Predigt zum Sonntag Trinitatis zur Jubelkonfirmation, 30. Mai 2021

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Predigt zum Sonntag Trinitatis zur Jubelkonfirmation, 30. Mai 2021

30.05.2021

zu Johannes 3, 1 - 8; gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer

Liebe Gemeinde, 
am heutigen Tag erinnern wir uns unserer Konfirmation. Mit vierzehn Jahren sind wir vor einen Altar getreten und haben uns zu unserer Taufe als Kinder bekannt. Danach haben wir Gottes Segen für unser Leben als erwachsene Christen zugesprochen bekommen. Ob das nun hier in unserem Dom / unserer Kleinwaltersdorfer Kirche war oder an einem anderen Ort. Bei Ihnen, liebe Jubelkonfirmanden, ist das nun ein Viertel- oder ein halbes Jahrhundert her oder gar noch länger bis hin zu denen, die heute (hier) ihr 70. Konfirmationsjubiläum begehen.
Je nach Jahrgang haben wir die Konfirmation unter sehr unterschiedlichen Umständen gefeiert. Bei den Ältesten war das noch die entbehrungsreiche Nachkriegszeit. Bei den Diamantenen Konfirmanden war wieder einigermaßen Normalität eingekehrt, aber die bis dahin übliche Konfirmation war durch den Staat schon massiv in Frage gestellt worden. Die Goldenen Konfirmanden haben ihre Einsegnung vermutlich schon nach der Jugendweihe begangen, weil es ohne die in der DDR kaum möglich war, beruflich voranzukommen. Bei den Silbernen Konfirmanden war dann schon die Nachwendezeit, aber die Konfirmation hatte durch die Wende kaum mehr Zulauf als zuvor und war zu etwas ganz Außergewöhnlichem geworden. Uns verbindet aber über die Unterschiede der Zeiten hinweg die Erinnerung an unsere Konfirmation, an das Bekenntnis zu unserer Taufe.
Woran wir uns aber in der Regel leider nicht erinnern können, ist unsere Taufe selbst. Dabei ist sie es ja, die unser Verhältnis zu Gott begründet. Es ist unsere Taufe, die wir mit unserer Konfirmation bestätigt und uns zu eigen gemacht haben. Eigentlich sollten wir darum besser das Jubiläum der Taufe feiern. Aber wie soll man etwas feiern, was man bewusst gar nicht erlebt hat? Denn in der Regel haben uns ja unsere Eltern zur Taufe gebracht. Ein kleines, hilfloses Wesen waren wir und lagen auf dem Arm unserer Mutter, unseres Vaters oder einer Patin. Der Pfarrer hat Wasser über unseren Kopf gegossen und gesagt: „Ich taufe Dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Kleine Kinder, wie wir es waren, konnten wir nichts dazu tun, dass wir getauft wurden. Unsere Eltern haben für uns das Glaubensbekenntnis gesprochen – und unsere Paten. Erst mit der Konfirmation konnten wir es aus eigener Verantwortung selbst tun.
Die Taufe eines Säuglings oder Kleinkindes macht sehr schön deutlich: Gott hat uns ohne irgendeine Vorleistung als sein Kind angenommen. Wir brauchten nichts dazu zu tun und wir konnten auch nichts dazu tun. Christus hat uns mit seiner Gnade und seinem Geist beschenkt.
Allerdings macht es uns die Taufe als Säugling oder Kleinkind schwer, zu verstehen, worum es in dem Gespräch zwischen Jesus und Nikodemus eigentlich geht. Jesus spricht von einer Neugeburt durch Gottes Geist und zugleich durch das Wasser: Mit dem Glauben und der Taufe fängt ein neues Leben an. Nikodemus ist verwirrt: Es kann doch niemand zum zweiten Mal geboren werden. So wörtlich ist das natürlich auch nicht zu verstehen. Aber dennoch beginnt ein ganz neues Leben, wenn ein Mensch vom Geist Gottes berührt wird, auf Gott vertraut und an ihn glaubt und sich schließlich taufen lässt.
Bei uns war es umgekehrt, wenn wir als kleine oder sogar sehr kleine Kinder getauft worden sind. Wir sind erst getauft worden. Dann sind wir hoffentlich in den Glauben hineingewachsen. Gottes Geist hat uns berührt – durch eine Großmutter, die mit uns gebetet oder biblische Geschichten erzählt hat oder durch das Vorbild der Eltern oder durch die Kirchgemeinde und deren Aktivitäten. Aber das ist in der Regel für uns kein Erleben von etwas Neuem gewesen. Es war nicht, wie bei der Begegnung von zwei Menschen, die sich ineinander verlieben. Da wissen die meisten noch nach Jahren, wie es war, als sie sich begegnet sind und als sie sich verliebt haben. Denn das war eine Begegnung, die das ganze Leben verändert hat. Das ist im Glauben bei uns eher selten. Es gibt zwar auch Christen, die etwas in der Art von sich sagen können. Getauft und konfirmiert haben sie den Glauben in einer vertieften Form noch einmal neu für sich entdeckt. Aber die meisten von uns sind in das Vertrauen auf Jesus Christus und damit auch in ihre Taufe innerlich hineingewachsen, wie sie auch in das Leben hineingewachsen sind. Da gab es nicht diese Erfahrung, dass etwas ganz neu geworden ist.
