Andacht zum 3. Advent, 14. Dezember 2025

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Andacht zum 3. Advent, 14. Dezember 2025

13.12.2025

von Theresa Matthes

Liebe Leserinnen und Leser!

“Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, der HERR kommt gewaltig.” (Jes 40,3.10)

Dieser Wochenspruch stammt aus dem Jesaja-Buch. Aus dem 40. Kapitel spricht ein ganz großer Trost. Gott kommt. Er wird da sein für sein Volk. Im Glauben dürfen wir sagen: Er wird da sein für mich. Jedes Jahr im Advent übe ich mich in der Hoffnung: Gott wird kommen. Nicht immer ist es ein großer Moment, viel eher ein leises Flüstern, ein kurzer zärtlicher Hauch. Ich werde eine Annahme spüren, die bis ganz tief in mein Inneres Heilung bringt. Und Ruhe und Frieden. Ich werde erkennen, dass ich schon immer geliebt war, genug war. Die Erfahrung so einer großen allumfassenden Liebe kann gewaltig sein. Die meine Sicht auf das Leben verändern kann. Die mich in der Rückschau versöhnt auf meinen Weg blicken lässt.

Wir Christen verbinden das Kommen des HERRN mit der Geburt Jesu. Wie kann ein Kind in der Krippe gewaltig erscheinen? Feiern wir nicht gerade zu Weihnachten einen verletzlichen, in menschliche Arme ausgelieferten Gottessohn? Die Erfahrung einer solchen zarten, reinen und doch unbändigen Liebe kann gewaltige Spuren in Menschenherzen hinterlassen. Sie befähigt uns zu Hingabe und Leidenschaft. Einer Leidenschaft, die den Mitmenschen ebenso eine Erfahrung ermöglichen möchte. Denn wenn ich befreit bin von Gefühlen des Verdienen müssen, des “Ich bin nie genug”, kann ich anderen weitherzig und gütig begegnen. Und wenn ich auf die verzweifelte Frage, ob mich jemand so liebt wie ich bin, eine Antwort gefunden habe, werden das andere spüren.

Die Antwort auf diese Frage kann mir nicht gesagt oder gelehrt werden. Ich muss und darf sie fühlen und erleben. Und dies wird möglich in einer Beziehung zu einem menschgewordenen Gott. In einem mutigen Leben, das vertraut und wagt. Würde mir das ein gewaltiger Gott vom Himmel herabrufen, ich würde es nicht glauben. Doch der Verletzlichkeit eines Babys kann ich glauben und seiner Güte vertrauen: Alles für dich.

Und doch haben wir oft genug Fragen, auf die wir keine Antwort finden. Wir stehen stumm neben leeren Räumen, verletzten Seelen, an Krankenbetten, Gräbern. Jedes Wort, dass von Hoffnung redet, klingt hier hohl angesichts von Verzweiflung, Leid und Hilflosigkeit. In unserer Lebenszeit müssen wir alle auch schwere Erfahrungen machen. Der Gottessohn in der Krippe kann mir zeigen: Ich bin nicht allein in der Dunkelheit. In unsere Niedrigkeit und Unvollkommenheit leuchtet ein göttliches Licht.

Ich mag den Gedanken sehr, dass wir Menschen Wegbereiter für Gottes Gegenwart in der Welt sind. Sicher, Gott ist nicht auf unser stümperhaftes Reden und Wirken angewiesen. Und doch hat er sich als Baby in unsere Arme gelegt. Ja, tut es jedes Weihnachten neu. Gott donnert nicht gewaltig vom Himmel. Doch wenn Menschen ihre Herzen zueinander öffnen, dann wird seine Liebe gewaltige Auswirkungen haben. Dann können Wunder des heil Werdens, des Friedens und der Vergebung geschehen.

Bei diesem Vers “Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, der HERR kommt gewaltig.” (Jes 40,3.10) fällt mir ein Lobpreislied ein, dass ich in meiner Jugend oft und inbrünstig gesungen habe: Bahnt einen Weg unserm Gott... Nichts anderes als: Macht hoch die Tür... Das ist ein klassischer Operator – ein Handlungsaufruf. Und so fragt die Pädagogin in mir: Und wie mache ich das? Ich soll etwas für das Kommen des HERRN tun. Ich darf aktiv werden. Doch wie? Es helfen sicher die vielen kleinen und großen liebgewonnen Traditionen und Bräuche des Advents: Ein Raachermannl anzünden, grüne Tannenzweige ins Haus holen, die Kerzen auf dem Adventskranz anzünden, die herrliche Musik von Bach. Doch darin erschöpft sich das Weg Bereiten nicht. Lassen Sie uns schauen: Wo hinein möchte das Christuskind dieses Jahr kommen mit seinem Frieden? Was wird dieses Jahr anders sein? Welche Wunden gilt es zu heilen, welchen Frieden zu schließen, welche neuen Aufbrüche zu wagen? Bei mir ganz persönlich und acuh in unserem Dorf, unserer Kirche, unserem Land.
Amen.

Gebet

Herr Jesus Christus, jedes Jahr neu möchtest du in unsere Herzen einziehen. Wir bereiten dir den Weg. Lass uns wachsam und mutig sein, den leisen Zwischentönen nachzugehen. Begegne du uns in all der adventlichen Hektik. Berühre unsere manchmal so müden Seelen mit deinem Frieden und deiner Liebe. Befreie uns zu Weitherzigkeit und einem kindlichen Glauben. Wir warten auf dich.

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen

Guter Gott, segne du unsre Tage, damit wir achtsam bleiben für deine Gegenwart und bei aller Geschäftigkeit der Vorbereitung auf das Fest deiner Menschwerdung nicht vergessen, uns selbst zu bereiten für die Begegnung mit DIR.

Gott bleibe mit seinem Frieden bei dir und allen Menschen, denen du verbunden bist.
Amen.

Herzlich grüßt Sie
Theresa Matthes
Gemeindepädagogin, Petri-Johannis Freiberg

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