedergekommen. Paulus aber will ermutigen, am eingeschlagenen Weg festzuhalten. Zugleich ermahnt er die Gemeindemitgliedern, wie sie sich zu verhalten hätten: Nachlässige zurechtweisen; Kleinmütige trösten; Schwache tragen; geduldig sein mit jeder und jedem. Paulus fasst zusammen: „Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.“ Und dann fordert er auf: „Prüft aber alles, und das Gute behaltet.“ Was ist das eigentlich: das Gute? Die Menschen - wir auch - werden immer daran herumbuchstabieren, was ist gut, was nicht. Paulus meint, wir dürfen offen sein für Gottes Wirklichkeit.
Wenn wir so zurückschauen, könnte dies die Sinne schärfen für Gottes Wirklichkeit. Das finde ich tröstlich. So möchte ich den Blick nach vorn wagen. Für das Jahr 2026 gibt es eine neue Jahreslosung. Gott spricht: „Siehe, ich mache alles neu.“ (Off. 21,5) Ich lese sie wie eine Fortsetzung. Mit ihr kann ich zuversichtlich in das neue Jahr gehen: Fröhlich, mit Gebet, dankbar. UND: Ich möchte mit dem Geist Gottes rechnen, ob es gerade schwierig ist oder nicht. Ich bin mir sicher, Gott hält sein Wort, nicht nur mich, sondern auch Sie zu begleiten und zu unterstützen. Mit Paulus möchte ich Ihnen zusprechen: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch!“
Amen.
Gebet
Aus deiner Gnade leben wir, Gott.
Das ermutigt und stärkt,
dafür danken wir dir.
Weil das so ist,
richten wir unsere Blicke über unser eigenes Leben hinaus.
Wir bitten dich für die vielen Menschen,
die unter Krieg und Verfolgung leiden.
unsere Kräfte reichen nicht aus,
um Frieden in der Welt zu schaffen.
Wir bitten dich für die Menschen,
die den Tod vor Augen haben.
Steh ihnen bei.
Die Trauernden tröste.
Wir bitten dich für deine Kirche,
auch für unsere Gemeinde.
Führe uns, damit dein Wort unter uns lebendig bleibe.
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.
Segen
So segne und behüte Dich der allmächtige und barmherzige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.
Herzlich grüßt Sie
Hiltrud Anacker, Superintendentin
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