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		<title>Predigten Ev.-luth. Domgemeinde Freiberg</title>
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		<description>Predigten der Ev.-luth. Domgemeinde Freiberg</description>
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			<title>Predigten Ev.-luth. Domgemeinde Freiberg</title>
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		<lastBuildDate>Sun, 06 Sep 2026 12:39:00 +0200</lastBuildDate>
		
		
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			<title>Predigt zum 14. Sonntag nach Trinitatis, 6. September 2026</title>
			<link>https://www.freiberger-dom.de/gemeindeleben/predigtarchiv/detailansicht/predigt-zum-14-sonntag-nach-trinitatis-6-september-2026.html</link>
			<description>über Lukas 19,1-10 (Lut17); gehalten im Freiberger Dom St. Marien von Dr. Gunnar Wiegand, Pfarrer...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen. Stille…
<i>Verlesung des Predigttextes Lukas 19,1-10 (Lut)</i>
Liebe Gemeinde,
die Geschichte von Zachäus gehört zu den bekanntesten Geschichten des Neuen Testaments. Viele von uns kennen sie seit Kindertagen: Der kleine Mann, der auf einen Baum klettert, weil er Jesus sehen will. Es ist eine anschauliche, fast humorvolle Szene. Man sieht ihn förmlich vor sich: den reichen Oberzöllner im Geäst einer Maulbeerfeige, neugierig, etwas unbeholfen, vielleicht sogar lächerlich wirkend.
Doch wenn wir bei diesem Bild stehen bleiben, übersehen wir die eigentliche Pointe… Oft wird die Geschichte als moralische Erzählung verstanden: Zachäus hat auf fragwürdige Weise Reichtum erworben, dann begegnet er Jesus, bessert sich und wird ein ehrlicher Mensch. Die Lehre lautet dann: Betrüge nicht und teile mit anderen.
Sicherlich gehört das dazu. Aber Lukas will eigentlich mehr sagen. Er erzählt diese Geschichte als Höhepunkt dessen, was Jesus selbst am Ende ausspricht: „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“
Weder der Reichtum des Zachäus steht im Zentrum, noch seine Schuld. Im Zentrum steht Jesus. Seine Mission. Sein rettendes Handeln… Dabei ist bemerkenswert, wen Jesus rettet.
Kurz zuvor begegnet Jesus vor Jericho einem blinden Bettler – wir haben es in der Evangelienlesung gehört. Ein Mensch am Rand der Gesellschaft. Arm, hilfsbedürftig, abhängig von anderen. Viele empfinden Mitleid mit ihm. Kaum einer wird daran zweifeln, dass er Jesu Hilfe braucht.
Nun begegnet Jesus Zachäus. Auch er steht am Rand. Aber ganz anders.
Er ist reich. Er hat Einfluss. Er ist Oberzöllner. Von den meisten wird er nicht bemitleidet, sondern verachtet. Er gilt als Kollaborateur der Römer, als jemand, der auf Kosten seiner Landsleute lebt. Wenn die Menge über ihn urteilt, dann ist das Urteil längst gefällt: ein Sünder.
Und doch verbindet beide Menschen etwas… Beide werden von der Menge an den Rand gedrängt… Dem Blinden wird befohlen zu schweigen. Zachäus kommt wegen der Menge nicht durch. Die Menschen um sie herum meinen zu wissen, wer wichtig ist und wer nicht. Wer Aufmerksamkeit verdient und wer nicht. Wer würdig ist und wer nicht.
Aber Jesus sieht anders… Er bleibt beim Blinden stehen… Und er bleibt auch unter dem Baum des Zachäus stehen… Jesus lässt sich die Menschen nicht von der Menge erklären. Er schaut selbst hin.
Vielleicht liegt hierin eine der dringendsten Botschaften für uns heute… Wir leben in einer Gesellschaft, die schnell urteilt. Menschen werden auf eine Eigenschaft festgelegt, auf eine politische Meinung, auf einen Fehler, auf ihre Herkunft, ihren Beruf oder ihre Vergangenheit. Oft genügt ein Etikett, und das Urteil steht fest.
So geschieht es auch mit Zachäus. Für die Menge ist er nur noch „der sündige Mann“… Jesus aber sieht mehr… Er sieht einen Menschen… Deshalb ruft er ihn beim Namen: „Zachäus, steig eilend herab; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.“
Jesus fordert keine Vorleistung. Er verlangt keine Besserung. Er stellt keine Bedingungen. Zuerst kommt die Zuwendung, die Gemeinschaft… ja die Gnade… Gerade das empört die Menge… Denn Jesus geht nicht zum Blinden, dem alle Hilfe gönnen würden. Er geht zu dem, von dem viele sagen: Der hat sie eigentlich gar nicht verdient.
Da sind wir in der Mitte des Evangeliums. Rettung gilt auch denen, die schuldig geworden sind. Sie gilt nicht nur den Armen, sondern auch den Reichen. Nicht nur den Ohnmächtigen, sondern auch den Mächtigen. Nicht nur denen, mit denen wir Mitleid haben, sondern auch denen, über die wir uns ärgern.
Denn verloren sein kann man auf sehr verschiedene Weise… Der Blinde ist gefangen in seiner Krankheit… Zachäus ist gefangen in einem Leben aus Reichtum, Macht und sozialer Isolation… Und beide brauchen Rettung.
Erstaunlich ist dabei die Reaktion des Zachäus. Noch bevor Jesus lange mit ihm gesprochen hat, verändert sich etwas. Er sagt: „Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.“
Eine wirklich krasse Veränderung… ein Neubeginn… in seiner Haltung…
Wenn ein Blinder plötzlich wieder sehen kann, ist das schon erstaunlich… Aber Lukas macht deutlich: Es ist ebenso ein Wunder, wenn ein Mensch bereit wird, Macht loszulassen, Privilegien aufzugeben und sein Leben völlig neu auszurichten.
Und dann stellt sich noch die Frage: Woher kommt diese Veränderung?
Vielleicht hilft hier ein Gedanke, den der Soziologe Hartmut Rosa das „hörende Herz“ nennt. Ein hörendes Herz ist offen für einen Anruf von außen. Es ist nicht eingeschlossen in fertige Urteile und unumstößliche Selbstbilder. Es bleibt ansprechbar… 
Genau das geschieht bei Zachäus… Er steigt auf den Baum. Er macht sich lächerlich. Für einen Moment verlässt er seine gewohnte Rolle. Für einen Moment hört er auf. Im doppelten Sinn: Er hält an und beginnt aufzuhorchen… Vielleicht liegt darin das Geheimnis seiner Rettung.
Jesus findet keinen Menschen vor, der perfekt ist. Aber er findet einen Menschen, der noch hören kann… Und sein Wort trifft auf ein offenes Herz.
Liebe Gemeinde,
am Anfang eines neuen Schuljahres, nach den Sommerferien, tragen viele von uns Erwartungen, Sorgen und Pläne mit sich. Wir schauen auf das, was vor uns liegt. Oft sind wir beschäftigt mit dem, was wir erreichen, sichern oder kontrollieren möchten.
Die Geschichte von Zachäus lädt uns ein, einen Moment anzuhalten… immer wieder einen anderen Blickwinkel einnehmen… Mut, aus der eigenen gewohnte Rolle auszubrechen… ja es braucht immer wieder „hörendes Herz“.
Mich lehren diese beiden Jericho-Geschichten: Gottes Rettung geschieht dort, wo wir sie nicht erwarten. Am Rand. Bei den Übersehenen. Bei den Ausgeschlossenen. Manchmal sogar bei denen, die wir längst abgeschrieben haben… Und vielleicht auch bei uns selbst.
Denn Christus kommt noch immer, um zu suchen und selig zu machen, was verloren ist… Heute… Hier… Und für jeden von uns.
Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.]]></content:encoded>
			
			<author>springhetti@gmx.de</author>
			<pubDate>Sun, 06 Sep 2026 12:39:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Andacht zum Wochenspruch, 6. September 2026</title>
			<link>https://www.freiberger-dom.de/gemeindeleben/predigtarchiv/detailansicht/andacht-zum-wochenspruch-6-september-2026.html</link>
			<description>von Theresa Matthes, Schulbeauftragte im Kirchenbezirk Freiberg</description>
			<content:encoded><![CDATA[<b>„Lobe den HERRN meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Psalm 103,2</b>
Liebe Leserinnen und Leser!
Wenn wir den Wochenspruch lesen, singt und schwingt sofort der bekannte Kanon in uns: „Lobe den Herrn, meine Seele, und seinen heiligen Namen. Was er dir Gutes getan hat, Seele vergiss es nicht, Amen.“ Die Mutigen unter Ihnen stimmen den Refrain doch gleich mal an! Und los:&nbsp; <i>„Lobe den Herrn, meine …</i>&nbsp;
Wie ging es Ihnen jetzt damit? Haben Sie leichten Herzens mit eingestimmt oder haben Sie heute eigentlich keinen Anlass zum Loblieder trällern? Sind wir ehrlich: Es gibt Tage, da ist mir so gar nicht nach Singen. Und ein Dankgebet, das muss doch aus tiefstem Herzen kommen und nicht angeordnet werden. Oder? Doch spüren Sie mal: Sind jetzt vielleicht anders da, als vor dem Beginn der Andacht? Sie haben mal kräftig durchgeatmet, Gemeinschaft erlebt und gemerkt, dass der Sitznachbar vielleicht auch nicht ganz jeden Ton trifft, so wie Sie. Wie tröstlich. Der Tag ist schon ein wenig heller geworden.&nbsp;
Der Wochenspruch will uns erinnern, dankbar zu sein. Denn es ist immer das Gleiche: Geht es uns schlecht, dann vergessen wir, was uns im Leben schon alles Gutes geschenkt wurde. Dann sehen wir nur das Schwere und meinen, Gott habe uns vergessen. Geht es uns wieder gut, dann ist das für uns selbstverständlich. Gemäß dem Motto: „Nicht gemeckert ist genug gelobt!“ Die biblischen Geschichten, die diesem Sonntag zugeordnet sind, erinnern uns daran, die Dankbarkeit nicht zu vergessen.&nbsp;
Da wird im Lukasevangelium von zehn Menschen erzählt, die an Aussatz erkrankt waren. Sie mussten außerhalb der Stadt, außerhalb von Familie und Gesellschaft leben, um niemanden anzustecken. Es bedeutete allein, nur unter Kranken, zu leben und auf milde Gaben angewiesen zu sein. Sie waren völlig ausgeschlossen. Jesus machte sie wieder gesund und ermöglichte ihnen, ihr normales Leben wieder aufzunehmen. Was meint ihr, wie viele von ihnen zu Jesus kamen, um sich bei ihm zu bedanken? Einer. Einer ist umgekehrt und hat seine Dankbarkeit und Freude ausgedrückt.&nbsp;
Menschen, die dankbar auf ihr Leben blicken, sind glücklicher. Ihr Herz ist von Gottes gutem Geist erfüllt. In diesem Geist sind wir Gottes Kinder. Und Kinder bitten ihre Mutter, ihren Vater, vertrauensvoll, weil sie erleben, bei ihnen gut aufgehoben zu sein. So dürfen wir auch zu Gott beten, weil wir von ihm Gutes erwarten. Wir erinnern uns dabei an all die Dinge, die wir von ihm bereits empfangen haben. Eine solche Haltung lässt unser Herz weit und froh werden.&nbsp;
So erging es Zachäus. Wir stellen ihn uns als knauserigen Mann vor, der die Menschen um ihr Geld betrügt und deswegen allein und trotz seines Reichtums ziemlich armselig lebt. Jesus schreitet über seine soziale Ausgrenzung hinweg. Er besucht ihn zuhause und isst mit ihm zu Abend. Die Erfahrung, als Mensch angenommen zu sein, macht Zachäus glücklich. Aus dieser großen Dankbarkeit heraus teilt er nun großzügig aus und macht seine Fehler wieder gut. Er hat den Weg zurück in die Gemeinschaft gefunden. Zachäus ließ zu, dass die Gottesbegegnung sein Leben zum Guten veränderte.&nbsp;
Eine weitere Bibelgeschichte erzählt von Jakob, dem diebischen Glückspilz: Er, der Liebling der Mutter, betrügt seinen Bruder Esau um den Segen des Vaters. Daraufhin muss er fliehen. Später wird er selbst überlistet, als er sieben Jahre länger bei Laban um seine Frau dienen muss. Doch mit Geschick kommt er zu Reichtum, kehrt am Ende in seine Heimat zurück und versöhnt sich mit dem Bruder. In der alttestamentlichen Lesung wird uns von der Himmelsleiter berichtet, die Jakob im Traum sieht. Gott verspricht, immer bei ihm zu sein, egal wo er hinzieht. Jakob hätte dies als bloßen Traum in seinem Herzen bewahren und dann vielleicht schnell vergessen können. Er hatte auch genug Anlass zu Klagen über Dinge in seinem Leben. Doch ich denke, sein Glück kommt auch dadurch zustande, dass er diesen Segen Gottes sichtbar werden lässt: Er baut einen Stein-Altar an dieser Stelle. Nicht nur dort, sondern auch an anderen wichtigen Punkten seines Lebens. Das sind sichtbare Erinnerungen an Versprechen und Segnungen.&nbsp;
Möchtet ihr euch heute auch ein sichtbares Zeichen machen, für all das Gute, das Gott bereits geschenkt hat? Ein Danke-Denkmal? Es erinnert daran, auch an „normalen“ oder schweren Tagen eine dankbare Haltung zu finden.&nbsp;
Amen.
