Wochenandacht zum 12. Sonntag nach Trinitatis, 4. September 2022

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Wochenandacht zum 12. Sonntag nach Trinitatis, 4. September 2022

03.09.2022

zu Apostelgeschichte 9, 1 - 5

Bibeltext
1Saulus aber schnaubte noch mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn und ging zum Hohen-priester
2und bat ihn um Briefe nach Damaskus an die Synagogen, dass er Anhänger dieses Weges, Män-ner und Frauen, wenn er sie fände, gefesselt nach Jerusalem führe. 3Als er aber auf dem Wege war und in die Nähe von Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel;
4und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich?
5Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. 6Steh auf und geh in die Stadt; da wird man dir sagen, was du tun sollst.
Apostelgeschichte 9,1-5

Liebe Leserinnen und Leser!
„Leben ist Veränderung.“ Dieser Ausspruch wird dem griechischen Philosophen Heraklit zugeschrieben (um 520 v- 560v). Kann sich ein Mn grundlegend ändern, sich „vom Saulus zum Paulus“ entwickeln? Auf der einen Seite kann das verheißungsvoll sein: Neues entsteht, Türen öffnen sich, ein Perspektivwechsel, der gut tut. Manchmal wirken Veränderungen auch bedrohlich: Gewohntes hört auf. Will ich diesen Perspektivwechsel?
Saulus verändert sich. Er ist „in den Glauben hineingewachsen“, wie man so sagt. Nicht in den christlichen, aber in den jüdischen. Geboren wurde er in eine jüdische Familie in Tarsus/Kleinasien. Sein Vater erhielt das römische Bürgerrecht, das sein Sohn übernehmen konnte. Saulus studierte in Jerusalem bei einem jüdischen Gelehrten namens Gamaliel. Der Glaube an Gott war ihm immer wichtig, der Glaube an Jesus Christus dagegen ein Greuel. „Saulus verfolgte noch immer mit grenzenlosem Hass alle, die an den Herrn glaubten, und drohte ihnen an, sie hinrichten zu lassen.“ „Gott hat keinen Sohn!“ schimpfte er. „Das ist Gotteslästerung!“ Paulus eifert für Gott – und wird „vom hohen Ross geholt“, wortwörtlich. Das haut ihn förmlich um. Was vor Damaskus geschah, wird als Bekehrungserlebnis des Saulus bezeichnet. Er hat eine Begegnung mit dem Ewigen, kommt ins Nachdenken, verändert sich. Nun kämpft er mit der gleichen Energie für seine christliche Überzeugung. In der außerjüdischen Welt verwendet er seinen römischen Namen: Paulus. Aus dem Menschen, der ursprünglich erbarmungslos die Anhänger des christlichen Glaubens verfolgte – im Sprichwort „Saulus“ genannt –, entwickelt sich der bekannteste Missionar des christlichen Glaubens. Er erzählte von Jesus und gründete Gemeinden – im Sprichwort „Paulus“ genannt. Dennoch nahm er sich mit. Er war und blieb Jude. Er argumentierte wie ein jüdischer Gelehrter, ein Jude, der Jesus als den Retter der Welt verkündete. Seine Begegnung mit Gott vor Damaskus, sein Bekehrungserlebnis, erschuf das bekannte Sprichwort.
„Leben ist Veränderung.“ Menschen verändern sich im Laufe ihres Lebens. Vielleicht nicht von Heute auf Morgen, aber doch nach einer gewissen Zeit, vom Kind zum Erwachsenen über verschiedene Altersstufen. Menschen sammeln Erfahrungen und integrieren sie in ihr Leben. Dass ein Mensch sein oder ihr Leben um 180° dreht, ist eher selten. Und doch kommt es vor. Das kann bedrohlich werden, wenn Menschen sich „radikalisieren“, wie es manchmal bezeichnet wird. Wenn sie sich in eine Richtung entwickeln, von der Paulus herkommt, die nur ihre eigene Position für akzeptabel halten und andere Meinung gewaltsam bekämpfen. Veränderung ist verheißungsvoll, wenn Mord und Totschlag ein Ende finden, wenn sich Türen öffnen. Als Paulus sich näher mit der Sache beschäftigt, begegnete er Gott. Er fühlte sich gerufen. Darauf ändert er sein Leben. Sein Eifer richtet sich vom Verderben hin zum Frieden.
In diesen Tagen treffen sich in Karlsruhe Christen unterschiedlicher Glaubensrichtungen 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen. Auch unter Christen gibt es unterschiedliche Meinungen. Dort aber beraten sie über das Gemeinsame. Gott schenke seinen Frieden unter Christen und mit allen anderen Menschen. Leben ist Veränderung - Gott sei Dank für Menschen, die sich Gott verpflichtet wissen. Amen.

Gebet
Lasst uns beten für die Welt, wo Gott verlorenging,
lasst uns nach ihm suchen, lasst uns Geschichten erzählen
von einem neuen Himmel und einer neuen Erde.
Lasst uns beten für die Welt, wo die Liebe sich ducken muss,
lasst sie uns aufrichten,
lasst uns die Zärtlichkeit neu entdecken in den Augen derer, die uns begegnen.
Lasst uns beten für die Welt, wo das Recht vor die Hunde geht,
lasst uns einen Aufstand wagen,
lasst uns die Gnade Gottes einschreiben in die Herzen der Richter.
Lasst uns beten für die Welt, wo der Friede verwundet wird,
lasst uns verbinden,
lasst uns eine Hoffnung ausbreiten über die gesamte Schöpfung Gottes.
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen
Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist
komme über dich und bleibe bei dir,
jetzt und alle Zeit.
Amen.

Herzlich grüßt Sie
Hiltrud Anacker, Superintendentin

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