Das ist auch nicht schlimm. Getauft als Kinder und hineingewachsen in den Glauben mag uns allen die Erfahrung des Neuwerdens zwar ein wenig fehlen. Aber wir können uns ja die Erfahrungen anderer sozusagen ausleihen. Es gibt ja auch in unserer Kirche Menschen, die sind eben nicht als Kinder getauft worden. Sie haben sich selbst dafür entschieden und sind als Erwachsene getauft worden. Ich denke da an einen Mann, von dem mir noch zu DDR-Zeiten erzählt worden ist. Er war Alkoholiker und verbrachte seine Abende an der Theke seiner Stammkneipe in einer sächsischen Stadt. Dann begegnete ihm dort ein Mitarbeiter der Kirche. Sie lernten sich kennen. Der Alkoholiker hörte etwas von Jesus Christus; von der unbedingten Anerkennung, die er jedem schenkt – auch einem alkoholkranken Menschen. Das veränderte diesen Mann. Er konnte sich von seiner Sucht befreien. Denn er spürte, wie Gottes Geist ihn berührt hatte. So ließ er sich taufen, konnte später ein ganz normales Leben führen, gründete eine Familie. Die Begegnung mit Christus, die innerliche Berührung durch seinen Geist, und dann die Taufe mit Wasser hatten sein Leben von Grund auf verändert. Für ihn war es tatsächlich wie eine Neugeburt. – Auch in unserer Kirchgemeinde am Dom sind Menschen aktiv, die überhaupt nicht aus kirchlichen Familien stammen. Sie haben beispielsweise erst durch einen Freund den christlichen Glauben kennengelernt und ließen sich als Erwachsene taufen. Das hat auch auf ihr Leben verändernde Auswirkungen gehabt – bis dahin, dass sie nun im Kirchenvorstand aktiv sind und sich auch in anderen Bereichen der Gemeinde ehrenamtlich engagieren. Auch an ihnen wird deutlich, dass es diese Neugeburt aus Wasser und Geist wirklich gibt. Sie hat ihnen einen Zugang zu dem lebendigen Gott ermöglicht und ihr Leben verändert. Sie haben es auf eine ganz andere Weise erlebt, dass sich das Leben erneuert, weil uns durch die Begegnung mit Jesus Christus der Himmel offen steht.
Ein Mensch ist von Neuem geboren worden, der durch seine Taufe und seinen Glauben zu Jesus Christus gehört. Das wird aber auch an Christen spürbar, die schon als Kinder getauft worden sind. Ich haben im Laufe meines Lebens an verschiedenen Orten zwei Menschen kennengelernt, die in der Wirtschaft verantwortungsvolle Positionen innehatten. Aber es kam der Punkt, an dem sie ihre Arbeit dort nicht mehr mit ihrem Gewissen vereinbaren konnten. Die oft unfairen Methoden bis hin zu halb legalen Machenschaften in ihren Betrieben konnten sie einfach nicht mehr mittragen. So sind sie ausgestiegen, haben ihre Berufe aufgegeben, haben etwas Neues angefangen. Gott hat sie einen anderen Weg finden lassen. Auch an solchen wie ihnen wird deutlich, dass die Begegnung mit Jesus Christus, die Taufe aus Geist und Wasser, das Leben verändert. Als Christen leben wir aus der Gewissheit, Kinder Gottes zu sein. Zugleich leben wir in Verantwortung vor Gott und den Menschen. Das unterscheidet uns von denen, die nicht glauben können und nicht getauft sind – auch wenn wir es in unserem Leben nie anders erlebt haben und es insofern für uns nichts spürbar Neues ist. Das hat dann eben auch Auswirkungen auf das ganze Leben. Wir wären andere Menschen, wenn wir nicht an Jesus Christus glaubten. Unser Leben wäre anders, wenn wir nicht durch die Taufe Kinder Gottes geworden wären.
Die Konfirmation war vor 25, 40, 50, 60, 65 oder 70 Jahren der Anlass öffentlich Ja zu sagen zu diesem Neuwerden durch die Taufe im Glauben. Sie, liebe Jubelkonfirmanden haben sich dazu bekannt, „von Neuem geborene“ Kinder Gottes zu sein und bleiben zu wollen. Dieses Ja zu bekräftigen und Sie dazu einzusegnen, dazu sind wir heute hier.
Amen.

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