<b>Gebet </b>
Guter Gott, ich danke dir für alles, was du in mein Leben gelegt hast. So viel Segen kam von dir. Verzeih, wo ich das nicht sehen konnte und hilf mir, jeden Tag ein Grund zum dankbar sein zu finden.
Vater unser im Himmel.<br />Geheiligt werde dein Name.<br />Dein Reich komme.<br />Dein Wille geschehe,<br />wie im Himmel, so auf Erden.<br />Unser tägliches Brot gib uns heute.<br />Und vergib uns unsere Schuld,<br />wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.<br />Und führe uns nicht in Versuchung,<br />sondern erlöse uns von dem Bösen.<br />Denn dein ist das Reich<br />und die Kraft und die Herrlichkeit<br />in Ewigkeit. Amen.
<b>Segen</b>
Gott spricht: Und&nbsp;siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst. (…) Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe. Amen.
Herzlich grüßt Sie,
Theresa Matthes]]></content:encoded>
			
			<author>springhetti@gmx.de</author>
			<pubDate>Sat, 05 Sep 2026 21:25:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Predigt zum 13. Sonntag nach Trinitatis, 30. August 2026</title>
			<link>https://www.freiberger-dom.de/gemeindeleben/predigtarchiv/detailansicht/predigt-zum-13-sonntag-nach-trinitatis-30-august-2026.html</link>
			<description>über Apostelgeschichte 6,1-7 (Lut17); gehalten im Freiberger Dom St. Marien von Dr. Gunnar Wiegand,...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen. Stille…
<i>Lesung des Predigttextes Apostelgeschichte 6,1-7</i>
Liebe Gemeinde,
wie gut kann ich mir diese Szene vorstellen: Jesus war in den Himmel aufgefahren. Die Gemeinde in Jerusalem musste lernen, ohne die unmittelbare Gegenwart ihres Herrn ihren Weg zu finden. Verantwortlichkeiten mussten geklärt werden, die Versorgung Bedürftiger musste organisiert werden und die Aufgaben innerhalb der Gemeinde mussten sinnvoll verteilt werden.
Sicher war da auch große Freude, denn die Gemeinde wuchs. Immer mehr Menschen fanden zum Glauben. Die Verheißung Jesu vom Heiligen Geist schien sich sichtbar zu erfüllen.
Aber wie das eben ist, wenn viele Menschen zusammenkommen: Da treffen unterschiedliche Erfahrungen, Gewohnheiten und Vorstellungen aufeinander. Wo Gemeinschaft wächst, entstehen auch Spannungen. Mehr Menschen bedeuten mehr Möglichkeiten, aber eben auch mehr Reibungsflächen.
Wie ist das bei uns in Freiberg?
Freiberg hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Menschen sind zum Studium hierhergezogen, andere wegen ihrer Arbeit, manche sind nach Jahren wieder zurückgekehrt. Die Stadt ist geprägt von ihrer langen Bergbautradition und zugleich von der Technischen Universität, von alteingesessenen Familien ebenso wie von Studierenden und Menschen aus vielen verschiedenen Ländern.
Auch in unseren Kirchgemeinden erleben wir diese Unterschiedlichkeit. Da gibt es Menschen, die seit Jahren treu dabei sind, die Verantwortung übernehmen und Gemeinde mittragen – ich erinnere an das gestrige Gemeindefest und den Ehrenamtsdank. Und da gibt es andere, die nur gelegentlich erscheinen oder erst neu hinzugekommen sind. Manche fühlen sich sofort zuhause, andere suchen noch ihren Platz.
Wie gehen wir miteinander um? Welche Gruppen geraten vielleicht aus unserem Blick? Wer wird gehört und wer eher übersehen?
Zurück nach Jerusalem: Dort führten die Spannungen schließlich zu offenem Protest. Die griechischsprachigen Juden beklagten sich darüber, dass ihre Witwen bei der täglichen Versorgung benachteiligt wurden.
Wenn wir diese Situation mit unserer heutigen vergleichen, fallen zunächst einige Unterschiede auf.
Der erste Unterschied betrifft die soziale Situation.
Die Witwen der damaligen Zeit gehörten zu den besonders gefährdeten Menschen der Gesellschaft. Oft hatten sie keine eigene Existenzgrundlage und waren auf die Unterstützung anderer angewiesen. Deshalb mahnt die Bibel immer wieder, gerade sie nicht zu vergessen.
Heute leben wir in einem Sozialstaat. Viele Risiken werden durch soziale Sicherungssysteme abgefangen. Das ist ein großes Geschenk und ein Ausdruck gesellschaftlicher Verantwortung.
Und doch wäre es zu einfach zu sagen: Damit ist das Thema erledigt.
Auch heute gibt es Menschen, die einsam sind, die mit ihren Sorgen allein bleiben, die finanziell oder seelisch an ihre Grenzen kommen. Es gibt ältere Menschen, die selten Besuch bekommen. Es gibt Alleinerziehende, die sich durch den Alltag kämpfen. Es gibt Menschen, die sich trotz vieler Kontakte isoliert fühlen.
Die Versorgung der Witwen war damals nämlich nicht nur eine Frage von Brot und Lebensmitteln. Es ging auch um Aufmerksamkeit, um Würde und um persönliche Zuwendung.
Genau das bleibt bis heute unsere Aufgabe. Christliche Nächstenliebe erschöpft sich nicht in Strukturen und Einrichtungen. Sie lebt von Begegnungen. Sie lebt davon, dass Menschen füreinander Zeit haben. Dass jemand nachfragt, zuhört, besucht und Anteil nimmt.
Der zweite Unterschied scheint zunächst ebenso offensichtlich.
Die Gemeinde in Jerusalem wächst. Unsere Gemeinden erleben dagegen vielerorts das Gegenteil. Kirchenaustritte, demografischer Wandel und die zunehmende Distanz vieler Menschen zur Kirche prägen unsere Gegenwart.
Und doch glaube ich, dass die Herausforderungen gar nicht so unterschiedlich sind.
Gerade im Kirchenbezirk und im Kirchgemeindebund Freiberg erleben wir zurzeit tiefgreifende Veränderungen unter dem Stichwort „Kirche im Wandel“. Kirchgemeinden arbeiten enger zusammen als früher. Aus einzelnen Gemeinden sind größere Einheiten entstanden. Haupt- und Ehrenamtliche tragen Verantwortung für mehrere Orte gleichzeitig. Pfarrerinnen und Pfarrer, Gemeindepädagoginnen und Gemeindepädagogen sowie Kirchenmusiker sind oft nicht mehr nur an einem Ort tätig, sondern begleiten Menschen in einem ganzen Netz von Gemeinden.
Das bringt viele Chancen mit sich. Kräfte können gebündelt werden, Zusammenarbeit wird möglich, und manche Aufgaben lassen sich gemeinsam besser bewältigen – so wie bei unserem gemeinsamen Konfi-Kurs mit Petri und Oberschöna-Langhennersdorf. Wir haben gestern einen wunderbaren gemeinsamen Konfitag durch Freiberg erlebt. Zugleich wächst bei vergrößerten Strukturen aber die Gefahr, dass einzelne Menschen aus dem Blick geraten. Die Wege werden länger. Man begegnet sich seltener zufällig im Alltag. Nicht jeder kennt jeden.
Gerade deshalb ist die Botschaft unseres Predigttextes so aktuell. Die Apostel fragen letztlich: Wie kann eine Gemeinde wachsen und zugleich persönlich bleiben? Wie kann jeder wahrgenommen werden?
Diese Frage stellt sich auch uns. Es darf niemand übersehen werden. Weder die Menschen in den Stadtteilen Freibergs noch diejenigen in den umliegenden Orten unserer Region. Weder die treuen Gottesdienstbesucher noch die, die nur selten kommen. Weder die Hochbetagte im Pflegeheim noch die junge Familie, die gerade ihren Platz sucht.
Gemeinde lebt davon, dass Menschen füreinander Verantwortung übernehmen. Gerade in größeren Strukturen wird die Aufmerksamkeit füreinander wichtiger. Das, was früher vielleicht selbstverständlich durch Nähe geschah, muss heute oft bewusst gepflegt werden. 
Genau hier setzt die Lösung der Apostel an.
Die Zwölf sprechen ihre Überforderung offen aus. Sie erkennen: Wir können nicht alles allein leisten.
Das ist bemerkenswert. Sie verstecken ihre Grenzen nicht. Sie versuchen nicht, jede Aufgabe selbst zu übernehmen.
Stattdessen wird Verantwortung verteilt.
