Die Große Orgel auf der Westempore des Domes wurde in den Jahren 1711 bis 1714 von Gottfried Silbermann erbaut. Es war das erste große Instrument des damals erst 27jährigen Orgelbauers. Seine Besonderheit zeigt sich konzeptionell in der geschickten Mischung von französisch-elsässischem und mitteldeutschem Stil, praktisch in der hohen handwerklichen Qualität und erstaunlichen Intonationsgüte. In ihrer Stilvermengung stellt die Freiberger Domorgel zugleich eine Besonderheit dar, derer sich Gottfried Silbermann so nie wieder annahm. Der französische Orgelbau spiegelt sich in der Disposition selbst ebenso wie in der Intonation der Zungenstimmen, der Bauweise der Zungenblätter und Kehlen sowie der Windladen wieder. Deutsch hingegen sind die kräftige Betonung der Grundstimmen, das stark ausgebaute Pedal (jedoch noch ohne Koppel bzw. Koppelventil) und die Disposition von Quintaden und konisch gebauten Registern.
1738 wurde die Orgel von Silbermann geringfügig umdisponiert, aus der Terz und statt dem Nassat baute er die Register Flaschflöt 1´ und Quintadehn 8´ ins Oberwerk. Ansonsten erfolgte bis heute keine weitere Umdisponierung. Die ungewöhnlich hohe Stimmtonhöhe von ursprünglich etwa 473 Hz hat sich ebenso erhalten (jetzt 476 Hz) wie eine ungleichschwebende Stimmung. Anhand weniger unveränderter Pfeifen ist zu mutmaßen, dass die Orgel in einer der Mitteltönigkeit nahen Temperierung eingestimmt gewesen ist. Die Orgel zeigt heute nach mehreren Umstimmungen im 20. Jahrhundert eine stark ungleichschwebende Stimmung mitteltöniger Charakteristik und wurde nach der letzten Restaurierung 1985 gelegt.
Der ausgesprochen gute Erhaltungswert der Großen Silbermannorgel hat verschiedene Ursachen. Silbermanns Gesellen pflegten die Orgel zu seinen Lebzeiten trotz eines zeitweisen Verbots des Meisters, der mit dem Rat im Streit lag. Dass Silbermann wie auch seine Nachfolger und Schüler Johann Georg Schön und Adam Gottfried Oehme ihre Werkstatt in Sichtweite des Doms am Schloßplatz hatten, war dabei sicherlich von Vorteil. In der so genannten Kurrendekammer im hinteren Teil der Orgel wie in der Orgel selbst und in den Bälgen finden sich schon aus dem 18. Jahrhundert zahlreiche Namenseinträge von Leuten, die das Instrument gepflegt haben. Im 19. Jahrhundert scheiterten Versuche, das Instrument umzustimmen, zunächst an „gänzlich unzulänglichen“ Geldmitteln (1841), später am Wiederstand des Domorganisten und des Domkantors (1853). Auch der Domorganist Arthur Eger wusste die Orgel in den ersten Jahren seines Wirkens nach 1926 vor einem Umbau zu bewahren. Lediglich in die Windversorgung griff man ein, die Quintadehn 8´ wurde 1933 wegen angeblichen Zinnpestbefalls neu gebaut, die Zungen 1939 aufgearbeitet.
In den 50er Jahren wurden vorgenommene Veränderungen in der Luftversorgung weitgehend wieder rückgängig gemacht. 1981 bis 1983 erfolgte durch die Dresdner Orgelbaufirma Jehmlich mit ihrem damaligen Restaurator Kristian Wegscheider eine grundlegende Restaurierung, bei der auch das Pfeifenwerk und der Winddruck dem Originalzustand wieder angenähert und das Instrument wie oben beschrieben eingestimmt wurden. 2009-10 wurde das Instrument einer Generalüberholung unterzogen. Zudem wurden 4 bisher nicht genutzte Keilbälge restauriert und in die Windversorgung eingebunden. Gleichzeitig ist wieder eine manuelle Windversorgung durch Calcanten, welche die Bälge betätigen, möglich.
BORDUN. 16 F.
PRINCIPAL. 8 F.
VIOLA DI GAMBA. 8 F.
ROHRFLÖT. 8 F.
OCTAVA 4 F.
QVINTA 3 F.
SUP.OCTAV. 2 F.
TERTIA.
CORNET. (5fach, ab c1)
MIXTUR (4fach)
ZIMBELN. (3fach)
TROMPET. 8 F.
CLARIN 4 F.
QVINTADEHN. 16 F.
PRINCIPAL. 8 F.
GEDACKT 8 F.
QVINTADEHN. 8 F.
OCTAVA. 4 F.
SPITZFLÖT. 4 F.
SUP.OCTAV. 2 F.
FLASCHFLÖT. 1 F.
ECHO. 5.FA. (ab c1)
MIXTUR. (3fach)
ZIMBELN. (2fach)
KRUMBHORN. 8 F.
VOX HUMANA (8 F.)
GEDACKT. 8 F.
PRINCIPAL. 4 F.
ROHRFLÖT. 4 F.
NASSAT. 3 F.
OCTAVA. 2 F.
TERTIA.
QVINTA. 1 1/2 F.
SUFFLÖT. 1 F.
MIXTUR. (3fach)
UNTERSATZ 32 F. (32+16 F.)
PRINC.BASS. 16 F.
SUB BASS. 16 F.
OCTAV BASS. 8 F.
OCTAV BASS. 4 F.
PED.MIXTUR. (6fach)
POSAUN BASS. 16 F.
TROMP.BASS. 8 F.
CLAR.BASS. 4 F.
TREMULANT. (I, II, III)
SCHWEBUNG (III)
Schiebekoppeln (III/II, I/II)
a = 476,3 Hz
modifiziert mitteltönig
c 0, cis 90, d 196, es 298, e394, f 500, fis 590, g 698, gis 790, a 896, b 1000, h 1092