22.11.2025
von Prädikantin Katrin Hutzschenreuter
Liebe Leserinnen und Leser,
in einem Ort in China sitzen einige Männer am Ufer eines Sees. Immer wieder tauchen sie einen Stock ins Wasser, an dessen Spitze ein Schwamm gebunden ist. Dann malen sie sorgsam und genau Schriftzeichen auf flache Steine, die sich im Wasser befinden. Je nachdem, ob Wolken über den Himmel ziehen oder die Sonne brennt, verschwinden die Zeichen früher oder später. Kaum eines hält sich länger als eine halbe Stunde auf diesen Steinen.
Als die Männer gefragt werden, was sie denn da tun, erzählen sie ihre Geschichte. Es sind uralte Gedichte, die sie auf die Steine schreiben. Sie bewahren sie auf zärtliche Weise mit ihren vergänglichen Mitteln.
Manchmal denke ich darüber nach, ob diese Schriftzeichen ein Bild für Gott sein könnten, der seine Ewigkeit ins Zeitliche zeichnet. Ähnlich versunken, manchmal schweigsam, verrichtet er seine Arbeit. Sorgsam und zärtlich schreibt er sich ein in die vergängliche Welt.
Vielleicht sind wir ja seine Schriftzeichen. Flüchtig und zerbrechlich. Verwehende, in denen dennoch der Geist Gottes wirkt und wächst. Sein wertvolles Wort, aufblitzend in der Zeit. Vergänglich und doch Wohnstatt seines Heiligen Geistes – und dadurch selbst geheiligt.
Gott, der uns mit Schönschrift in die Zeit schreibt: Er weiß, wer wir sind. Was uns ausmacht, bewahrt er in seinem Gedächtnis.
Heute ist der letzte Sonntag des Kirchenjahres, er heißt Ewigkeitssonntag. Heute gedenken wir der Menschen, die gestorben sind.
Ich vertraue darauf, dass Gott sie alle in seinem Gedächtnis bewahrt.
AMEN.
Gebet
Guter Gott, heute erinnern wir uns besonders an die Menschen, die schon gestorben sind. Manchmal tut es immer noch weh, wenn wir daran denken.
Wir bitten dich: bewahre du sie in deinem Gedächtnis. Uns aber lehre bedenken, dass auch wir sterben müssen, auf das wir klug werden.
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.
Es segne und es behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott – der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.
Herzliche Grüße
Katrin Hutzschenreuter
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