Predigt am Heiligen Abend 2019

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Predigt am Heiligen Abend 2019

24.12.2019

zu Hesekiel 37, 24 - 28; gehalten von Pfarrer Urs Ebenauer in der Kirche Kleinwaltersdorf

Liebe Gemeinde,
ein Lehrer fragte seine Schüler einmal in einer Grundschule, warum wir denn Weihnachten feiern. Die Antwort, die er erwartete, ist klar. Ein Kind aber antwortete zum Erstaunen des Lehrers: „Weil die Oma kommt. „
Ich habe diese Antwort lange Zeit belächelt. Ich dachte, der kleine Junge wollte sagen: „Die Oma kommt und weil sie da ist, darum feiern wir Weihnachten“. Was er sagen wollte, war aber – so verstehe ich es inzwischen – etwas ganz anderes. Was er sagen wollte war: Wenn die Oma kommt, wird es bei uns Weihnachten. Er hätte sonst ja auch sagen können: Weil die Mama Würstchen gekauft und Kartoffelsalat gemacht hat. Oder: Weil Papa Geschenke besorgt hat. Nein, auf die Oma kommt es an! Wenn sie kommt, dann ist das Gefühl von Weihnachten da für dieses Kind. Dann ist sie da, mit ihrer Liebe und Herzenswärme. Dann kann man sich zu ihr auf den Schoß setzen und sie liest einem im Schein einer Kerze Geschichten von Weihnachten vor. Sie setzt sich zu einem auf den Fußboden, wenn die Knie es denn noch hergeben, und schiebt die Brio-Bahn über die Holzschienen. Wenn sie da ist, dann ist man geborgen in ihrer Gegenwart. Dann kann man froh sein. Wenn die Oma da ist, dann ist das Gefühl von Weihnachten da.
Der Prophet Hesekiel deutet uns Weihnachten auf eine ganz ähnliche Weise. Er schreibt: „Ich will mit ihnen einen Bund des Friedens schließen, der soll ein ewiger Bund mit ihnen sein. Meine Wohnung soll unter ihnen sein, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.“ Weihnachten ist es, weil Gott Wohnung in unserer Welt nimmt. Weihnachten ist es, weil uns der unendliche und unsichtbare Gott in einem endlichen und sichtbaren Menschen begegnet. In dem kleinen Menschenkind Jesus kommt Gott zu uns und darum wird es Weihnachten.
Wir haben es eben in der Weihnachtsgeschichte nach Lukas gehört und werden es gleich wieder im Krippenspiel sehen: Es waren Hirten, denen dieses Licht als Erstes aufging. Erst waren sie erschrocken. Sie hörten, dass Gott seinen Heiland, seinen Christus zur Welt hat kommen lassen. Ausgerechnet sie, die verarmten und an den Rand gedrängten Hirten sollten diejenigen sein, denen Gott so etwas mitteilen lässt? Aber dann machten sie sich auf zu dem Stall. So berichtet es uns der Evangelist Lukas. Er versucht uns auf diese Weise zu deuten, was zu Weihnachten geschehen ist. Die Hirten sehen das Kind in der Krippe. Anders als viele Menschen unserer Zeit erkennen sie, dass dieses Kind mehr ist als ein Neugeborenes. In diesem Kind ist Gott mit seiner Menschenliebe und der Wärme seiner Zuneigung zu uns zur Welt gekommen. In der Gegenwart des Kindes fühlten sich diese grobschlächtigen Männer geborgen wie in ihrer Kindheit. Ihnen ging es wie dem kleinen Jungen mit seiner Oma. Sie fühlten sich umhüllt von der Liebe Gottes, wie der kleine Junge auf dem Schoß der Oma in den Weihnachtstagen. Ein ganz tiefer Friede umfasste sie. „Ich will mit ihnen einen Bund des Friedens schließen“, kündigt der Prophet an. Dieser Friede erfüllte die Hirten in der Tiefe ihres Herzens. Darum konnten sie nicht anders als Gott zu loben. Sie spürten: Gott hat Wohnung unter uns genommen. Alles wird gut werden. Tief in uns spüren wir es schon jetzt.
Was Lukas uns da erzählt, ist eine wunderschöne Geschichte. Aber sie ist mehr als eine Geschichte. Sie trägt eine ganz tiefe Wahrheit in sich. Denn der Sohn der Maria blieb ja nicht ein Kind. Er wurde erwachsen. Er spürte die Kraft des himmlischen Vaters in sich. Er ging los und predigte von dem Himmelreich, von der Herrschaft der Liebe Gottes. Menschen wurden in der Begegnung mit Jesus heil an Leib und Seele. Mutlose lernten wieder neu, ihren Weg zu gehen und nach vorn zu blicken. Menschen, die wie gelähmt waren von Sorgen, Nöten, Schuld wurden gesund. Die Menschen, die Jesus begegneten, spürten etwas ganz Besonderes an ihm. Auch ihnen ging es wie dem kleinen Jungen, wenn die Oma zu Weihnachten kommt. In der Gegenwart Jesu spürten sie die Menschenliebe Gottes und die machte sie in ihrem Herzen froh. Sie fühlten ganz tief in sich einen Frieden, wie sie ihn noch nie erlebt hatten. Erst nach Jesu Auferstehung von den Toten wurde es ihnen zur endgültigen Gewissheit. Da konnten sie es in Worte fassen. Aber tief in sich ahnten sie schon vorher in der Begegnung mit Jesus, dass in diesem Menschen Gott in diese Welt gekommen war. In dem Menschen Jesus von Nazareth, dem Sohn der Maria, hatte Gott Wohnung in dieser Welt genommen. Das gab ihnen den Frieden, nach dem wir alle uns so sehr sehnen. Gerade zu Weihnachten.
Gehen wir noch einmal zurück zu dem kleinen Jungen und seiner Oma. Ihre Herzenswärme kommt auch aus ihrem Glauben an den, der im Stall von Bethlehem ein Kind war. Wenn es Zeit wird schlafen zu gehen, dann heißt es immer: „Oma soll mich ins Bett bringen.“ Denn die Oma setzt sich dann immer zu ihm, faltet die Hände und spricht ein Gebet:
Was schön war heute, kam von Dir.
Was unrecht war, vergib es mir.
Lass mich bei dir geborgen sein.
In deinem Frieden schlaf ich ein.
Wenn die Oma dieses Gebet mit ihm betet, dann ist der kleine Junge auch geborgen in der Liebe Gottes. Er ahnt etwas in seinem Kinderherzen von dem Frieden, den Jesus Christus uns schenkt. Es ist ihm, als sei nicht nur die Oma zu Besuch. Auch Gottes Sohn hat Wohnung bei ihm genommen. Und so kann er ohne die Ängste, die ihn manchmal in der Dunkelheit bedrücken, ganz in Frieden einschlafen.
„Meine Wohnung soll unter ihnen sein“, kündigt der Prophet im Namen Gottes die Geburt Jesu Christi an. „Und ich will mit ihnen einen Bund des Friedens schließen.“
Amen.

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