Sieben Menschen werden ausgewählt, die einen guten Ruf haben und voller Geist und Weisheit sind. Ihnen wird die Aufgabe übertragen, für die praktische Sorge in der Gemeinde Verantwortung zu übernehmen.
Dadurch gewinnen die Apostel Freiraum für Gebet und Verkündigung.
Und die Gemeinde profitiert insgesamt davon.
Das ist bis heute ein wichtiges Prinzip kirchlicher Arbeit.
Kirche lebt nicht von Einzelnen, sondern vom Miteinander vieler Begabungen. Gemeinde lebt von Menschen, die Gottesdienste vorbereiten, Besuchsdienste übernehmen, Seniorenkreise begleiten, in Chören mitsingen, Kinder unterrichten, Gemeindefeste organisieren oder ganz einfach für andere da sind. Und klar: dadurch entstehen natürlich auch Reibungsflächen. 
Viele dieser Dienste geschehen schon jetzt ehrenamtlich. Aber ohne sie könnte Kirche nicht bestehen.
Zugleich erinnert uns die Apostelgeschichte daran, dass die praktische Nächstenliebe kein Nebenschauplatz der Kirche ist. Sie gehört zu ihrem Wesen.
Wo Menschen füreinander sorgen, wird Gottes Liebe sichtbar.
Wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen, wird das Evangelium glaubwürdig.
Und schließlich fällt auf: Lukas erzählt diese Geschichte nicht einfach, um uns etwas über gute Gemeindeleitung beizubringen.
Denn wenn wir in der Apostelgeschichte weiterlesen, merken wir: Mit der Wahl der Sieben endet die Geschichte nicht, sie beginnt eigentlich erst.
Unmittelbar danach tritt Stephanus in den Mittelpunkt, einer der sieben Männer, die für diesen Dienst ausgewählt wurden. Und später begegnet uns Philippus, ebenfalls einer der Sieben. Beide werden zu wichtigen Zeugen des Evangeliums.
Das ist bemerkenswert. Die Gemeinde sucht zunächst eine Lösung für einen Konflikt. Sie verteilt Verantwortung, damit niemand übersehen wird. Doch Gott macht daraus weit mehr. Aus einem Dienst an den Menschen wird ein Zeugnis für Christus. Aus einer organisatorischen Entscheidung entsteht neue Bewegung.
Am Ende unseres Predigttextes heißt es deshalb: „Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem.“
Das Wachstum geschieht nicht trotz des Konflikts, sondern nachdem die Gemeinde ihn ernst genommen und gemeinsam bearbeitet hat. Wo Menschen aufeinander achten, Verantwortung teilen und sich vom Geist Gottes leiten lassen, eröffnet Gott neue Wege.
Vielleicht ist das auch für unsere Kirche heute eine wichtige Ermutigung. Wir erleben Veränderung. Vieles wird neu geordnet. Manches ist ungewohnt. Nicht alles gelingt auf Anhieb.
Aber die Apostelgeschichte erinnert uns daran: Gottes Geschichte mit seiner Kirche hängt weder an einzelnen Menschen, noch an bestimmten Strukturen. Der auferstandene Christus selbst führt seine Gemeinde.
Die Apostelgeschichte endet deshalb auch ganz bewusst offen. Das Evangelium ist am Ende des Buches angekommen in Rom, aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt.
Denn Gott schreibt sie weiter. Auch hier in Freiberg. Auch in unseren Gemeinden. Auch durch die Menschen, die bereit sind, ihre Gaben einzubringen und aufeinander Acht zu haben.
Darum dürfen wir zuversichtlich bleiben. Der Herr, der seine Gemeinde damals geführt hat, führt sie auch heute.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.]]></content:encoded>
			
			<author>springhetti@gmx.de</author>
			<pubDate>Sun, 30 Aug 2026 12:33:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Andacht zum 13. Sonntag nach Trinitatis, 30. August 2026: „Schaut hin!“</title>
			<link>https://www.freiberger-dom.de/gemeindeleben/predigtarchiv/detailansicht/andacht-zum-13-sonntag-nach-trinitatis-30-august-2026-schaut-hin.html</link>
			<description>von Superintendentin Hiltrud Anacker</description>
			<content:encoded><![CDATA[<b><i>Sieben Helfer für die Apostel</i></b>
In dieser Zeit wuchs die Zahl der Jünger stetig. Doch bald wurden in der Gemeinde Klagen laut. Sie kamen von den Griechisch sprechenden Mitgliedern, die aus anderen Ländern zugezogen waren. Die warfen den Hebräisch sprechenden Einheimischen vor, ihre Witwen bei der täglichen Speisung zu übergehen. Daraufhin beriefen die Zwölf eine Versammlung aller Jünger ein und sagten: »… Brüder und Schwestern, wählt aus eurer Mitte sieben Männer aus. Sie sollen einen guten Ruf haben und vom Geist Gottes und von Weisheit erfüllt sein. Ihnen werden wir diese Aufgabe (die Verteilung des Essens) übertragen.« Der Vorschlag fand die Zustimmung der ganzen Versammlung. Sie wählten … Diese sieben ließ man vor die Apostel treten. Die beteten für sie und legten ihnen die Hände auf. Das Wort Gottes breitete sich aus.&nbsp;<i>(Apostelgeschichte 6,1ff)</i>
Liebe Leser und Leserinnen!
<b><i>Schaut hin</i></b>
Diese Aufforderung fiel mir ein, als ich mich mit der Erzählung von der Wahl der sieben Diakone in der Apostelgeschichte beschäftigt habe. 
<b><i>Schaut hin – worum geht es eigentlich?</i></b>
Die Freunde von Jesus, die „Zwölf“, wie sie in der Apostelgeschichte genannt werden, hatten nach der Kreuzigung und der Auferstehung Jesu durch Gottes Geist Mut bekommen. Sie erzählten von dem, was sie mit ihm erlebt und von ihm gelernt hatten. Eine erste christliche Gemeinde entstand. Von der Gütergemeinschaft, die sie vereinbart hatten, ist an unserer Stelle keine Rede mehr. Das war ein schönes Vorhaben, aber vielleicht hat es nicht funktioniert. Von Nichteinhaltung wird berichtet.&nbsp;Vielleicht wurde die gemeinsame Kasse auch zu schnell leer. Wer weiß. Immerhin: Es war klar, arme Mitglieder müssen unterstützt werden. Aber auch da entstand eine Unwucht. Manche wurden übersehen. Um dem abzuhelfen, wurden sieben Personen gewählt, die die Aufgabe der gerechten Aufteilung der Essensausgabe übernahmen. Scheinbar sprach sich diese Handlungsweise herum, denn „das Wort breitete sich aus.“ Will heißen: Menschen fanden das so gut, dass sie sich der Gemeinde anschlossen – eine Predigt durch die Tat.
<b><i>Schaut hin – diakonische Aufgabe der Kirche</i></b>
Kann man aus dieser alten Geschichte etwas für uns Menschen ableiten? Der letzte Sonntag im August ist der sogenannte „Diakonie“-Sonntag. Eine christliche Gemeinde heute erzählt auch von Gott, natürlich. Sie erzählt von der Kreuzigung und der Auferstehung von Jesus, was von ihm in der Bibel überliefert wurde und was das für uns Menschen heute bedeuten kann. Aber christlich sein, bedeutet zugleich zu schauen, nämlich dorthin, wo Menschen arm sind, Hilfe brauchen. Die Witwen vor fast 2000 Jahren hatten es überhaupt schwer, weil sie kaum Rechte hatten. Sie gehörten zu den schwachen Gliedern in der Gesellschaft. Deshalb benötigten sie Unterstützung. Einige von ihnen wurden aus welchem Grund auch immer übersehen. Dies zu verändern, wurde Aufgabe der Diakone, der Helfer der Zwölf. Wer wird he übersehen? Jede Kirchgemeinde hat diakonische Aufgaben. Professionell aufgestellt hat sich die Kirche heute mit ihren Diakonie-Werken. Sie schaut hin, um Menschen zu helfen, die grundsätzlich, oder bedingt durch eine bestimmte Situation auf Unterstützung angewiesen sind. Wort und Tat – beides erzählt von dem, was Gott für Christen bedeutet.
<b><i>Schaut hin – hat das etwas mit mir zu tun?</i></b>
Sie werden denken: „Die Antwort, die Frau Anacker geben wird, kenne ich schon. Natürlich.“ Und ich kann gar keine andere Antwort geben. In Jerusalem fingen einige an zu murren. Man kann laut oder leise murren. Immer ist damit eine Unzufriedenheit verbunden. In der Jerusalemer Gemeinde murrten sie zu Recht. Damals waren es arme Frauen, die Hilfe brauchten. Heute würde man sagen, sie hatten keine Lobby. Welch ein Glück, dass es doch noch jemand gab, der sich für sie einsetzte. Es war richtig, ein System aufzubauen, dem Mangel abzuhelfen. Wer wird heute übersehen trotz unseres dichten Sozialnetzes? Wer braucht heute diejenigen, die auf sie hinweisen, damit ihnen geholfen werden kann? Es reicht nicht, diese Aufgabe Ämtern und Trägern wie der Diakonie und anderen zu überlassen. Da kommen Sie und ich ins Spiel. Viele Augen und Ohren nehmen mehr wahr. Wenn uns nicht egal ist, wenn andere übersehen werden, werden auch weniger übersehen – Sie oder ich übrigens auch nicht, wenn wir hilfsbedürftig sind. Auch wenn es Leute gibt, die die Hilfsbereitschaft anderer manchmal ausnutzen, es gibt gute Beispiele zu erzählen von Menschen, wie ihnen geholfen werden kann und die ihre Dankbarkeit zeigen, die sind so schön. 
Es helfen auch Menschen, die keine Christen sind, und das ist so wichtig. Christen helfen, weil Jesus eine solche Haltung vorgelebt hat. Diakonie gehört eben dazu.
Amen.
<b>Gebet </b>
Gott, du siehst uns an.<br />Du siehst, was wir brauchen,<br />was uns bewegt.
Den Nächsten, die Nächste liebevoll anschauen, das erwartest du auch von uns.<br />Mit dir, wollen wir uns mit den Fröhlichen freuen, und mit den Traurigen weinen,<br />so wie es ihnen und uns guttut.&nbsp;
Vater unser im Himmel.<br />Geheiligt werde dein Name.<br />Dein Reich komme.<br />Dein Wille geschehe,<br />wie im Himmel, so auf Erden.<br />Unser tägliches Brot gib uns heute.<br />Und vergib uns unsere Schuld,<br />wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.<br />Und führe uns nicht in Versuchung,<br />sondern erlöse uns von dem Bösen.<br />Denn dein ist das Reich<br />und die Kraft und die Herrlichkeit<br />in Ewigkeit. Amen.
<b>Segen</b>
Gott segne dich, ob du nun fröhlich oder traurig bist.<br />Gott führe dich und lasse dich seinen Weg mit dir erkennen.<br />Der Friede Gottes sei bei dir, wo du gerade bist.
