Predigt zum 3. Sonntag in der Passionszeit (Okuli), 3. März 2024

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Predigt zum 3. Sonntag in der Passionszeit (Okuli), 3. März 2024

03.03.2024

zu 1. Petrus 1, 18 - 21; gehalten von Dompfarrer Dr. Gunnar Wiegand

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen. Stille…

Liebe Gemeinde,

Macht euch keine Sorgen um den kommenden Tag… das will ich Ihnen heute mitgeben, darum soll es gehen. Macht euch keine Sorgen um den kommenden Tag!

In dieser Woche sind wieder ein paar Jugendliche zu mir gekommen. Einer sollte einen kleinen biblischen Impuls setzen. Leider ist er ausgefallen. Spontan hat eine andere Jugendliche zu ihrer Bibel gegriffen. Sie hat uns diesen Vers von Jesus aus der Rede auf dem Berg vorgelesen. Und dann hat sie in wenigen Sätzen erläutert, warum sie ihn so wichtig findet… „Dieser Satz schenkt mir eine kleine Auszeit… bei all dem Stress und den Aufgaben, die ich jeden Tag habe…“ Das hat mich tief berührt. Zum einen, weil mir deutlich wurde, wie wichtig es ist, Auszeiten zu haben aus dem gewohnten Trott, Gemeinschaft haben, miteinander essen, reden, spielen… Zeit miteinander verbringen… ja und auf Gottes Wort hören und zu wissen: wir sind nicht nur auf uns gestellt, wir sind in seiner Hand. Zum anderen hat mir dieser Impuls offenbart, wie schon die Zeit der Generation u20 von Stress durchzogen sein kann.

Mein Alltag ist jedenfalls von Früh bis Spät durchgetaktet, oft auch stressig… die Jugendliche hat auch meine Situation unbewusst ganz treffend angesprochen. Und dann dachte ich: wie gut, dass es diese Jugendlichen bei uns in der Gemeinde gibt. Wie gut, dass es Gemeindekreise gibt, in denen wir durch das biblische Wort aus unserem Alltagstrott aus unsrem Alltagsstress herausgerissen werden und durch die Gemeinschaft inspiriert werden.

Wie ist das in Ihrem Leben? Wo erfahren Sie Stress? Wo plagen Sie Pflichten? Welche sind Ihre Auszeiten? Wo können Sie ihre Sorgen hinter sich lassen? Und dabei aber ganz da sein? Also nicht im Rausch oder den Scheinwelten von Bildschirmen und Internet erlegen?

So wie es der Jugendlichen (eigentlich allen anwesenden Jugendlichen) geht, so wie es mir geht, so wie es vermutlich allen geht, ging es auch schon den Menschen vor 2000 Jahren. Auch sie waren geplagt vom Alltag ihrer Zeit. Auch sie waren geplagt von den Abgründen ihrer Zeit. In Kleinasien, der heutigen Türkei, waren Christinnen und Christen den Verfolgungen durch die Römer ausgesetzt. Viele Meschen waren aber auch Sklaven, der Willkür ihrer Herrschaften ausgeliefert. Petrus wollte diesen Leuten durch einen Brief die Sorgen nehmen… durch den Hinweis auf Jesus… so wie Jesu Satz aus der Rede auf dem Berg die Jugendliche für kurze Zeit frei gemacht hat:

Predigttext: 1. Petrus 1, 18 - 21

Der Herr segne sein Wort an uns. Amen.

Liebe Gemeinde,

wie müssen sich diese Leute gefühlt haben, die Petrus Brief zum ersten mal lasen: bestätigt darin, dass ihnen Christus wirklich eine ganz neue Lebensperspektive geschaffen hatte? War da vielleicht eher Befremden über den Vergleich des Jesus mit einem Lamm? Oder fühlten sie sich zugedröhnt von diesen etwas bekenntnishaften Floskeln. So überhaupt nichts von dem Petrus, der Jesus ja von den ersten Tagen an persönlich gekannt haben müsste? Oder fühlten sie sich eher enttäuscht: dieses Bekenntnis zu Christus, ja der Tod hat ja am Lebensstress, an der Liebenssituation erst einmal gar nichts geändert.

Und dann spüre ich aber Petrus hier schon ab, dass er den Menschen irgendwie die Sorgen nehmen möchte, sie befreien, „loskaufen“.

Wie geht es Ihnen mit Ihrer Alltagssituation, wenn sie diese Worte hören? Wo können Sie anknüpfen? Können Sie überhaupt gedanklich anknüpfen? Oder fühlen sich vielleicht sogar eher abgestoßen?

