20.12.2025
von Prof. Dr. Klaus Husemann (Prädikant in der Petri-Johannis-Gemeinde Freiberg)
Es wird ein Reis hervorgehen (Jesaja11,1a)
Liebe Leserinnen und Leser,
Das Lied „Es ist ein Ros entsprungen“ ist eines der schönsten Weihnachtslieder, das wir kennen. Es stammt schon aus dem 16. Jahrhundert. Hier wird uns mit einfachen Worten gesagt, was Weihnachten geschehen ist, nämlich die Geburt Jesu, Gottes Sohn. Deshalb können wir singen, sprechen oder lesen: „Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart. Wie uns die Alten sungen, aus Jesse kam die Art. Und hat ein Blümlein bracht. Mitten im kalten Winter,wohl zu der halben Nacht. Das Blümlein, das ich meine, davon Jesaja sagt: Hat uns gebracht alleine, Marie, die reine Magd; aus Gottes ew’gem Rat hat sie ein Kind geboren wohl zu der halben Nacht.“ (Alle Strophen finden Sie im Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 30).
Aber so weit sind wir noch nicht, denn die Geburt Jesu, also Weihnachten, werden wir erst in drei Tagen feiern können. Dafür feiern wir heute den vierten Advent. Drei Adventssonntage und damit auch schon drei Wochen Advent liegen hinter uns. Um es einmal sportlich zu sagen: Zum vierten Adventssonntag hat sozusagen der Endspurt begonnen – der Endspurt auf Weihnachten. Schließlich gibt es für das Weihnachtsfest noch vieles zu bedenken und zu erledigen: Geschenke, Anrufe Weihnachtskarten usw. Und wer in einer eigenen Wohnung lebt, steht, wenn er nicht allein ist, vor der Frage: Gans oder Ente? Am Heiligabend und an den Feiertagen wollen und sollen alle zufrieden sein, denn für alle ist Weihnachten ein Fest des Friedens, der Familie und der Freude. Das merken vor allem Diejenigen, die Weihnachten oft allein sein müssen: Alte, Kranke, Verlassene, Vergessene, Einsame.
Hier heißt es nun innehalten: Müsste der Endspurt am 4. Advent nicht auch das enthalten, was das Hoffen auf Weihnachten eigentlich ausmacht? Können wir den Advent eigentlich einfach überspringen, da doch Jesu schon vor über 2.000 Jahren geboren wurde? Das mag stimmen. Aber es hat schon seinen Grund, dass wir gerade in der Adventszeit unsere Hoffnung jedes Jahr wieder stärken können und uns bewusst machen, was Jesu Geburt für uns eigentlich bedeutet.
Im Lied „Es ist ein Ros entsprungen“ wird das aufgenommen, was Jesaja 750 Jahre vor Jesus Geburt prophezeit hat: Es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm des König Isai (ist Vater von König David) und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen (Jesaja 11,1). Und Jesaja prophezeit außerdem, dass auf dem Neugeborenen der Geist Gottes ruhen wird. So wie Gottes Weisheit, Verstand, Erkenntnis und Stärke. Und er wird mit Gerechtigkeit richten die Armen und rechtes Urteil sprechen den Elenden im Lande, und er wird mit dem Stabe seines Mundes den Gewalttätigen schlagen und mit dem Odem seiner Lippen den Gottlosen töten (Jesaja 11,2+4).
Ja, liebe Leserinnen und Leser, hier geht es tatsächlich um Gottes Sohn, dessen Geburt wir in wenigen Tagen erwarten. Es ist ein Wunder, dass wir nicht mit unserem Verstand fassen können. Lassen wir einfach auf uns wirken, was uns Jesaja zu sagen hat. Mir hilft es manchmal, wenn ich mir dazu eine einfache Kerze anzünde. Amen
Gebet
Großer ewiger Gott, das Warten-müssen ist nicht meine Stärke.
Ich hoffe auf dich und bin dankbar,
Dass du – alle Jahre wieder – mit deiner Geburt ein Zeichen setzt.
Ein Zeichen dafür, dass wir mit dir rechnen können.
Hilf uns, dass wir bei allen Schwankungen immer wieder zu dir finden.
Und bitte gib, dass wir dabei nicht nur an uns denken.
Öffne unser Herz für das Leid in unserer Nähe und in der großen weiten Welt.
Lass mich zur Ruhe kommen und meinen kranken Nachbarn auch.
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.
Segen
Der Herr segne Dich und behüte Dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich
und gebe Dir Frieden.
Amen.
Herzlich grüßt Sie in Verbundenheit Ihr Klaus Husemann
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