Amen.
Herzlich grüßt Sie<br />Hiltrud Anacker, Superintendentin&nbsp;Kirchenbezirk Freiberg]]></content:encoded>
			
			<author>springhetti@gmx.de</author>
			<pubDate>Sat, 29 Aug 2026 21:53:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Andacht für die Woche nach dem 12. Sonntag nach Trinitatis, 23. August 2026</title>
			<link>https://www.freiberger-dom.de/gemeindeleben/predigtarchiv/detailansicht/andacht-fuer-die-woche-nach-dem-12-sonntag-nach-trinitatis-23-august-2026.html</link>
			<description>von Helmut Müller, Prädikant in der Petri-Johannis-Gemeinde Freiberg</description>
			<content:encoded><![CDATA[Liebe Leserinnen und Leser,
am westlichen Stadtrand von Freiberg in Richtung Kleinwaltersdorf liegen die Kronenteiche. An den Teichufern stehen viele Schilfrohre. Manche Schilfrohrpflanzen liegen im Wasser, einige sind abgeknickt, viele stehen noch aufrecht. Als ich vorige Woche daran vorbeilief, dachte ich an den Wochenspruch für den 12. Sonntag nach Trinitatis, weil ich gerade diese Andacht vorbereitete.
&quot;<i>Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.&quot;</i>
Dieses Bildwort steht im 42. Kapitel des Buches Jesaja. Der Prophet wendet sich an das Volk Israel, das sich in der babylonischen Gefangenschaft befindet. Es fühlt sich von Gott verlassen, innerlich gebrochen und ohne Kraft – eben wie ein geknicktes Rohr.
Jesaja kündigt das Auftreten eines Menschen an, den Gott zu seinem Dienst berufen hat – von seinem „Knecht“. Dieser wird nicht mit Gewalt handeln. Er wird das Geknickte nicht zerbrechen und das nur noch schwach brennende Licht nicht auslöschen.
Die ersten Christen haben später in diesem Gottesknecht Jesus Christus wiedererkannt. Er schien ihnen schon in jenen alttestamentlichen Versen vorgezeichnet, ein frühes Bild für den, der als Gottessohn die Rettung der Welt sein würde.
Im neuen Testament lesen wir viele Geschichten, wie Jesus „geknickten“ Menschen begegnet und sie wieder aufrichtet. Wie er Menschen, die wie ein „glimmender Docht“ kurz vor dem Aufgeben stehen, behutsam wieder das Lebenslicht einbläst. Nur ein Beispiel von vielen steht im Evangelium dieses Sonntages, wo Jesus einen Menschen heilt, der taub und stumm war, wie er ihm hilft und tröstet. (Markus 7, 31-37) Lesen Sie gern einmal nach!
Ich überlege: welche Bedeutung haben diese Worte jetzt für uns.
Vielleicht begegnet uns das „geknickte Rohr“ auch in unserem Leben. Es kann ein Mensch sein, dessen Kräfte im Alter nachlassen. Einer, der nach dem Tod des Partners plötzlich allein ist. Jemand, der durch Krankheit aus seinem bisherigen Leben gerissen wurde. Oder jemand, der sich fragt, welchen Sinn sein Leben noch hat.
Vielleicht kennen wir dieses Gefühl sogar selbst: Ich bin nicht mehr so stark wie früher. Ich bin geknickt. Mein Lebenslicht ist nur noch schwach.
<i>&quot;Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.&quot; <br /> </i>Ein alter Satz bringt mir eine neue Sichtweise: &quot;Gott hat keine anderen Hände als unsere Hände.&quot; Das heißt doch, Gottes Liebe bleibt nicht unsichtbar. Sie bekommt Hände, Augen und ein menschliches Gesicht durch uns. Er kann seine Liebe und Hilfe durch uns weitergeben.
In unserem Senioren- und Johanniskreis der Petri-Johannisgemeinde haben sich nun schon viele Jahre kleine Gruppen aus dem Gemeindekreis zusammengefunden, die sich gegenseitig helfen. Manchmal hilft schon ein Telefongespräch. Es gibt Besuche, wenn Krankheit und Einsamkeit nach dem Verlust eines Partners unseren Beistand nötig machen. Dabei geht es auch um das gegenseitige aufrichten. Wichtig erscheint mir auch der Fahrdienst zum sonntäglichen Gottesdienst. Wir sind dankbar, dass so Netze geknüpft werden konnten, die auch den Einzelnen nicht überfordern.
Anknüpfend an das bisher Gesagte frage ich: wenn jemand Gottes Hände in der kommenden Woche braucht, weil er niedergedrückt ist und sein Lebenslicht nur noch glimmt - wird er vielleicht meine Hände finden?
Vielleicht genügt ein Telefonanruf.<br />Vielleicht ein Besuch.<br />Vielleicht ein Fahrdienst.
<i>„Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“</i>
Das kommt auch im Wochenlied für diese Woche aus dem Ergänzungsheft zum Evangelischen Gesangbuch zum Ausdruck:
Wir haben Gottes Spuren festgestellt auf unsern Menschenstraßen,<br /> Liebe und Wärme in der kalten Welt, Hoffnung, die wir fast vergaßen.
Zeichen und Wunder sahen wir geschehn in längst vergangnen Tagen,<br /> Gott wird auch unsre Wege gehn, uns durch das Leben tragen.&nbsp;
Blühende Bäume haben wir gesehn, wo niemand sie vermutet,<br /> Sklaven, die durch das Wasser gehn, das die Herren überflutet.<br /> Zeichen und Wunder sahen wir geschehn in längst vergangnen Tagen,<br /> Gott wird auch unsre Wege gehn, uns durch das Leben tragen.&nbsp;
Bettler und Lahme sahen wir beim Tanz, hörten wie Stumme sprachen,<br /> durch tote Fensterhöhlen kam ein Glanz, Strahlen die die Nacht durchbrachen.<br /> Zeichen und Wunder sahen wir geschehn in längst vergangnen Tagen,<br /> Gott wird auch unsre Wege gehn, uns durch das Leben tragen.
<b>Gebet</b>
Guter Gott, du hast uns in der Bibel mit deinen Zusagen Trost und Hoffnung gegeben. Dafür danken wir dir.
Dein Wort soll lebendig in uns sein, auch wenn Sorgen und Ängste uns belasten. Wir wollen uns daran festhalten. Erfülle uns mit deinem Geist, dass wir weitergeben und danach handeln, wovon wir selbst ergriffen sind.&nbsp; 
Barmherziger Gott, in den vergangenen Wochen waren wir niedergedrückt durch die Dürre in unserem Land. Nun sind wir dankbar, dass es wieder Regen gegeben hat. Die Natur atmet auf. Wir bitten dich, stärke uns in unserem Tun, dass deine Schöpfung weiter bewahrt und erhalten wird.&nbsp;
Vater unser im Himmel.<br /> Geheiligt werde dein Name.<br /> Dein Reich komme.<br /> Dein Wille geschehe,<br /> wie im Himmel, so auf Erden.<br /> Unser tägliches Brot gib uns heute.<br /> Und vergib uns unsere Schuld,<br /> wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.<br /> Und führe uns nicht in Versuchung,<br /> sondern erlöse uns von dem Bösen.<br /> Denn dein ist das Reich<br /> und die Kraft und die Herrlichkeit<br /> in Ewigkeit. Amen.
<b>Segen</b>
Es segne und behüte dich der allmächtige und barmherzige Gott:<br />der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen
Herzlich grüßt Sie<br />Helmut Müller, Prädikant in der Petri-Johannis-Gemeinde Freiberg]]></content:encoded>
			
			<author>springhetti@gmx.de</author>
			<pubDate>Sat, 22 Aug 2026 18:16:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Predigt zum 11. Sonntag nach Trinitatis, 16. August 2026</title>
			<link>https://www.freiberger-dom.de/gemeindeleben/predigtarchiv/detailansicht/predigt-zum-11-sonntag-nach-trinitatis-15-august-2026.html</link>
			<description>über Lukas 18,9-14 (Lut17); gehalten im Freiberger Dom St. Marien von Dr. Gunnar Wiegand, Pfarrer...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<i>Der Predigttext Lukas 18,9-14 (Lut17) wurde als Evangelium verlesen</i>
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen. 
Liebe Gemeinde,
ich stelle mir vor: gewaltige Fundamentmauern aus Sandstein. Ein riesiges Plateau, flimmernd in der Hitze des Mittelmeerraums. In der Mitte eine weitere hohe Mauer, ein Vorhof mit seinen Eingängen. Dahinter, erhöht und ehrfurchtgebietend, das Allerheiligste.
Menschenmassen strömen über das Damaskustor zu den Anhöhen des Zions. Begleitet werden sie von Opfertieren, Gesängen und Gesprächen. Auf dem Tempelplatz stehen Viehhändler und Geldwechsler bereit. Da sind Menschen mit Schweiß auf der Stirn und Wallfahrtsliedern auf den Lippen. Strenggläubige Juden und Jüdinnen ebenso wie einfache Leute, die mit den Einzelheiten der liturgischen Handlungen vielleicht weniger vertraut sind. Da sind neugierige Menschen, gläubig, aber nicht fest in der jüdischen Tradition verwurzelt. Dazwischen römische Soldaten, die die Menschenströme lenken und zugleich fasziniert auf das heilige Treiben schauen.
Alle sind unterwegs zum Gebet am Tempel.
Wie mag sich der Pharisäer gefühlt haben?
Er kennt die Bräuche, die Liturgie und die Gebote. Vielleicht ist er von weit hergekommen. Vielleicht ist es seine erste Wallfahrt seit längerer Zeit. Er empfindet Ehrfurcht und Freude über die Begegnung mit anderen Glaubensgeschwistern. Hier, am Tempel, fühlt er sich Gott besonders nahe.
Er will Gott danken. Danken dafür, dass Gott ihn bis hierhergeführt hat. Ja, er hat die Gebote gehalten. Er hat nicht gestohlen. Er hat niemandem Gewalt angetan. Er hat seine Ehe nicht gebrochen. Er hat niemanden übervorteilt. Er fastet und entrichtet treu seine Tempelgaben.
Und dann ist da dieser andere Mann.
Ein Zöllner. Einer, der mit den Römern zusammenarbeitet. Einer, der im Ansehen vieler Menschen ganz unten steht. Vielleicht kennt er die Gebote nicht besonders gut. Vielleicht hat er sie auch missachtet. Und doch ist er hier.
Er steht zwischen all den frommen und kundigen Menschen. Unsicher. Ängstlich. Von Schuld belastet. Die Blicke der anderen lassen ihn seine Außenseiterrolle spüren. Er trägt die Kleidung eines Zöllners. Er kennt die Wallfahrtslieder nicht. Er bringt keine Opfertiere mit.
Und doch führt ihn etwas an diesen Ort.
Während er dasteht, formt sich in ihm ein einziges Gebet:
<b>„Gott, sei mir Sünder gnädig!“</b>
Jerusalem vor zweitausend Jahren. Ein innerjüdischer Glaubenskonflikt, den Jesus aufgreift und zugleich deutet. Die Rollen sind bewusst zugespitzt. Hier der fromme und gesetzestreue Pharisäer, dort der gesellschaftlich verachtete Zöllner.
