05.04.2026
von Superintendentin Hiltrud Anacker
Liebe Leser und Leserinnen!
"Wälzt ruhig einen Stein auf sein Grab!
Den schwersten von mir aus, den ihr finden könnt!
Den mit dem treffendsten Nachruf!
Verschließt sein Grab!
Verrammelt' s!
Stellt Wachen davor!
…
Doch… sucht… den Lebendigen… nicht… bei den Toten!"
"Osterprolog" nennt Arno Schmitt sein Gedicht, das viel länger ist. Ein Prolog ist ein Vorwort vor der eigentlichen Geschichte. Ja, nach dem Kreuz Jesu folgte seine Auferstehung. Davon erzählen alle vier Evangelien. Dann aber geht die eigentliche Geschichte erst los, die Geschichte Gottes mit den Menschen. Arno Schmitt findet deutliche Worte, um für die befreiende, ermutigende Osterbotschaft zu kämpfen. Jede Strophe endet mit der gleichen Zeile. Drei Punkte folgen jedem Satzteil. Es erhält dadurch seine besondere Betonung: "Doch… sucht… den Lebendigen… nicht… bei den Toten!" Ich sehe förmlich seine Augen funkeln, so wichtig ist ihm der Glaube, der hinter diesem Satz steckt.
So ähnlich muss Paulus zumute gewesen sein, als er das 15. Kapitel seines 1. Briefes an die Christen in Korinth geschrieben hat - voller Leidenschaft. Wie viele Jahre reiste er in Kleinasien und in Griechenland, um den Menschen von Gott zu erzählen. Er hat christliche Gemeinden gegründet, auch in Korinth. Natürlich ging nicht alles glatt. Also hält Paulus Verbindung zu den Gemeinden und schreibt. Solche antiken Briefe waren lang, nicht nur ein paar Zeilen. Paulus verteidigt vor den Korinthern, was für ihn - und nicht nur für ihn - die zentrale Botschaft christlichen Glaubens ist:
Nun lautet die Verkündigung: "Christus wurde vom Tod auferweckt!" Wie können dann einige von euch sagen, "Es gibt keine Auferstehung der Toten"? (1. Kor. 15,12)
Ein ganzes Kapitel für dieses eine Thema! "Doch… sucht… den Lebendigen… nicht… bei den Toten!" Paulus will nicht mit dem Kopf durch die Wand nach dem Motto: "Das müsst ihr doch endlich begreifen." Paulus will Hoffnung schaffen, obwohl die Gemeinde auch nach Jahren immer noch klein war, in der Hafenstadt viele andere Religionen aufeinander trafen, die Moral nicht immer überall einwandfrei war. Da kann man schon mal ins Zweifeln kommen, oder den Mut verlieren. "Ob das alles so stimmen kann?"
Ich glaube, so fremd ist die Frage nicht, auch heute nicht. Ich erinnere mich an spöttische Bemerkungen meiner Schulkameraden, an Augen von Erwachsenen, die mich ungläubig anschauten. Ich denke aber auch an Menschen, die mir noch kurz vor ihrem Sterben lächelnd ins Gesicht schauten und sagten: "Ich weiß doch, wohin ich gehe." Und ich spüre in mir ein Grundvertrauen auf Gottes Geschichte mit den Menschen. Die Geschichte der Auferstehung Jesu ist doch erst der Prolog, Vorwort oder Auftakt - so Arno Schmitt. Das ist eine Glaubensaussage.
Ich kann gut stehen lassen, dass andere skeptisch darauf sehen. Lässt doch, so erlebe ich das, Freundlichkeit und Gelassenheit im Umgang der Menschen untereinander zu wünschen übrig. Nachrichten beängstigen auch mich. Und gibt es nicht viele andere Religionen, die in ihrer Art Heil verkündigen. Und manches Mal werden die Unterschiede gewaltsam ausgetragen. Auch Christen haben dies in ihrer Geschichte zu oft getan. Das lässt mich traurig werden. Das heißt aber nicht, dass Jesus umsonst gestorben und auferstanden ist. Es heißt auch nicht, dass Gottes Geschichte mit den Menschen gescheitert wäre. Das ist eben mein Vertrauen: In jedem Augenblick schaut Gott auf das Leben eines jeden einzelnen/einer jeden einzelnen. Das lässt in mir Hoffnung wachsen. Ich kann es einfach nicht lassen, mich immer wieder an Gott zu wenden, ihm zu sagen, was mir auf der Seele liegt, ihm Menschen anzuvertrauen und mein Leben ihm in die Hände zu legen.
Wie geht es Ihnen, wenn Sie meine Gedanken lesen? Vielleicht kann Paulus Ihnen etwas von seiner Hoffnung abgeben. Und ich möchte Sie ermutigen: "Sucht… den Lebendigen… nicht… bei den Toten!"
Amen.
Gebet
"Sucht den Lebendigen nicht bei den Toten!"
erzählt uns Ostern, Gott.
Deine Geschichte mit uns ist noch nicht zu Ende.
Diese Hoffnung stärke uns Tag für Tag.
Mit dieser Hoffnung bitten wir
für die, die hoffnungslos, krank, traurig sind,
für die, die unter Ungerechtigkeit und Gewalt leiden.
Mit dieser Hoffnung bitten wir
für deine Kirche, dass sie Hoffnung lebt,
für uns, dass deine Geschichte uns ermutigt
zu helfen nach der uns eigenen möglichen Art.
Das bedeutet: Die Ostergeschichte wird fortgeschrieben.
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.
Segen
Der Herr segne und beschütze dich.
Der Herr erhelle das Dunkel, dass du seinen Weg mit dir erkennst.
Er habe mit dir Erbarmen und bleibe dir zugewandt.
Der Herr gebe dir das Leben,
der Vater und der Sohn und + und der Heilige Geist.
Amen.
Herzlich grüßt Sie
Hiltrud Anacker, Superintendentin
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