Predigt zum 5. Sonntag nach Trinitatis zur Konfirmation, 4. Juli 2021

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Predigt zum 5. Sonntag nach Trinitatis zur Konfirmation, 4. Juli 2021

04.07.2021

zu 1. Korinther 1, 18 - 25; gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer

Liebe Gemeinde, liebe Eltern und Paten, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,
in der 62. Minute des letzten Spiels der Gruppe F kann Leroy Sané den ungarischen Stürmer vor dem 16er nur noch durch ein Handspiel vom Ball trennen. „Spinnt der denn?“, denke ich spontan. Der Schiedsrichter gibt ihm folgerichtig die gelbe Karte. Erst danach wird mir klar, warum er so gespielt hat. Hätte er die gelbe Karte nicht auf sich genommen, wäre vermutlich das 0:2 gefallen und Deutschland wäre schon zu diesem Zeitpunkt ausgeschieden. Eine gelbe Karte in einem Turnier kann bedeuten, dass man in der nächsten Runde nicht dabeisein darf. Aber das hat dieser Spieler auf sich genommen, um seiner Mannschaft den Verbleib im Turnier zu retten.
Warum erinnere ich an diese Szene, liebe Konfirmanden? Weil Jesus es ganz ähnlich gemacht hat, wenn auch mit sehr viel weiterreichenden Folgen.
Jesus ist zunächst einmal sogar für zwei Regelverstöße bestraft worden. Die eine ist die Regel, dass man sich in dieser Welt nicht mit den Mächtigen anlegen sollte. Die andere ist die Regel, dass man nichts machen darf, was von den Meinungsführern oder der Mehrheit der Menschen als anstößig empfunden wird. Jesus hat gegen beide Regeln verstoßen: Er hat den Menschen gesagt, dass in dieser Welt trotz allem Gott das Sagen hat, auch wenn es anders zu sein scheint. Damit hat er sich mit der Besatzungsmacht angelegt. Jesus hat zum anderen für einen Skandal gesorgt, weil er es für sich in Anspruch nahm, an der Stelle Gottes zu handeln. Dafür ist er bestraft worden. Allerdings haben sie ihm nicht die Gelbe Karte gezeigt, sondern gleich die ganz dunkelrote. Er wurde nicht des Platzes verwiesen, sondern des Lebens. Er musste sterben.
„Spinnt der denn?“ Was ich spontan bei dem Handspiel Sanés dachte, könnte man auch bei Jesus fragen. Musste er denn so handeln? Wie konnten die Jünger und die Frauen um ihn herum behaupten, er sei der Messias Gottes? fragten sich viele Juden. „Verflucht ist, der am Holze hängt“, heißt es doch in der Bibel. Und für die Griechen, also für die Menschen außerhalb des Judentums, war die Botschaft von dem Gekreuzigten schlicht unsinnig. Wie kann es denn sein, dass ein Gott Mensch wird und dann auf eine so elende Weise stirbt? Dass die Sache mit Jesus unsinnig ist, finden ebenso ja auch die meisten Menschen heute bei uns. Ihr wisst ja selbst, wie viele von Euren Mitschülern etwas mit der Kirche anfangen können. Aber der Apostel Paulus sagt dazu im 1. Korintherbrief Kapitel 1: „Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren gehen, uns aber, die wir selig werden, ist es Gottes Kraft.“
Im Kreuzestod Jesu sehen wir Gottes Kraft. Jesus hat absichtlich die dunkelrote Karte auf sich genommen, um für seine Mannschaft das Spiel zu retten. Ohne ihn müssten wir verlieren: gegen unsere menschlichen Schwächen, unser Versagen, unser Neigung zu Konflikten, unsere Lust am Streit oder die Faszination der Gewalt. Ohne Jesu Kreuzestod müssten wir verlieren – vor allem gegen den Tod. Darum hat Jesus die Schmerzen am Kreuz auf sich genommen: damit wir leben können. Er hat sich die dunkelrote Karte zeigen lassen, damit wir sozusagen ins Endspiel kommen. Er hat den Tod auf sich genommen, um unseren Tod zu Ostern zu überwinden. So hat er uns eine Zukunft mit Gott über diese Zeit hinaus geschenkt.
Zu diesem Jesus Christus bekennt Ihr Euch heute. Ihr sagt gleichsam: „Wir wollen in seiner Mannschaft spielen. Er soll unser Trainer sein und zugleich unser Kapitän.“ In der Sprache der Kirche würden wir sagen: „Wir wollen ihm vertrauen. Wir wollen ihm nachfolgen; wir wollen unser Leben von ihm prägen lassen. Wir wollen seine Liebe weitergeben und auf ein Leben mit ihm im Himmelreich hoffen.“ Das ist eine gute Entscheidung. Denn mit Jesus als Trainer und Kapitän wird es in eurem Leben auch das eine oder andere Gegentor geben, aber den Pokal wird Euch niemand nehmen können.
Amen.

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