Doch Jesu Gleichnis will mehr sein als eine Beschreibung damaliger Verhältnisse. Es hält uns einen Spiegel vor.
Denn ich bleibe an einem Begriff hängen, den Jesus verwendet: <b>Selbstgerechtigkeit.</b>
Diese Selbstgerechtigkeit verbindet Jesus eng mit der Selbsterhöhung. Mit dem Bedürfnis, sich selbst in Szene zu setzen, sich über andere zu stellen und den eigenen Wert aus dem Vergleich mit den Mitmenschen zu beziehen.
Damit sind wir mitten im Kern des evangelisch-lutherischen Glaubens: der Rechtfertigung allein aus Gnade.
Kein noch so feierlicher Gottesdienst,&nbsp;kein noch so innig gesprochenes Gebet,&nbsp;kein noch so kunstvoll gespieltes Orgelstück, kein noch so rein gesungener Choral,&nbsp;kein noch so ehrbares Leben und keine noch so gewissenhafte Befolgung religiöser oder moralischer Regeln bringen uns Gott näher als der Glaube an seine Gnade.
Der Zöllner hat nichts vorzuweisen.
Er hat nur dieses eine Gebet:
<b>„Gott, sei mir Sünder gnädig!“</b>
Man könnte versucht sein, an dieser Stelle die Geschichte auf andere Konfessionen, Frömmigkeitsstile oder bestimmte Gruppen zu beziehen. Doch damit würden wir Jesu Botschaft verfehlen. Denn die Gefahr der Selbstgerechtigkeit kennt keine Konfessionsgrenzen.
Sie betrifft nicht nur das Verhältnis zwischen Gott und Mensch. Sie prägt auch das Zusammenleben von Menschen untereinander.
Manche Ausleger meinen, Jesu Worte beträfen ausschließlich die Glaubenden. Diese Sichtweise greift aber meines Erachtens zu kurz. Denn die Frage nach Schuld, Demut und Selbstüberschätzung ist keine Frage für religiöse Menschen allein. Sie ist eine Frage, die jeden Menschen betrifft.
Selbstgerechtigkeit und Selbstdarstellung begegnen uns überall.
In den Sommerferien war ich für drei Wochen in Polen, unter anderem in Warschau. Eine beeindruckende Metropole an der Weichsel. Politisches Zentrum des Landes und zugleich eine moderne Finanzmetropole mit zahlreichen Hochhäusern.
Mitten in diesem Geschäftsviertel hatten wir eine Ferienwohnung gemietet. Tagsüber war alles wunderbar. Nachts allerdings fiel das Schlafen schwer. Offenbar gibt es Menschen, die ihre Freude daran haben, mit aufgetunten Autos und Motorrädern durch die Straßen zu fahren.
Mich beeindruckte dabei weniger die Lautstärke als das, was sie symbolisierte. Mein Sohn begann irgendwann zu zählen: 96 Luxusfahrzeuge, darunter Porsche, Lamborghini, Bentley und Maserati. Und manche Besitzer legten offenbar großen Wert darauf, ihre Fahrzeuge auch vorzuführen.
Das Problem sind dabei nicht die Autos.
Das Problem ist die Versuchung, den eigenen Wert aus dem zu beziehen, was man besitzt, was man darstellen kann oder was andere von einem denken.
Die gleiche Versuchung begegnet uns in den sozialen Medien – um ein anderes Beispiel zu nehmen.
Dort wird Aufmerksamkeit zur Währung. Oft gilt: Je lauter die Meinung, je zugespitzter die Botschaft, je empörter die Darstellung, desto größer die Reichweite. Algorithmen lenken unsere Aufmerksamkeit und beeinflussen nicht selten unser Denken, unsere Wahrnehmung und unser Verhalten.
Am Ende steht oft die Frage: Geht es um Wahrheit? Oder geht es um Aufmerksamkeit? Geht es um den Mitmenschen? Oder um das eigene Ich?
Sie alle kennen solche Erfahrungen. Menschen, die sich selbst in den Mittelpunkt stellen. Menschen, die meinen, stets im Recht zu sein.
Und doch ist die Sache nicht so einfach.
Jesu Gleichnis zeichnet bewusst in starken Kontrasten. Aber der Pharisäer ist nicht einfach der Böse. Er ist ein gläubiger Mensch. Er betet. Er fastet. Er nimmt seinen Glauben ernst.
Und auch der Zöllner bleibt nicht einfach der Gute. Wahre Buße ist nie bloß ein Gefühl. Sie möchte das Leben verändern. Sie möchte neue Wege suchen.
Ebenso verhält es sich mit der Selbstdarstellung. Nicht jeder, der ein schönes Auto fährt, ist selbstgerecht. Nicht jeder Beitrag in den sozialen Medien dient dem eigenen Ego. Viele Menschen teilen dort Kunst, Wissen, Schönheit oder hilfreiche Erfahrungen. Viele möchten andere ermutigen oder miteinander in Verbindung bleiben.
Entscheidend ist nicht die äußere Form.
Entscheidend ist die Haltung des Herzens.
Stehe ich im Mittelpunkt meines Lebens? Oder vertraue ich darauf, dass Gott im Mittelpunkt steht?
Urteile ich über andere? Oder lasse ich mich selbst immer wieder von Gottes Gnade korrigieren?
Pharisäer oder Zöllner?
Vermutlich ist das die falsche Alternative.
Denn jede und jeder von uns trägt etwas von beiden in sich. Jeden Tag stehen wir neu vor der Entscheidung: Selbstgerechtigkeit oder Demut. Selbstbehauptung oder Vertrauen. Das eigene Ego in den Mittelpunkt rücken oder Raum für Gott und den Nächsten schaffen.
<b>„Gott, sei mir Sünder gnädig!“</b>
Dieses Gebet betrifft uns alle.
Ich möchte noch einmal gedanklich nach Polen zurückkehren.
Wir waren auch in Tschenstochau, dem großen katholischen Wallfahrtsort auf dem Jasna Góra.
Wieder gewaltige Mauern. Ein großes Plateau. Wieder Menschenmassen auf dem Weg zu einem Heiligtum. Pilgerinnen und Pilger strömten über die lange Aleja Henryka Sienkiewicza zum Klosterberg hinauf.
Da waren Menschen mit Schweiß auf der Stirn und Wallfahrtsliedern auf den Lippen. Da waren strenggläubige Katholiken und Katholikinnen. Da waren ganze Pilgergruppen. Menschen, die gekommen waren, um vor dem Gnadenbild der Schwarzen Madonna zu beten.
Aber da waren auch einfache Leute. Menschen, die mit den liturgischen Formen vielleicht weniger vertraut waren. Und da waren neugierige Besucher und Touristen, fasziniert vom heiligen Treiben.
Alle waren unterwegs zum Heiligtum.
Ich konnte nicht in ihre Herzen schauen. Ich weiß nicht, welche Gedanken sie bewegten. Ich weiß nicht, welche Sehnsüchte, Hoffnungen oder Gebetsanliegen sie mitgebracht hatten.
Aber ich hatte den Eindruck, dass viele von ihnen von einem echten Glauben getragen waren. Sie waren nicht gekommen, um sich selbst zu erhöhen. Sie waren nicht gekommen, um sich vor anderen zu präsentieren. Sie waren gekommen, weil sie Gott suchten.
Und wie ist das eigentlich bei uns Lutheranern?
<b>„Gott, sei mir Sünder gnädig!“</b>
Das ist die Haltung, die Jesus uns mit auf den Weg gibt.
Eine Haltung, die wir annehmen können. Eine Haltung, die wir aber auch immer wieder vergessen. Und deshalb auch immer wieder scheitern. Aber mit der wir auch immer wieder zu Gott kommen können.
<p class="align-left">-&nbsp;Für mich ist es eine Herausforderung: Menschen vom eigenen Standpunkt begeistern und gleichzeitig aber nicht in eine Haltung der Selbstgerechtigkeit verfallen.</p>
<p class="align-left">-&nbsp;Und nach meiner Wahrnehmung ist unsere Kirche immer noch viel zu sehr auf einzelne charismatische Persönlichkeiten fixiert. Wie kann Kirche in der Breite mündig werden? – getragen vom Ruf des Zöllners:</p>
<b>„Gott, sei mir Sünder gnädig!“</b>
In jedem Fall eine bleibende Aufgabe!
Heute ist ein besonderer Gottesdienst.
Wir führen unsere neue Domkantorin, Frau Nadja Rangott, in ihr Amt ein. Bis März wird sie Albrecht Koch mit einem Stellenumfang von 50 Prozent vertreten.
Zugleich führen wir unsere neue Domküsterin, Frau Annegret Springhetti, die vielen als engagiertes Gemeindeglied bekannt ist, in ihren Dienst als zweite Domküsterin ein.
<b>„Gott, sei mir Sünder gnädig!“</b>
Möge diese Haltung beide in ihrem Dienst begleiten. Möge sie ihnen Orientierung, Kraft und Demut schenken. Und möge sie auch uns als Gemeinde immer wieder daran erinnern, worauf wir letztlich vertrauen:
Es geht nicht um unsere Leistungen, unsere Frömmigkeit oder uns selbst.
Es geht allein um Gottes Gnade.
Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.]]></content:encoded>
			
			<author>springhetti@gmx.de</author>
			<pubDate>Sun, 16 Aug 2026 13:25:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Andacht zum 11. Sonntag nach Trinitatis, 16. August 2026</title>
			<link>https://www.freiberger-dom.de/gemeindeleben/predigtarchiv/detailansicht/andacht-zum-11-sonntag-nach-trinitatis-16-august-2026.html</link>
			<description>von Prof. Dr. Klaus Husemann (Prädikant in der Petri-Johannis-Gemeinde in Freiberg)</description>
			<content:encoded><![CDATA[<b>Über das Zweifeln</b>
Liebe Leserinnen und liebe Leser,
Sie werden sich wahrscheinlich wundern, warum gerade „das Zweifeln“ Thema dieser Andacht ist. Schließlich sollen wir doch mit einer Andacht aufgebaut werden und Halt für unser Leben finden. Da haben Sie natürlich – zumindest auf den ersten Blick – recht. Aber eben nur auf dem ersten Blick, denn der Zweifel gehört nicht nur zu unserem Leben dazu, sondern er ist auch wie die Angst ein Schutz für uns. Er ist die uns von Gott geschenkte Fähigkeit ab zu wägen, ob etwas für mich gut oder schlecht ist, gut oder schlecht wird oder gut oder schlecht werden könnte. &nbsp;&nbsp;&nbsp;
Nun gibt es vieles, mit dem wir dem Wort zweifeln näherkommen. Dazu einige Beispiele: Etwas in Frage stellen, anzweifeln, bezweifeln, hinterfragen.&nbsp; Skeptisch, misstrauisch, unentschlossen oder unsicher sein und letztendlich ein ungutes Gefühl haben. Es kommt hinzu, dass es hier eine große Bandbreite in unserem und für unser Leben gibt. Diese Bandbreite reicht vom Zweifellos bis hin zum Verzweifelt-sein.&nbsp;
Ganz allgemein würde ich folgende Beispiele für das Wort Zweifeln nennen – unabhängig davon, ob das Zweifeln berechtigt oder nicht berechtigt ist: Das sind insbesondere Zweifel an uns selbst und Zweifel an anderen Menschen – egal, ob sie uns nahestehen oder nicht. Aber auch Zweifel an einer Sache: Gekauftes, Repariertes oder Ausgehandeltes u.a. Und zum Teil auch Zweifel an der – vor allem unserer - Zukunft, am Fortschritt und an Wissenschaft und Technik.&nbsp;
Unser ganzes Leben ohne jeden Zweifel wäre ein Leben, in dem alles sicher, alles garantiert und alles eindeutig ist. Und in dem ein Umdenken, Beschwerden, Niederlagen oder irgendwelche Schreckschüsse – zum Beispiel eine Krankheit – kein Thema sind. Hat das eine oder einer von uns erlebt? Hätten wir uns das für unser Leben gewünscht? Oder würden wir uns das noch heute wünschen? Hier merken wir schon: Ein Leben ohne jeden Zweifel ist kein Leben, denn hier würde ganz vieles fehlen, was unser Leben in guten wie in schlechten Zeiten ausmacht.&nbsp;
Auch im Volksmund gibt es viele Sprüche, für die das Zweifeln nicht nur gut, sondern für uns notwendig ist. Dazu einige Beispiele: „Zweifel am eigenen Können kommen nur dem, der es ernst mit seinem Schaffen meint.“ Oder: “Zweifel sind für einen Menschen mit Verstand eine natürliche Sache“. Oder: „Nur wer zweifelt, lässt sich Raum zum Denken.“ Oder: „Der beste Schutz gegen den Zweifel ist das Unwissen.“&nbsp;
Natürlich gibt es sehr, sehr vieles, was wir ohne Zweifel in unserem Leben – auch sehr lange Zeit – erlebt, gefühlt und geschafft haben. Ein gutes Beispiel ist die Liebe. Denn Liebe ohne Zweifel ist ein tiefes Gefühl von innerer Sicherheit und von vollkommenem Vertrauen. Der andere wird so angenommen, wie er ist, ohne Angst vor Verlust oder Täuschung. Und auch alte Ängste und Lebenskrisen verlieren an Bedeutung. 
Im Netz bei Google habe ich nachgefragt: Ist es normal, eine Partnerschaft zu hinterfragen? Dazu habe ich eine ehrliche und interessante Antwort bekommen. Ich zitiere: „Zweifel und Liebe gehören in Beziehungen oft untrennbar zusammen, da sie normale Phasen des Hinterfragens, realistische Erwartungen und den Wandel von Gefühlen widerspiegeln. 
Sie markieren den Spannungsraum zwischen idealisierten Vorstellungen und dem echten Alltag“ (<link https://chrisbloom.de/author/chris/ - - "Beiträge von Chris Bloom">Chris Bloom</link>).&nbsp;
Das heißt doch aber: Menschliche Beziehungen, auch die Liebe, brauchen ab und zu den Zweifel - wenn sie denn von Dauer sein wollen. Hier ist nun eines wichtig: Gerade in engen menschlichen Beziehungen geht es nicht nur ganz allgemein um einen Zweifel, sondern um den Zweifel am Partner und um den Zweifel an uns selbst. Das macht die Bereitschaft zum Kompromiss nicht einfacher. Und es lässt uns leider auch oft vergessen, dass der Zweifel zur Liebe gehört und damit einen Neuanfang leichter macht. Wenn das nicht gelingt, kann und wird meistens die dunkle Seite des Zweifels sichtbar – nämlich das Verzweifelt sein, die Verzweiflung.&nbsp;
Ich bleibe beim Beispiel Partnerschaft: In Deutschland heiraten nur noch 50 % der Frauen und Männer und davon lassen sich 35 bis 38 % wieder scheiden. Die Leidtragenden sind in der Regel einer der Partner und vor allem die Kinder. Und was die meisten dieser Kinder vor und nach einer Scheidung erleben und aushalten müssen, vermag ich mir nicht vorzustellen. Immerhin betrifft das nach dem Statistischen Bundesamt 100.000 bis 115.000 Kinder pro Jahr. Und viele davon werden – wenn sie etwas älter geworden sind – nicht an dem Erlebten zweifeln, sondern schlicht und einfach verzweifelt sein.&nbsp;
Und Gott, liebe Leserinnen und liebe Leser? Gott ist immer dabei. Er hat uns nicht nur die Fähigkeit in die Hände gelegt, uns selbst immer und immer wieder für das Gute oder Böse zu entscheiden. Er hat uns auch – wie Sie schon gelesen haben – die Gabe des Zweifels geschenkt. Und das trifft natürlich auch zu bei unserem Glauben an Gott, den Vater und Schöpfer des Himmels und der Erde, und an Jesus Christus, Gottes Sohn und unseren Herrn. Dabei geht es beim Zweifeln nicht um die Frage glauben oder nicht glauben. Denn wer Gott gar nicht kennt oder auch gar nicht kennen will oder für den Gott eine Märchenperson ist, der kann gar nicht zweifeln – weder am Glauben noch am Unglauben.&nbsp;&nbsp;
Aber innerhalb des Glaubens sind Zweifel nicht nur erlaubt, sondern für die Stärkung, Festigung und Erhalt unseres Glaubens von zentraler Bedeutung. Und sie sind eine Hilfe für uns. Im Basiswissen der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) wird das Ganze auf den Punkt gebracht: „Zweifeln bedeutet, ernste Fragen an den eigenen Glauben zu stellen.“ Deshalb sind Zweifel kein Zeichen mangelnden Glaubens, sondern ein Zeichen dafür, dass wir Gott ernst nehmen - auch und gerade dann, wenn unsere Fragen größer werden als unsere Gewissheiten.&nbsp;
<b>Im Markusevangelium, Vers 5 bittet ein</b> verzweifelter Vater Jesus um Hilfe für sein schwer krankes Kind und gibt offen zu, dass sein Glaube nicht perfekt ist und sagt, ja er schreit in seiner Not<i>:</i> <b>&nbsp;Ich glaube; hilf meinem Unglauben<b> (Markus 9,24) </b></b>Jesus weist ihn nicht ab, sondern hilft ihm und zeigt uns damit, dass wir auch mit einem ehrlichen Zweifel zu Jesus kommen dürfen. Nicht nur, aber im Besonderen auch dann, wenn wir verzweifelt sind oder nicht wissen, wie es mit uns weitergehen soll.&nbsp;
Und was unseren Gauben betrifft: Glauben setzt Vertrauen voraus und Vertrauen ist die stillste Form von Mut. Das betrifft unser Vertrauen zu Gott, zu anderen Menschen und nicht zuletzt zu uns selbst. Dass dieser Weg auch von Zweifeln begleitet wird, ist kein Hindernis, sondern eine Hilfe.
Amen.&nbsp;
<b>Gebet</b>&nbsp;
Großer Gott, oft fühle ich mich<br />mit meinen Zweifeln allein gelassen.<br />Dabei brauche ich dich.&nbsp;
Großer Gott, ich bitte dich<br />Hilf mir, wenn meine Fragen<br />größer werden als meine Gewissheiten.
Großer Gott, oft fehlt mir die Kraft und der Mut<br />Vertrauen aufzubauen<br />zu anderen, aber auch zu mir selbst.&nbsp;
Großer Gott, ich will Dir vertrauen.<br />Bitte gib, dass ich dabei ehrlich bleibe.
Vater unser im Himmel.<br /> Geheiligt werde dein Name.<br /> Dein Rech komme.<br /> Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.<br /> Unser tägliches Brot gib uns heute.<br /> Und vergib uns unsere Schuld,<br /> wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.<br /> Und führe uns nicht in Versuchung,<br /> sondern erlöse mich von dem Bösen.<br /> Denn dein ist das Reich und die Kraft<br /> und die Herrlichkeit in Ewigkeit. 
