Wochenandacht zum 15. Sonntag nach Trinitatis, 25. September 2022

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Wochenandacht zum 15. Sonntag nach Trinitatis, 25. September 2022

24.09.2022

von Prof. Dr. Karl-Hermann Kandler

Liebe Schwestern und Brüder!

Einer trage des Anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. … Lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen. (Galaterbrief 6, 2 und 10)

Was wir als Christen sind, das gilt es, in unserem täglichen Leben zu zeigen. Wir sind durch unsere Taufe Gottes Kinder geworden. Darum können wir auch als Christen leben. Er hat uns dazu seinen Heiligen Geist gegeben, die Kraft, im Alltag unseren christlichen Glauben auszuleben. Seinen Glauben nur im eigenen Zimmer zu leben, allein für sich, das geht an dem vorbei, was Gottes Gebot an uns ist: „Einer trage des Anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ Wir kennen Gottes Gebote an sein Volk, die 10 Gebote. Sie sind zusammengefasst in dem Doppelgebot der Liebe: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt … und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Gott erwartet damit nichts Außergewöhnliches, ja eigentlich nur Selbstverständliches. Er, der eben durch die Taufe unser Vater ist, meint es doch gut mit uns, seinen Kindern. Das erleben wir jeden Tag. Er sorgt für uns, er steht uns bei, wenn es im Leben schwer wird. Wir sind nie allein, immer ist er bei uns, immer können wir uns an ihn wenden. Ja, er will gebeten sein. Das kann und sollte uns doch selbstverständlich sein. Aber ebenso, dass wir diese Liebe, die wir von ihm empfangen, weitergeben. Und das bedeutet doch, auch die Lasten, die einem Anderen auferlegt sind, mitzutragen, für ihn zu beten, für ihn Zeit zu haben und ihm zu helfen.
Hier kann man keine allgemeinen Verhaltensregeln mit auf den Weg geben. Denn das sieht doch bei jedem anders aus. Da liegt ein Patient mit uns im Zimmer, der sich Sorgen macht – um seine Gesundheit, um seine Kinder und Enkel. Darüber muss er mit uns reden, seine Sorgen will er mit jemandem teilen. Wir wissen doch: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Da können wir uns Zeit nehmen, ihn anzuhören, Verständnis zu zeigen, wohl auch, ihm mit Rat und mit Anteilnahme zu Seite zu stehen. - Da arbeiten wir mit jemandem zusammen, der, anstatt sich auf seine Arbeit zu konzentrieren, immer an seine Ehe und Familie denken muss, weil da nicht alles gut geht. Die Frau ist krank. Wer macht die Hausarbeit, wer kümmert sich um die Kinder? Immer wieder muss er daran denken. Was kann ich nur tun? Was geschieht jetzt zu Hause? - Da ist eine Frau in der Nachbarschaft, deren Ehe auseinanderzubrechen droht. Die Kinder sind aus dem Haus, der Mann kommt nicht mehr regelmäßig nach Hause. Hat er eine Andere? Wie kann ich dieser Frau helfen?
Drei Beispiele aus dem Alltag. In ähnlichen Situationen ist sicher jeder von uns schon gewesen oder ist es jetzt. Da gilt es, die Sorgen mitzutragen. Vielleicht können wir sogar deutlich machen, dass die Sorgen unseres Mitmenschen unnötig sind. Jedenfalls können wir für und wohl auch mit ihm beten und seine Sorgen vor Gott bringen, sie bei ihm abladen. Denn unser Herr, unser himmlischer Vater hat uns doch versprochen, für uns da zu sein. So können auch wir für Andere da sein. Es gilt besonders für uns Christen. Wie schön wäre es, wenn in unseren Gemeinden es üblich wäre, füreinander da zu sein, füreinander einzustehen. Von der frühen Kirche haben die Leute gesagt: „Wie haben sie einander so lieb.“ Wie wäre es, wenn man das von uns heute sagen könnte. Es würde zeigen, dass das Evangelium unser Leben gestaltet – und wir würden das Gebot Christi erfüllen.

Lasst uns beten:
Himmlischer Vater!
Du lässt uns deine Kinder sein, denn wir sind ja getauft. Hilf uns, auch dementsprechend zu leben. Lass uns für Menschen da sein, die schwere Lasten zu tragen haben.
Wir bitten dich, lass deine Kirche von dieser Liebe geprägt sein und den vielen, die heute von dir nichts wissen wollen, zeigen, dass Liebe zueinander so vieles im Leben ändern kann.
Darum bitten wir Dich um den Frieden in der Welt. Mach doch dem Krieg in der Ukraine ein Ende. Lass unsere Regierung in Verantwortung vor dir die richtigen Entscheidungen treffen. Nimm von uns die Sorgen vor dem nächsten Winter.
Wir befehlen uns und unsere Lieben Dir an. Lass uns am Glauben festhalten und dich bezeugen. Steh uns bei, wenn uns Schweres belastet.
Gemeinsam beten wir:
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Es wünscht Ihnen einen gesegneten Sonntag
Prof. Dr. Karl-Hermann Kandler

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