Wochenandacht zum 11. Sonntag nach Trinitatis, 28. August 2022

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Wochenandacht zum 11. Sonntag nach Trinitatis, 28. August 2022

27.08.2022

von Prof. Dr. Karl-Hermann Kandler

Liebe Schwestern und Brüder,
Der Prophet Nathan sprach zu König David: „Warum hast du denn das Wort des Herrn verachtet, dass du getan hast, was ihm missfiel?“ … Da sprach David zu Nathan: ‚Ich habe gesündigt gegen den Herrn‘. Nathan sprach zu David: ‚So hat auch der Herr deine Sünde weggenommen; du wirst nicht sterben.‘“

Liebe Schwestern und Brüder,
Viele Mächtige dieser Welt, einst Könige, heute Diktatoren, denken, sie können tun und lassen, was sie wollen. Der König David war verheiratet, hatte Frau und Kinder, aber als er eine fremde Frau sah, wie sie sich am Brunnen wusch, da sagte er sich: Die musst du haben. Nur: Sie war die Ehefrau eines anderen, die Frau eines seiner Soldaten, die gerade im Krieg standen. Das war ihm egal. Ich will sie haben.
Er schickt nach ihr, schläft mit ihr, und sie wird dadurch schwanger. Er muss das Problem aus der Welt schaffen. Er beordert den Soldaten heim und erwartet, dass er mit seiner Frau schläft. Aber das tut er nicht, weil Krieg ist. Er will keine Sonderbehandlung. Da kommt David die Idee: Der Mann muss im Krieg sterben. Er befiehlt, ihn an die vorderste Front zu stellen. Dann kommt es so, wie es kommen muss. Der Mann fällt. Darauf holt David die Frau zu sich an den Hof.
Wir kennen die Geschichte vom Ehebruch Davids mit Bathseba, der Frau des Uria. Als der König die Todesnachricht erhält, denkt er wohl: Die Sache hat sich erledigt. Als König kann er ja machen, was er will. Aber nein, die Sache ist nicht erledigt. Für Gott ist sie nicht erledigt. Er hat David zum König gemacht und ihn vor allen anderen ausgezeichnet. Statt dass David damit Gott gehorsam ist, ist er ein Sünder und missachtet Gottes Gebot: „Du sollst nicht ehebrechen.“ Von Gottes Gesandten, dem Propheten David, muss er sich einen Mörder und Ehebrecher nennen lassen und sich dem Urteil Gottes stellen. Als David seine Schuld bekennt, erhält er Vergebung. Die Todesstrafe wird an ihm nicht vollzogen, doch an dem Kind, das Bathseba durch den Ehebruch unter ihrem Herzen trägt.
Mit Gottes Geboten ist nicht zu spaßen. Niemand, auch kein noch so Mächtiger, kann sich seinem Urteil entziehen. Aber viele begreifen das nicht. Sie glauben
nicht an Gott, sie stellen sich nicht seinem Urteil, sie halten sich als über allen Gesetzen stehend. Mir kann niemand was anhaben!
Wie viele Mächtige dieser Welt haben sich geirrt und sind von ihrem Thron gestürzt worden. Ich denk an Hitler, an den lybischen Diktator Gadaffi, an Honecker und an viele andere.
Was aber geht uns das an? Wir sind keine Mächtigen. Aber auch wir sind vor Gott Sünder. Wir haben seine Gebote oft nicht gehalten. Haben wir Gott über alles und alle gestellt, haben wir den Feiertag geheiligt, unsere Eltern geachtet und ihnen gehorcht? Haben wir unserem Nächsten in seinen Nöten beigestanden, die Ehe in Ehren gehalten, nicht gelogen, nicht unsere Mitmenschen beneidet? Haben wir unsere Schuld eingesehen, benannt und um Vergebung gebeten? Ich bin über-zeugt, da käme so manches ans Licht, was wir wie David lieber im Verborgenen ließen. Wir haben es nicht verdient, dass uns unsere Schuld vergeben wird. Aber wo wir bereuen, was wir Unrechtes getan haben, und um Vergebung bitten, wird sie uns Gott nicht verweigern. Gott kann wohl strafen, aber seine Liebe zu uns ist größer als unsere Schuld. Gott lässt aber nicht alle Fünfe gerade sein. Er sieht nicht durch die Finger. Gott rettet wohl den Sünder, aber zugleich verurteilt er die Sünde. Er setzte sein Herrenrecht durch – sowohl gegen die Mächtigen dieser Welt als auch gegen dich und mich. Um seine Gerechtigkeit durchzusetzen gegen unsere Schuld, lässt er seinen eigenen Sohn am Karfreitag am Kreuz sterben und bezahlt so selbst unsere Schulden. Dass das gilt, zeigt der Ostermorgen. Gott sei Dank!

Lasst uns beten:
Herr Gott, Vater unsern Herrn Jesus Christus, wir bekennen, dass wir gesündigt haben, dass vieles in unserem Leben nicht so war, wie du es uns geboten hast. Wir können nur dich bitten, uns unsere Schuld zu vergeben um deines Sohnes willen. Führe uns an deiner Hand auch weiterhin und lass uns unser Vertrauen ganz auf dich setzen.
Wir bitten dich um den Frieden in der ganzen Welt, mach doch bitte dem Krieg in der Ukraine ein Ende, lass auch bitte die Gefährdung durch die Corona-Pandemie ein Ende haben. Geh Du mit uns durch die neue Woche.

Gemeinsam beten wir:
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Es wünscht Ihnen einen gesegneten Sonntag Prof. Dr. Karl-Hermann Kandler

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