Amen
<b>Segen</b>
Der Herr segne Dich und behüte Dich.<br /> Der Herr lasse sein Angesicht leuchten<br />über Dir und sei dir gnädig.<br /> Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich<br /> Und gebe Dir Frieden. Amen.&nbsp;
Herzlich grüßt Sie in Verbundenheit<br /> Ihr Klaus Husemann]]></content:encoded>
			
			<author>springhetti@gmx.de</author>
			<pubDate>Sat, 15 Aug 2026 18:11:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Predigt zum 10. Sonntag nach Trinitatis (Proprium: Kirche und Israel), 8. August 2026</title>
			<link>https://www.freiberger-dom.de/gemeindeleben/predigtarchiv/detailansicht/predigt-zum-10-sonntag-nach-trinitatis-proprium-kirche-und-israel-8-august-2026.html</link>
			<description>über Römer 11,25-32 (Lut17); gehalten im Freiberger Dom St. Marien von Dr. Gunnar Wiegand, Pfarrer...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<i>Der Predigttext Römer 11,25-32 (Lut17) wurde als Epistel verlesen </i>
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Stelle…
Liebe Gemeinde,
ich stelle mir vor: Paulus in einem Zimmer in Korinth… in ihm reift der Gedanke einer umfassenden Spanienmission… es zieht ihn nach Westen… denn in Jerusalem ist es schwierig geworden… da kann er nicht mehr so recht hin… der erste jüdische Aufstand bahnt sich an… Israel radikalisiert sich… gegen die Römer… aber auch gegen Abweichler in den eigenen Reihen… er, als ehemaliger jüdischer Apostel, kann sich da nicht mehr gut blicken lassen… „Nach dem Evangelium sind die Juden zwar Feinde um euretwillen; aber nach der Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen“ – beschreibt er den Römern seine innere Zerrissenheit… ja er selbst überzeugter Jude, dem aber Christus lebenswichtig geworden ist… da ist die Tradition aus der er kommt… und diese Bewegung um den in Jerusalem gekreuzigten Jesus… Altes und Neues in Paulus Herz vereint… und damit indirekt doch auch eine ganz grundlegende Frage: wieso gibt es die Trennung überhaupt? Warum sind nicht alle von Christus überzeugt? Paulus gibt in einer etwas holprigen Argumentationskette eine Antwort darauf:
<ol style="margin-top:0cm" start="1" type="1"><li>Ihr römische Juden wart ungehorsam – <em>jetzt</em> ist euch Erbarmen zugekommen – ihr glaubt an Christus.</li><li>Weil euch Erbarmen widerfahren ist, sind die Juden <em>jetzt </em>ungehorsam geworden (weil sie nicht an Christus glauben), bzw. sie sind in diese Ungehorsamkeit praktisch hineingerutscht.</li><li>Aber am Ende sollen alle Barmherzigkeit erlangen.</li></ol>
<b>Also erbarmt sich Gott aller Menschen</b>… in Paulus Worten: „Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.“
Ja, da ist diese Diskrepanz zwischen den Juden und Jüdinnen und uns Christen und Christinnen… gepaart mit diesen versöhnlichen Überlegungen aus den Ambivalenzen in Paulus‘ Lebensweg… im schriftlichen Erbe der Bibel mitgegeben…
Und wie sieht es heute aus im Verhältnis von Christinnen, Christen und Jüdinnen, Juden? Ein realistischer Blick in unsere Lebenswelt zeigt doch: hier bei uns in Freiberg spielt das Judentum doch eigentlich keine Rolle… ja, an der Synagoge in Dresden kommt man öfter mal vorbei… aber das Gebäude wirkt von außen ja eher wie eine Trutzburg… das Judentum ist durch die furchtbaren Verfolgungen in der Shoa durch uns Deutsche völlig ins Abseits gedrängt worden… mich berühren Paulus Worte kaum persönlich – weil ich so gut wie keine Begegnungen mit Juden habe… 
Oder diese Beziehung bekommt sofort einen abstrakten, ja eigenartig-staatstragenden Charakter… die Frage nach dem Verhältnis von Christinnen, Christen und Jüdinnen, Juden verliert die eigentlich religiöse Dimension und gleitet zu einer Frage der Staatsraison ab… also in die Frage, welche Verantwortung das deutsche Volk vor den Juden hat… schnell wird diese Frage überlagert von den Wahrnehmungen der Politik der aktuellen Israelischen Regierung… mit z.T. horrenden militärischen Eskalationen im Territorium um Israels Kernland… und dann ist da die krude deutsche Realität… immer noch von Antisemitismus geprägt… obwohl es kaum konkrete Vorstellungen von Judentum mehr in unserem Land gibt… undifferenziert… oft von Radikalen, die völlig Blind für die Entartungen der deutschen Geschichte sind… und damit der Verantwortung, die Deutschland gegenüber dem Judentum hat…
Ganz anders waren meine Erfahrungen auf meinem dreiwöchigen Polen-Urlaub… wir waren in Krakau, einer Stadt, die im Mittelalter durch eine tolerante Religionsauffassung Juden im großen Stil Ansiedlungen ermöglichte. In Kazimierz war eines der größten jüdischen Viertel Europas… ebenso in Warschau… im dortigen Ghetto wurden ca. 300-400 Tsd. Menschen durchgeschleust und starben durch verschiedene Gewaltaktionen der Nazis, durch Hunger oder im Vernichtungslager Treblinka… die größten Vernichtungslager der Nazi-Deutschen befinden sich auf heutigem polnischen Territorium… was natürlich die Beziehungen zu Deutschland seltsam-abstoßend bis heute mitprägt… Von den einst ca. 3 Mio. polnischen Juden gibt es heute in Polen nur noch ca. 10-20 Tsd. … immerhin…
Tief beeindruckt hat mich der Besuch des Jüdischen Museums Warschau, das die Geschichte der Juden in Polen hervorragend dokumentiert und nachzeichnet. Im letzten Raum wurde ein Film mit Interviews gezeigt. Polnische Jüdinnen und Juden von heute sollten sagen, ob sie sich mehr polnisch oder mehr jüdisch fühlten… die Interviews zeigten ein großes Mosaik an verschiedensten Positionen… ganz treue jüdisch-religiöse Patrioten, Leuten, denen die Religionszugehörigkeit oder Nationalität eher Wurst war, die meisten hatten wohl eine moderate Doppelhaltung… und ganz am Schluss das Statement eines kleinen Mädchens im Kindergartenalter… „ihr sei das eigentlich nicht wichtig“… 
Sie zeigt, wie absurd doch vielleicht diese Alternativfrage nach der Zugehörigkeit ist: alle Menschen müssen mit ihren Sehnsüchten, ihrem Glauben in einer Gesellschaft dazugehören dürfen… wie in Polen so auch bei uns in Deutschland… so wie diese Leute Polen und Juden zugleich sind. Das ist für mich so selbstverständlich, wie Paulus sagt: Denn Gott erbarmt sich am Ende aller! … 
Am 23. August kommt übrigens der Sächsische Landesrabbiner Zsolt Balla zu einem Mopedgottesdienst nach Großschirma… eine wunderbare Gelegenheit, gemeinsam mit unseren jüdischen Geschwistern Gottesdienst zu feiern.
Liebe Gemeinde,
kehren wir noch einmal zu Paulus zurück: nüchtern betrachtet ist das Konzept des Apostels ja immer noch nicht realisiert… wie würde es heute Paulus, 2000 Jahre nachdem er seine Zeilen in Korinth aufgeschrieben, hat, gehen? Welche Bilanz würde er für sich ziehen nach einer langen Geschichte von Pogromen gegen Jüdinnen und Juden und der grausamen Shoah des 20. Jahrhunderts? 
Tauchen wir noch einmal in die Worte des Paulus ein: bei der Vorbereitung der Predigt, bin ich über den Begriff der Heiden gestolpert… Paulus unterscheidet zwischen den Juden, also dem ursprünglichen Gottesvolk und den Heiden, die an andere Götter glauben, aber sich zu dem Gott Israels bekennen… Und diejenigen, die dann an Christus glauben sind Juden-Christen oder Heiden-Christen… Man könnte vielleicht auch etwas verkürzt sagen: die Juden stehen für die Tradition… Heiden sind diejenigen, die da irgendwie neu dazugekommen sind… Aber was all die Leute zur Zeit des Paulus einigt: sie glauben!... 
Wenn ich heute von Heiden spreche, dann sind das ja eher Menschen, die gar keinen Glauben haben… und genau hierin stehen das Judentum und das Christentum doch auf einer gemeinsamen Seite… denn die für mich zentrale heutige Frage… hier bei uns… in Freiberg… in Deutschland ist doch viel mehr: wie finden Menschen (Heiden) eigentlich überhaupt zu einem Glauben an Gott? Ist unsere Tradition, der lutherische Gottesdienst, sind unsere Bekenntnisse für Menschen in unserer Gesellschaft überhaupt anschlussfähig… ohne es einfach nur zu behaupten. Was muss passieren, dass viele Freiberger wieder an Gott glauben? Und welche Rolle kommt dabei Jesus dem Christus zu? Oder wie gehen wir mit den Geschwistern muslimischen Glaubens um… die heute weitaus mehr in unserer Gesellschaft sind als Jüdinnen und Juden?&nbsp; 
Ich denke, dass unsere christliche Religion – was die Anschlussfähigkeit betrifft – vor einem ähnlichen Problem stehen, wie die jüdische Religion… in anderen Worten: Paulus‘ Problem hat sich völlig verlagert.
Ich habe keine einfache Antwort darauf, wie man Mehrheiten unserer Gesellschaft von Gott überzeugen kann… es ist nicht einfach… es braucht Geduld… einen langen Atem. Aber vielleicht kann Paulus‘ Zeugnis eine Hilfe geben… er selbst war überzeugter Jude, dem aber Christus lebenswichtig geworden ist… da ist auf der einen Seite die Tradition aus der er kommt… und auf der anderen Seite diese Bewegung um den in Jerusalem gekreuzigten Jesus… ein Mann, der radikal für Liebe eingetreten ist. Das hat Paulus bis tief ins Mark erschüttert… mit dieser Diskrepanz, aber der Hoffnung auf Erlösung des ganzen Gottesvolks, ja der ganzen Menschheit hat er gelebt.
25Ich will euch, Brüder und Schwestern, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, bis die volle Zahl der Heiden hinzugekommen ist. 26Und so wird ganz Israel gerettet werden…
In dieser kleinen versteckten Phrase ist für mich der zentrale Kern von Paulus Botschaft verborgen: „haltet euch nicht selbst für klug“… vielleicht ist doch das Problem unserer Religion, ja der Menschen überhaupt… die Überheblichkeit und Besserwisserei… die in so vielen Leuten steckt… etwas weniger davon… aushalten von Spannungen, Offenheit, sich selbst dem anderen unterordnen… den eigenen Standpunkt hinterfragen… die Einigkeit suchen… auf der einen Seite: weniger Angst vor dem, was die Tradition mitbringt… auf der anderen Seite: weniger Angst vor dem Unbekannten, den neuen Blickwinkeln, die uns als Kirche bereichern… oder sogar verändern… oder wie es Christus gelehrt hat: Liebe statt Gewalt… vermutlich wäre die Welt dann friedlicher… und so „wird kommen aus Zion der Erlöser; der wird abwenden alle Gottlosigkeit von Jakob“. Lasst uns gemeinsam harren und vor allem daran bauen!
Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.]]></content:encoded>
			
			<author>springhetti@gmx.de</author>
			<pubDate>Sun, 09 Aug 2026 12:39:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Predigt zum 9. Sonntag nach Trinitatis, 2. August 2026</title>
			<link>https://www.freiberger-dom.de/gemeindeleben/predigtarchiv/detailansicht/predigt-zum-9-sonntag-nach-trinitatis-2-august-2026.html</link>
			<description>über Jeremia 1,4-10 (Lut17); gehalten in der Kirche Schmannewitz von Dr. Gunnar Wiegand, Pfarrer...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<i>Der Predigttext Jeremia 1,4-10 (Lut17) war zugleich Lesung des Alten Testaments</i>
Liebe Gemeinde,
es ist Ferienzeit… Zeit für den Urlaub… vielleicht hier in der Dahlener Heide oder sie waren schon unterwegs… der Urlaub kommt noch… Es ist Urlaubszeit, Ferienzeit… Zeit für die Familie, Zeit für einen Besuch bei den Eltern…
Die vertrauten vier Wände… die Brötchen vom Lieblingsbäcker am Morgen… das alte Zimmer… der Geruch der Tapeten… der Lieblingskuchen zur Kaffeetafel am Nachmittag… der herrliche Garten mit den schönen Blumen… Gefühl der Geborgenheit… die Mutter, der Vater, die Freunde… die alten vier Wände… das eigene Dorf… einfach Heimat…
Dagegen: das Leben in Verantwortung… im Beruf… an einem anderen Ort… vielleicht in einer lauten Großstadt… Lärm… Autos… der tägliche Weg ins Büro oder and en Arbeitsplatz… die Herausforderungen im Alltag… viele Unternehmen müssen sich umstrukturieren… vielleicht die Angst, dass es einen selber erwischt… ja, auch wir als Kirche sind ja betroffen… Baumoratorium… Einstellungsstopp beim Personal im Verkündigungsdienst… von Krisen in der Welt – erfahren wir viel über die Medien… oder spüren die hohen Benzinpreise doch auch ganz unmittelbar im eigenen Geldbeutel.
Oder die Kehrseite der Familienidylle… wenn kein Urlaub ist, wenn keine Ferien sind… die täglichen Sorgen im Alltag... bei den Kindern die Schule… die vielen Termine… dann wieder Krankheiten…
Ja hier die schöne Ferienzeit… dort der oft harte Alltag… gibt es eine Brücke? … wie kann ich „wie in einem Mutterleib“ doch im Leben getragen sein? … dieses Leben aushalten? … mit allen Herausforderungen und Krisen?