Ich denke darüber nach: was macht mir eigentlich Sorgen, was bereitet mir eigentlich Stress? Klar: in meiner Arbeit als Pfarrer, als Pfarramtsleiter, rotiere den ganzen Tag, habe ich sehr viel zu tun, sitze oft bis ganz spät an Aufgaben… natürlich auch Stress. Aber das ist ein Stress, der mir irgendwie auch Spaß macht. Dafür brenne ich ja im ganz positiven Sinn… Aber was macht wirklich Stress oder Sorge: ich komme im Gedanken dann doch immer wieder auf unsere gesellschaftliche Situation, auf die Umstände, die ich nicht abstellen oder ändern kann.

Bisher war der Krieg in der Ukraine doch gefühlt weit weg – sieht man von den geflüchteten Menschen ab, die auch bei uns gelandet sind. Aber gefühlt rückt das irgendwie immer näher: Erst gestern die Nachricht über die Spionage Russlands bei unserem Militär und die damit sofortige Unterstellung auf russischer Seite: Deutschland wolle angeblich Krieg und Russland angreifen… klar Macht-Rhethorik gehört wohl zum politischen Geschäft, gerade in angespannten Zeiten. Aber Angst macht es mir trotzdem. Huthi-Rebellen beschießen eine deutsche Fregatte. Der Angriff wird abgewehrt. Die Sorge um die Soldaten bleibt trotzdem. Oder vor einiger Zeit: ein amerikanischer Politiker droht damit, dass die USA einige Länder im Verteidigungsfall nicht mehr unterstützen will. Auch das macht Angst. Die hohen Preise in Folge der angespannten Energiesituation durch den Krieg im Osten. Firmen drohen mit Schließung oder schießen tatsächlich, wie Meyer Burger hier bei uns. Da ist die Frage für viele Angestellte: wie geht es weiter? Angst, Enttäuschung und Wut.. nach so kurzer Zeit des Neuanfangs.

Die größte Sorge aber wohl: die Jugendlichen unserer Gemeinde, meine ehemaligen Schülerinnen und Schüler in Pirna, ich habe meine eigenen Kinder vor den Augen… die Debatte um die Wiedereinführung des Wehrdiensts… um dann irgendwann vielleicht in einen echten Krieg hineingezogen zu werden.

Macht euch keine Sorgen um den kommenden Tag… sagt Jesus. Macht euch keine Sorgen um den kommenden Tag… das hat dieser Jugendlichen für kurze Zeit den Druck genommen. Jesus hat sie sozusagen herausgerissen aus den alltäglichen Ängsten und Sorgen.

Egal wie das Petrus-Wort bei Ihnen ankommt: ich bin überzeugt, dass Petrus genau diese Sorgen nehmen will. Gott selbst hat durch Jesus Christus die Sorgen unseres Lebens selber gespürt. Ihm ging es wie uns. Jesus hatte Angst, Todesangst und hat am Ende den Tod selber erlitten – wie ein unschuldiges Opferlamm, sagt Petrus.

Ich weiß nicht, ob das für Sie tröstlich ist. Die Worte des Petrus, ja selbst der Glaube an Jesus kann diese geplagte Wirklichkeit nicht ungeschehen machen.

- Die Christinnen und Christen zur Zeit des Petrus wurden weiterhin verfolgt, blieben weiterhin Sklaven ihrer Herrinnen und Herren.

- Der Krieg im Osten geht weiter.

- Die Kriegsparteien spionieren weiter zu ihrem eigenen Vorteil.

- Meyer Burger geht seinen Weg konsequent weiter an andere Standorte – mit allen Folgen.

- Die Mathe-Klausuren der Schüler kommen trotzdem.

- Meine Alltagsaufgaben, die mich bis in die Nacht an den Schreibtisch binden ebenso.

Aber Jesus ist trotzdem nicht todzukriegen, bis heute… er ist auferstanden… an einem JG-Abend kommt da diese Jugendliche und liest diesen kurzen Vers von Jesus Macht euch keine Sorgen um den kommenden Tag… er reißt sie heraus aus den Ängsten und Sorgen und steckt die ganze Gruppe damit an. Es gibt da noch etwas anderes als dieses geplagte Leben. Es gibt da noch etwas anderes als die Ängste und Sorgen.

Ihr könnt nun euren Glauben und eure Hoffnung auf Gott richten – endet Petrus und so ende auch ich.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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