Wochenandacht zum Sonntag Quasimodogeniti, 19. April 2020

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Wochenandacht zum Sonntag Quasimodogeniti, 19. April 2020

19.04.2020

gehalten von Superintendentin Hiltrud Anacker

Liebe Kirchgemeinde am Dom Freibergin Großschirma, Großvoigtsdorf, Rothenfurth, Kleinwaltersdorf und Dom Freiberg,
heute möchte ich mit Ihnen zunächst zurückschauen: Die Passionszeit liegt hinter uns. Sie entwickelte sich ungewollt zu einer Zeit des Kontaktfastens. Die Aktion „Sieben Wochen ohne“ bekam eine Bedeutung – jedenfalls für mich – wie ich es zunächst kaum für möglich gehalten hätte. „Zuversicht – sieben Wochen ohne Pessimismus“ hielt ich zu Beginn schon für sehr aktuell. Wäre es nicht klug, auf das zu schauen, was wir haben, und nicht immer auf das, was wir gern hätten. Mit Zuspitzung der weltweiten Pandemie aber bekam die Aktion ein immer größeres Schwergewicht. Sieben Wochen ohne Pessimismus, wie soll das gehen? Und doch hat es gut getan, darüber nachzudenken und so sich ermutigen zu lassen. „Sorge dich nicht“ (Wochenthema 1), fürchte dich nicht einmal, traue Gott etwas zu. Ja, es geschehen Krankheit und Unglück, und oft genug bekommen wir keine Antwort auf die Frage des Warum. Glaube bewahrt nicht vor Unglück. Es ist in Ordnung, dies zu beklagen, mit Gott darüber zu streiten. In der Passionszeit wird uns jährlich vor Augen geführt, dass Gott Leid nicht immer verhindert. Das Kreuz Jesu Christi führt uns deutlich vor Augen: Er geht mit ins Leid. Er versteht jede Klage. Sie bekommt eine Aus-Richtung. Der Glaube an Gott kann tragen im Glück – und im Leid. „Meine Zuversicht ist bei Gott“, heißt es im Psalm 62 (Wochenthema 6). „Denn wir sind gerettet – auf Hoffnung hin“ – so mündete das Pessimismusfasten in die Osterfeiertage (Rö. 8,24).
Wie ist es Ihnen gelungen, die Hoffnung der Auferstehungsbotschaft für sich in diesem Jahr lebendig werden zu lassen? Empfanden Sie in der vollkommen anderen Art des Osterfestes den Verlust dessen, was Ihnen wert geworden ist an Ritualen? Vermutlich. Gelang es Ihnen, selbstverständlich Gewordenes zu überdenken? Das Gebet im Kreis der engsten Familie, in der Stille, in der Gemeinde am Fernsehen, Radio oder Internet, die kurze Begegnung auf der Straße beim Spaziergang – kleine Gesten bekommen plötzlich Bedeutung.
So weit die Rückschau. Wir leben aber in der Gegenwart im Jetzt und Hier. Was nehmen wir mit in die Osterzeit, die länger dauert als die beiden Feiertage. Seid „wie die neugeborenen Kinder“, gibt uns der Name dieses Sonntags mit. In der Alten Kirche legten die zu Ostern Getauften ihre weißen Taufkleider ab. Der Alltag hielt Einzug, in dem sich Gottvertrauen beweisen musste. „Ich bin getauft“, hat sich Martin Luther immer wieder selbst zugesprochen, wenn er sich vergewissern wollte, dass Gott zu ihm steht. „Ich bin getauft“, dieser Satz von „mir“ gesprochen kann ein tägliches Taufgedächtnis sein. Trägt dies im Alltag? Mich schon. Es muntert mich auf, es lässt mich zuversichtlich heute leben und auf das Morgen zugehen.
"Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten." (1. Petr 1,3)
Mit dem Spruch für diese Woche grüße ich Sie herzlich.
Amen.
Superintendentin Hiltrud Anacker

Gebet
Du Auferstandener,
du bist das Leben. Du hast dem Tod die Macht genommen.
Wir bitten um
dein Leben für die, die gegen den Tod ankämpfen,
dein Leben für die, die dem Tod ausgeliefert werden,
dein Leben für die, deren Kräfte versiegen.
Nimm uns die Angst.
Schenk uns Glauben.
Du schenkst den Frieden, der die Welt überwindet.
Wir bitten um
deinen Frieden für die Menschen in Syrien,
deinen Frieden für alle, die eingesperrt und bedrängt werden,
deinen Frieden in unseren Häusern und Familien,
in unserer Nachbarschaft, in unserem Land.
Nimm uns die Angst.
Schenk uns Frieden.
Du gibst den Müden Kraft. Du lässt uns aufatmen.
Wir danken dir für den Atem,
für die Menschen an unserer Seite,
für den Glauben und dein Wort.
Dir vertrauen wir diese Welt an.
Dir vertrauen wir uns an.
Du bist das Leben. Halleluja.

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Hinweis:
Die Glocken unserer Kirchen läuten am Sonntag wie gewohnt und rufen so zum Gebet, wo auch immer wir sein werden.
Im Radio, im Fernsehen (ZDF: 09:30 Uhr; MDR Kultur – MDR Kultur-Radio – 10:00 Uhr) und im Internet finden Sie – so Sie mögen – etliche Gottesdienstangebote. Auch in dieser Woche wird die Ev.-Luth. Landeskirche Sachsen einen Livegottesdienst und einen Kindergottesdienst im Internet übertragen. Unter https://www.evlks.de/aktuelles/gottesdienst-im-live-stream/ können Sie diese am Sonntag über verfolgen.
Diese Andacht ist unter folgendem Link aufzurufen: https://youtu.be/XzM1VJL1oAs
Auf dem youtube-Kanal der Gemeinde stellen wir jede Woche eine neue Andacht ein, die Sie unter https://www.youtube.com/channel/UCJhc6o1XOMRrnUSdYQ32t9A abrufen können.

Spendenmöglichkeiten:
Gustav-Adolf-Werk:
Das GAW unterstützt seine Partnerkirchen beim Gemeindeaufbau, bei der Renovierung, beim Kauf und beim Neubau von Kirchen und Gemeinderäumen, bei sozialdiakonischen und missionarischen Aufgaben, bei der Aus- und Weiterbildung von kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern u. a.
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11, BIC: GENODED1DKD

Kollekte am Sonntag Quasimodogeniti:
Für die eigene Kirchgemeinde
IBAN: DE86 3506 0190 1617 2090 35, BIC: GENODED1DKD, Verw.-Zw.: RT 1301 Kollekte 19.04.

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