Andacht zu Heiligabend 2025

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Andacht zu Heiligabend 2025

24.12.2025

von Superintendentin Hiltrud Anacker

Liebe Leser und Leserinnen!

"Hoffnung auf Frieden"

Ein Blick in die Krippe genügt. Bei Maria und Josef wundert es mich nicht, dass sie erleichtert und liebevoll das Kind anschauen. Nach der Angst, keine Unterkunft zu finden, und nach überstandener Geburt werden sie einfach nur erleichtert gewesen sein. So stelle ich mir das vor. „Schau nur wie friedlich er schläft.“ das sagen sie im Krippenspiel, dass die Jugendlichen aus dem Konfirmanden-unterricht und der Jungen Gemeinde in Kleinwaltersdorf zur Christvesper spielen werden. Die Hirten, die nicht einmal bei der Volkszählung zählen (weil sie „nichts wert“ sind), sehnen sich nach einem, der die Welt heil macht. In ihnen regt sich beim Blick in die Krippe eine Hoffnung auf Frieden und ein besseres Leben. Ausgerechnet der römische Soldat, der seine Stelle in der Armee hingeschmissen hat, spricht es noch deutlicher aus: „Euer Kind strahlt so viel Hoffnung aus, Hoffnung für alle Menschen auf der Welt. Das ist so wichtig - wichtiger als jeder Befehl des Kaisers.“ „Hoffnung auf Frieden“ - Das ist der Titel des Krippenspiels. Es erzählt die altbekannte Geschichte von Maria und Josef, die der Volkszählung wegen nach Bethlehem müssen, weil Josef „von dem Hause und Geschlechte Davids war“, wie Martin Luther übersetzt. In Bethlehem finden sie keinen anderen Unterschlupf als einen Stall. Die Engel bringen den armen Hirten auf dem Feld die gute Botschaft: „Fürchtet euch nicht! Ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in der Krippe liegen. Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“ (Lukas 2) Neugierig wie sie sind, laufen die Hirten los. Sie finden das Kind in der Krippe. Und der ehemalige römische Soldat kommt auch dazu. Das steht zwar so nicht in der Bibel, aber ein schöner Gedanke ist es allemal.

Hoffnung auf Frieden, diese Sehnsucht hatten die Menschen zu jeder Zeit, nicht nur die Hirten auf den Fluren Bethlehems. Auch viel früher in der alten Geschichte Israels wird davon erzählt. Im Buch des Propheten Ezechiel schaut einer zurück. Es war so viel schief gelaufen: Nicht die Römer waren über Israel und die Nachbarländer hinweggefegt, sondern die Babylonier. Die Oberschicht wurde gefangen weggeführt, Jerusalem lag in Trümmern einschließlich des Tempels. In diesem Buch erzählt einer aus der Perspektive der Deportierten. Er analysiert: „Das Volk Israel hat sich von Gott entfernt, die Zerstörung und die Deportation sind das Ergebnis.“ Aber er hat noch mehr zu berichten:

24Mein Knecht David wird ihr König sein, ein einziger Hirte für das ganze Volk.
Sie werden meine Gebote beachten und meine Anordnungen bewahren und befolgen.

26Dann schließe ich einen Bund des Friedens mit ihnen. Dieser Bund wird für alle Zeit gelten.

Diese Worte sind vielleicht viel später aufgeschrieben worden, als die Menschen aus Israel in Babylon gefangen waren. Da hat einer den Überblick sowohl geschichtlich, als auch menschlich. Er weiß darum, dass Einfluss und Reichtum nicht immer Bestand haben. Die Themen arm und reich sind ihm nicht fremd. Er weiß darum, dass Menschen tief fallen können. Er kennt die Not von Krieg und Unterdrückung. Und so ist ihm die Hoffnung auf Frieden sicher sehr vertraut.

Wen wundert’s, dass kluge Menschen diesen Bibelabschnitt dem Heiligabend zugeordnet haben. Haben Kämpfe um Macht und Einfluss doch auch heute noch nicht ihr Ende gefunden. Die Welt ist noch nicht heil, obwohl der Heiland vor mehr als 2000 Jahren geboren worden ist. Ich will diese Hoffnung auf Frieden nicht aufgeben, weil sie mir in meinem Inneren ein Stück Frieden bringt. Ich glaube, wenn Menschen ihre Herzen diesem Frieden öffnen, zeigt sich auch etwas davon in deren Reden und Handeln, in deren Schweigen und einfach da sein. So heißt es vielleicht dieses Jahr wieder einmal, miteinander zu hoffen und zu glauben und so dem Friedensgedanken Raum geben.
Amen.

Gebet

Menschgewordener Gott, wir bitten Dich:
Schlag Dein Zelt auf bei den Einsamen heute und alle Tage,
bei denen, die nicht glauben können,
bei denen, die streiten oder schweigen,
bei den Kranken, bei den Flüchtenden, bei den Suchenden,
bei allen, die auf ein Zeichen der Hoffnung warten,
in Deiner Kirche, auf den Straßen dieser Welt, in unseren Herzen,
Denn Du bist der Gott, der Wohnung nimmt bei den Menschen.

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. 
Amen.

Segen

Gott schlägt sein Zelt bei dir auf.
Er lässt dich nicht allein –
nicht heute, nicht morgen, nicht in Ewigkeit.
So segne und behüte dich
der dreieinige Gott:
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Ich wünsche Ihnen ein von Gott reichlich gesegnetes Weihnachtsfest!

Hiltrud Anacker, Superintendentin

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