Predigt am 3. Advent, 15. Dezember 2019

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Predigt am 3. Advent, 15. Dezember 2019

15.12.2019

zu Lukas 3, 1 - 20; gehalten von Pfarrer Urs Ebenauer in der Kirche Kleinwaltersdorf

Liebe Gemeinde,
wenn Besuch kommt, dann fängt in manchen Häusern und Wohnungen eine große Betriebsamkeit an. Dann wird die Wohnung geputzt. Es wird eingekauft, gekocht, gebraten, gebacken. Die neue Tischdecke wird aufgelegt. Kerzen werden angezündet. Bleiben die Gäste über Nacht, wird das Gästebett vorbereitet. Wenn sich Besuch angekündigt hat, dann tun wir vieles, vielleicht sogar alles, um alles wunderbar herzurichten und vorzubereiten.
Bereitet dem Herrn den Weg, ist der Leitspruch für den Dritten Advent. Der Herr kommt: Jesus Christus. Er ist sozusagen in unsere Welt zu Besuch gekommen in dem Kind in der Krippe. Er wird kommen als der Heiland und Erlöser. In der Zwischenzeit will er in unseren Herzen ankommen. Das ist im Grunde auch so etwas wie ein Besuch. Auch da gilt es Vorbereitungen zu treffen. Diese Vorbereitungen sind natürlich anderer Art als die bei einem Verwandten- oder Freundesbesuch. Wenn Christus zu uns kommen will, dann gilt es, uns innerlich für den Advent Jesu Christi zu öffnen, ihn in unserem Herzen ankommen zu lassen, ihm den Weg in unser Herz zu bereiten. Nicht nur in der Adventszeit, aber jetzt vielleicht besonders.
Wie kann das geschehen?
Eine Stunde wie diese ist dazu gut geeignet. Wir nehmen uns Zeit von unserem Alltag und von all den Vorbereitungen und dem Trubel der Vorweihnachtszeit. Wir werden still, hören auf das Wort der Schrift, loben Gott mit unseren Liedern und Gebeten. So bereiten wir ihm innerlich den Weg hinein in unser Herz. Zu Hause beim Schein der Kerzen des Adventskranzes zu sitzen, still zu werden und in der Stille zu hören, was Gott uns sagen will, auch das ist eine solche Wegbereitung.
Aber Christus will nicht nur in unseren Herzen ankommen. Was im Stall von Bethlehem begonnen hat, soll sich vollenden. Sein Licht wird alle Dunkelheiten unseres Lebens und dieser Welt hell machen. Auch auf diese erneute Begegnung Christi mit unserer Welt bezieht sich der Leitspruch des 3. Advents. Auch diesem Kommen soll der Weg bereitet werden.
Wie kann das geschehen?
Der Evangelist Lukas erzählt uns von Johannes, dem Täufer. Er war ein solcher Wegbereiter. Er lebte in der Gewissheit, dass der verheißene Messias kommen würde. Er war innerlich offen für sein Kommen. Er sah sich selbst als den Vorläufer des kommenden Messias. Er wurde so zum Wegbereiter Jesu. Denn er rief die Menschen dazu, sich für das Himmelreich innerlich zu öffnen und das Leben zu ändern. Er ging hin in das Jordantal. Er rief mit drastischen Worten zur Umkehr. Als Zeichen der Hinwendung auf die nahende Herrschaft Gottes taufte der die, die zu ihm kamen, im Jordan.
Wir hören, dass sie ihn fragten: Was sollen wir tun? Seine Antworten sind ausgesprochen einfach und ausgesprochen schwierig zugleich:
-         Hemd und Speise sollen die teilen, die etwas haben, mit denen, die nichts haben. Nichts einfacher als das, könnte man denken. Aber wenn man zwei Gewänder hat, dann kann man eines waschen, während man das andere anhat. Sich davon zu trennen, ist ein Opfer. Selbst wenn man bedenkt, dass dann einer ein Hemd hat, der vorher nur in Fetzen herumlief. – Und wir heute? Geben wir bei Spendenaktionen so viel, dass wir es merken?
-         Im Beruf rechtschaffen zu sein, fordert er die Zöllner auf. Sie missbrauchten ihre Position, um den Menschen deutlich mehr abzuverlangen, als es eigentlich geboten gewesen wäre. Aber machen das nicht alle so? Kann ich auf den Wohlstand, den ich gewöhnt bin, wirklich verzichten, nur um mich auf den kommenden Messias vorzubereiten? – Und wir heute? Der ehrbare Kaufmann, der mit seinen Geschäftspartnern, Lieferanten und Kunden fair umgeht, scheint ausgestorben zu sein. Und interessiert es uns ganz persönlich, ob die Dinge, die wir kaufen, so hergestellt worden sind, dass auch die Arbeiter in den Fabriken einen fairen Lohn bekommen haben – die Textilarbeiter in Bangladesh beispielsweise?