Ich stelle mir vor: da ist dieser Prophet Jeremia… ein Mann mit einer behüteten Kindheit… wie muss auch er diese Kindheit, die Mutter, die Heimat geliebt haben… gleich zweimal erwähnt er seine Mutter zu seiner Berufung als Prophet… Idylle auch bei ihm… er will sie gerne halten…
Und auf der anderen Seite dann doch die knallharte Realität… sie schillert schon am Beginn seines Prophetenbuches durch… er legt diese harte Realität, geprägt von Kriegen Gott in den Mund: <sub>10</sub>Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du&nbsp;ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.“ … er kündigte die Eroberung Jerusalems und das Exil des Gottesvolkes an… seine Prophezeiungen erfüllten sich… die Babylonier brachten mit Krieg, Zerstörung und Deportation schweres Leid über die Bevölkerung…
In anderen Worten: dieser Mann lebte in einer noch krasseren Diskrepanz zwischen dem Gefühl der vertrauten, geborgenen Heimat, dem Mutterleib und der zerstörerischen Realität… der Verlust dieser Heimat…
Wie schafft er eine Verbindung zwischen seiner heimatlichen Komfortzone und der furchtbaren krisenhaften Realität seiner Zeit?... 
er bringt sie von Anfang an mit… er trägt sie in sich… schon weit vor seiner Geburt… das ihm vorbestimmte Leben von Gott… das von ihm vorbestimmte Leben aus der Berufung als Prophet Gottes… er will sich diesem furchtbaren Leben gar nicht stellen: Ach, Herr&nbsp;Herr,&nbsp;ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung…. Und Gott gibt zurück: Du kannst gar nicht zu jung sein… denn ich habe dich schon immer für diesen Weg in der Welt vorherbestimmt… In Jesajas Worten: <sub>5</sub>Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und&nbsp;sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker… 
Ich verstehe das so: versetze dich in dieses wunderbare Gefühl Deiner Heimat… in Deinem Väterlichen- und Mütterlichen Haus… diese Geborgenheit… und dann setze noch eines drauf: die Geborgenheit… das Getragensein von Gott selbst… der Glaube… er trägt dich durch die Wirren Deines Lebens… er trägt Dich durch die dunkelsten Momente Deiner Krisen und Herausforderungen… bei Jeremia gibt er sogar soviel Kraft, auf der höchsten Ebene der Politik mitzumischen…
Liebe Gemeinde,
mein erster Gedanke war: na was predigt man einer Gemeinde, wenn es um die Berufung zum Predigen geht?... müsste da nicht eher eine Gemeinde aus Pfarrern vor mir sitzen?... soll ich denen jetzt mitgeben, dass sie wie die Propheten predigen sollen?... 
Es ist doch nicht jede und jeder zum Propheten geboren… und es ist auch nicht eines jeden oder einer jeden Aufgabe zu predigten… aber jede und jeder hat sein Leben… mit seinen ganz eigenen Herausforderungen, den Pflichten und Aufgaben… diese werden durch Jeremias Worte nicht weniger… aber sie werden erträglicher… denn sie werden zu einer von Gott gut geheißenen Aufgabe… und am Ende steht nicht die Zerstörung, sondern das Gute: <sub>8</sub>Fürchte dich nicht vor ihnen; denn&nbsp;ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der&nbsp;Herr… und …du sollst bauen und pflanzen“… Als ich vor ca. zwei Wochen durch Danzig gegangen bin, war vor mir eine Frau…. Sie hat ein T-Shirt getragen. Da stand ein Spruch drauf, den ich großartig fand. „to the person behind me: you are amazing, beautiful and enough. Remember that… (an die Person hinter mir: Du bist beeindruckend, schön und genug. Erinnere dich daran!)
Und dann sind da ja auch noch diese blöden Krisen in unserer Zeit… sind diese Krisen real? Wie real sind sie? Oder erzeugt sie doch eher unser verrückter medialer Konsum? Können wir ihnen die kalte Schluter zeigen oder ist es naiv die Krisen zu ignorieren? Aber was tun?... In Aktivismus verfallen? Gar nichts tun?... in jedem Fall ist da Verunsicherung… und auch die Einsicht, dass niemand diese Situationen alleine ändern kann…
Gott hat jede und jeden schon vor Anbeginn der Zeit gekannt... ihr oder ihm eine Rolle zugewiesen… und er hat uns dadurch den Glauben gegeben an seinem Werk mitzuwirken… ihn zu verkündigen… im Frieden und im Vertrauen… im Glauben an diesen Verborgenen Schatz im Acker… (wie wir es im Evangelium gehört haben…) er ist uns durch Jesus verheißen… bleiben wir fokussiert!
Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.]]></content:encoded>
			
			<author>springhetti@gmx.de</author>
			<pubDate>Sun, 02 Aug 2026 13:23:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
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			<title>Andacht zum 9. Sonntag nach Trinitatis, 2. August 2026</title>
			<link>https://www.freiberger-dom.de/gemeindeleben/predigtarchiv/detailansicht/andacht-zum-9-sonntag-nach-trinitatis-2-august-2026.html</link>
			<description>von Superintendentin Hiltrud Anacker</description>
			<content:encoded><![CDATA[Liebe Leser und Leserinnen!
Ich will Ihnen erzählen von Beppo, dem Straßenkehrer. Er tat seine Arbeit gern und gründlich. Er wusste, sie war notwendig. Er erledigte sie langsam, aber stetig: Schritt - Atemzug - Besenstrich. Schritt - Atemzug - Besenstrich. Dabei machte er sich so seine Gedanken. Sie haben vielleicht auch gelesen von Beppo, dem Freund von Momo. &quot;Siehst du, Momo, es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen. So darf man es nicht machen. &nbsp;Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein. Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.&quot; (gekürzt aus: &quot;Momo&quot; von Michael Ende)
Was ist wichtig? Vielleicht fragen Sie sich manchmal: &quot;Was will ich tun? Was muss ich tun? Was ist mein Beruf – was ist meine Berufung?&quot; Richtig gut kann man einen Beruf wohl nur ausüben, wenn man dazu auch wirklich geschaffen ist. Das gilt für sogenannte einfache Berufe genauso wie für sogenannte hochqualifiziert Berufe. Beppo erfüllt seine Aufgabe mit Hingabe, denn es ist eine sehr wichtige. Meine, vielleicht auch Ihr Vorstellung von Berufung: Ein Mensch geht in dem auf, was er tut - so wie Beppo. Er macht die Welt wieder schön.
Jeremia, von dem die Bibel berichtet, wird berufen - von Gott. Gott spricht zu ihm: &quot;Bevor ich dich im Mutterleib geformt habe, kannte ich dich. Bevor du von deiner Mutter geboren wurdest, warst du schon heilig für mich. Zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt.&quot; (Jeremia 1,5) Gott hat eine wichtige Aufgabe für ihn, er beruft ihn, Prophet zu werden. Wissen Sie, wie Jeremia darauf reagiert? Ich formuliere mit meinen Worten: &quot;Ach du meine Güte, was kommt denn jetzt auf mich zu, ich kann das doch gar nicht, keiner wird mir zuhören, wer hört schon so einem unerfahrenen Menschen wie mir zu, andere haben doch eine viel größere Lebenserfahrung – nein, lieber Gott, ich kann das nicht!!!&quot; So falsch lag er mit seiner Einschätzung gar nicht. Die Leute hörten ihm nicht gern zu. Ob seine Jugend dabei eine Rolle spielte, weiß ich nicht. Dazu wird nichts weiter im Buch erwähnt. Es könnte auch schlicht am Inhalt seiner Predigt gelegen haben. Jeremia stellte sich der Aufgabe und analysierte seine Zeit mit scharfblickenden Verstand. Er riet, sich der Großmacht Babylon zu ergeben, um wenigstens das Leben zu retten. Wer hört so schlechte Botschaften schon gern. Dabei wollte er damit die Welt nur ein wenig verbessern. Die anderen „Propheten“, die Heil verkündigten, wo Unheil kam, denen die wirkliche Berufung zu ihrem Beruf fehlte, denen hörten die Menschen viel lieber zu. Aber: Das Unheil kam. Die Babylonier überzogen das kleine Land Juda, zerstörten nicht nur Jerusalem und den Tempel, sie führten auch viele Menschen in die Gefangenschaft. Erst spätere Generationen lernten, die Prophetie Jeremias zu schätzen, als sie selbst in neue bedrohliche Situationen kamen. Da erinnerten sie sich an ihn und überlegten, welche Ratschläge für sie passten. Jeremia ging in seinem „Beruf“ als Prophet auf. Seine Zeitanalyse stimmte. Er lag richtig mit seinen vielen Warnungen, sprach dann aber auch Mut zu. Gott würde sein Volk nicht allein lassen. Jeremia hatte seine von Gott gestellte Aufgabe angenommen.
An welchen Ort stellt Gott Sie oder mich? Was möchte Gott von &quot;mir&quot;? Gott, so denke ich, stellt Menschen an ihren Platz, um u.U. zu einem Thema Stellung zu nehmen oder um dazu sein, zuzuhören, … Was ist „meine“ Aufgabe am Ort, an den Gott „mich“ gestellt hat? Manche Aufgabe erscheint so riesig groß. Wie soll sie zu schaffen sein?
Ich höre gern auf den Rat Beppos: Man darf nie an die ganze Aufgabe auf einmal denken. Man muss nur an den nächsten Schritt denken. Und immer wieder nur an den nächsten. Dann macht es Freude, das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein. Auf einmal merkt man, dass man Schritt für&nbsp; Schritt die Aufgabe geschafft hat. Man hat gar nicht gemerkt wie. Zugleich klingt die die Zusage Gottes in mir, die er Jeremia gegeben hat: „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir, um dich zu retten – spricht Gott.“<br />Amen.
<b>Gebet</b> 
Barmherziger Gott,<br />wir leben aus deiner Kraft und der Fülle deiner Gaben:<br />Gib uns Gedanken nach deinem Sinn,<br />dass wir tun, was recht ist, und leben, wie es dir gefällt.
Vater unser im Himmel.<br />Geheiligt werde dein Name.<br />Dein Reich komme.<br />Dein Wille geschehe,<br />wie im Himmel, so auf Erden.<br />Unser tägliches Brot gib uns heute.<br />Und vergib uns unsere Schuld,<br />wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.<br />Und führe uns nicht in Versuchung,<br />sondern erlöse uns von dem Bösen.<br />Denn dein ist das Reich<br />und die Kraft und die Herrlichkeit<br />in Ewigkeit. Amen.
<b>Segen</b>
Es segne und behüte dich der allmächtige Gott:<br />Vater, Sohn und Heiliger Geist.<br />Amen.&nbsp;
Herzlich grüßt Sie
Hiltrud Anacker<br />Superintendentin]]></content:encoded>
			
			<author>springhetti@gmx.de</author>
			<pubDate>Sat, 01 Aug 2026 19:46:00 +0200</pubDate>
			
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