Wochenandacht zum 6. Sonntag nach Trinitatis, 24. Juli 2022

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Wochenandacht zum 6. Sonntag nach Trinitatis, 24. Juli 2022

24.07.2022

von Prof. Dr. Karl-Hermann Kandler


Liebe Schwestern und Brüder,
Wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm in den Tod begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleichgeworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein. … Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir auch, dass wir mit ihm leben werden.
Römerbrief 6, 3 - 5, 8

Was trägt uns im Leben, vor allem, was trägt uns im Alter? Für uns Christen steht fest: Wir sind getauft. Und durch die Taufe gehören wir unserem Herrn Jesus Christus. Das steht fest und lässt sich durch nichts mehr ungeschehen machen. Viele unserer Zeitgenossen, ja auch manche unserer Kinder und Enkel haben sich inzwischen von der Kirche getrennt. Sie meinen wohl, sie brauchen Jesus Christus nicht mehr. Aber darin irren sie sich gewaltig. Wenn auch sicher nicht unser Taufschein ein Freifahrtschein in den Himmel ist, so ist unsere Taufe die Grundlage unseres Christseins. Wir sind mit dem Herrn Christus auf Verderb und Gedeih verbunden. So wie er sterben musste, so auch wir. Wir sind schon am Karfreitag kraft unserer Taufe mit ihm gestorben, denn er ist für uns gestorben am Kreuz. Gott hat das zugelassen, dass sein Sohn wie ein Verbrecher sterben musste. Aber er starb nicht für seine Verbrechen, sondern für uns, für unsere Sünden, für unser Versagen in so vielen Dingen des Alltags, Das ist uns wohl oft gar nicht bewusst geworden. Nun aber ist unser Tod eben nicht unser Ende! Denn Gott hat seinen Sohn auferweckt, er lebt. Das ist nun das große Geschenk an uns: Auch wir sollen leben. Das ist das Geschenk der Taufe! Gott schenkt uns das, was seinem Sohn Jesus Christus zuteil wurde. Dass wir einmal sterben müssen, das ist klar, das ist uns allen bewusst. Aber dass das nicht das Letzte, sondern nur das Vorletzte ist, das kann und soll unser großer Trost sein. Wenn sich heute so viele – auch oft aus unserer Familie und unserem Freundeskreis – von der Kirche trennen, dann denken sie wohl, sie könnten ihre Taufe, ihre Zughörigkeit zu Jesus Christus, einfach aufgeben. Nein, sie sind und bleiben durch ihre Taufe mit ihm verbunden. Man kann die Taufe nicht ungeschehen machen. Sie bleibt in Geltung – aber manche wollen von ihr keinen Gebrauch machen, sie meinen, sie könnten sie wegwerfen. Nein, das können sie nicht. Aber sie verlieren mit ihrem Schritt die enge Verbundenheit zu ihrem Herrn. Darum sollten wir Gott bitten, dass er sie zu sich zurück führe.
Was uns in unserem Alter bleibt, ist die Gewissheit: Wir sind und wir bleiben mit dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn verbunden. Er lässt unsere Hand nicht los, wenn wir sonst alle Hände loslassen müssen. Wir dürfen auf das Ziel unseres Lebens schauen, auf die Gemeinschaft mit Christus in seinem Reich. Die kann uns niemand mehr nehmen, die bleibt in Geltung.
Wenn ich eingangs sagte, wir sind auf Verderb und Gedeih mit Christus verbunden, so bleibt nun übrig, dass wir auf Gedeihen mit ihm verbunden sind und bleiben. Das Verderben hat er weggeschafft mit seinem Tod. Wohl müssen auch wir durch das Sterben hindurch. Das bleibt uns nicht erspart. Aber eben – dabei bleibt es nicht. Gott sein Dank! Wir haben das Größte noch vor uns.

Lasst uns beten:
Herr Gott, Vater unsern Herrn Jesus Christus, du hast uns in unserer Taufe zu deinen Kindern angenommen und uns um deines Sohnes willen zum Leben in deinem Reich berufen. Dafür danken wir dir und bitten dich zugleich, lass das auch unsere Lieben erkennen, auch die, die sich von dir getrennt haben. Führe sie zurück und mit uns und Deiner ganzen Christenheit zu Dir in Dein Reich.
Herr, lass Frieden werden in der ganzen Welt, mach doch bitte dem Krieg in der Ukraine ein Ende, lass auch bitte die Gefährdung durch die Corona-Pandemie ein Ende haben. Geh Du mit uns durch die neue Woche.

Gemeinsam beten wir:
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
Es wünscht Ihnen einen gesegneten Sonntag
Prof. Dr. Karl-Hermann Kandler

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