-         Militärische und andere Macht nicht zu missbrauchen, fordert er die römischen Soldaten auf. Das sind wir in einer komfortablen Position, weil kaum jemand von uns schon einmal wirkliche Macht gehabt hat. Aber auch im Kleinen kann man seine Macht missbrauchen.
Johannes rief die Menschen dazu auf, dem kommenden Messias den Weg zu bereiten. Er rief sie zur Umkehr. Sie sollten das Leben nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich ändern. Das eine hat mit dem anderen zu tun.
Wenn ich mich innerlich ändere, dann wird das auch mein Leben verändern. Wer im Grunde seines Herzens eine Beziehung zu dem lebendigen Christus in sich trägt, den werden seine Füße regelmäßig in eine Kirche tragen, wenn die Glocken läuten. Das geht fast nicht anders. – Wer sich getragen weiß von der Liebe Gottes, der kann eigentlich nicht anders als die Ungerechtigkeit zu hassen und zu versuchen seinen Beitrag zu einer besseren Welt zu leisten. Im Vogtland gibt es einen Verein, der hilft jungen Mädchen und Frauen, die von Menschenhändlern zur Prostitution gezwungen werden. Es sind vielfach Christen, die diese Arbeit finanziell unterstützen. Denn hier geht es um Menschen, die ihrer Menschenwürde beraubt werden. Wer die Menschenliebe Gottes in sich spürt, kann das nicht ertragen, wenn Menschen so geschunden werden.
Umgekehrt macht auch die äußerliche Umkehr etwas mit meinem Innern. Wer regelmäßig in die Kirche geht, dessen Füße tragen ihn an einem Sonntag auch dorthin, selbst wenn er es sich eigentlich an diesem am Morgen gern noch etwas länger am Frühstückstisch bequem machen würde. Und oftmals sagt man dann, wie gut, dass ich mich doch auf den Weg gemacht haben. –Wer es gewohnt ist, sich für andere Menschen zu engagieren, wird auch immer großartige Erfahrungen machen, die sie oder ihn im Glauben bestärken. Die innere Umkehr fördert die äußerliche und umgekehrt. Beides hilft uns, Christus den Weg zu bereiten. Beides setzt Zeichen seiner kommenden neuen Welt. Beides bereitet auch den Weg in die Herzen anderer Menschen.
Gestern hörte ich im Radio von einer Frau, die ein Restaurant in Moskau betreibt. In Russland gibt es viele Rentner, die in bitterer Armut leben. Sie bot zuerst in ihrem Restaurant ein kostenloses Essen für sie an. Dann machte sie für sie ein extra Restaurant auf, also eine Art Tafel, aber als Ausgabe von warmem Essen. Künftig will sie in jedem Bezirk Russlands ein solches Restaurant für Arme eröffnen. Die Finanzierung erfolgt über Spenden. Wie großartig ist dieses Engagement in einem Land, in dem es so krasse Unterschiede zwischen grenzenlosem Reichtum und bitterster Armut gibt.
Mir zeigt das Beispiel dieser Frau: Es gibt noch wahre Menschlichkeit in dieser Welt. Es gibt noch Menschen, die das Leid anderer nicht kalt lässt. Es gibt noch Menschen, die sich von Gottes gutem Willen leiten lassen, egal, ob bewusst oder unbewusst. Mich hat diese Nachricht ungeheuer angerührt. Diese Frau ist für mich zu einem Zeichen geworden, dass Gott diese Welt sichtbar nicht egal ist. Dass er Menschen in all dem Egoismus unserer heutigen Zeit einen anderen Weg gehen lässt. Die Geschichte dieser Frau ist für mich auf diese Weise ein Türöffner geworden für die Freude des Advents. Sie bereitet in mir dem kommenden Christus den Weg. Denn sie zeigt mir: Der Herr ist uns nahe. Die Herrschaft seiner Liebe ist schon jetzt zu spüren.
So bereiten wir dem Herrn den Weg:
-         Indem wir uns innerlich öffnen für ihn und seine Gegenwart.
-         Indem wir Zeichen seiner kommenden Herrschaft setzen.
-         Indem wir so andere Menschen für die Hoffnung auf den Advent öffnen.
Amen.

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