Predigt am 1. Advent, 1. Dezember 2019

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Predigt am 1. Advent, 1. Dezember 2019

03.12.2019

zu Römer 13, 8 - 12; gehalten von Pfarrer Urs Ebenauer in der Kirche Kleinwaltersdorf

Liebe Gemeinde,
in der vergangenen Woche wurden überall die Vorgärten, Fenster und Wohnungen geschmückt. Adventskränze wurden aufgehängt, Pyramiden zusammengebaut. Engel und Bergmann fanden ihren angestammten Platz wieder. In einer Wohnung sah ich sogar schon einen Weihnachtsbaum in voller Beleuchtung. Die Vorfreude auf die Adventszeit war in den letzten Tagen überall riesengroß. Sie hat die Menschen dazu gebracht, sich ganz anders zu verhalten als sonst. Denn wer käme zu einer anderen Zeit auf die Idee, sogar wie in Obergruna den Garten zu schmücken oder seiner Wohnung ein ganz anderes Aussehen zu geben? Das gibt es nur in der Zeit vor Weihnachten.
Der Apostel Paulus weist uns darauf hin, dass wir in der Adventszeit noch einen ganz anderen und viel größeren Grund zur Vorfreude haben. „Die Nacht ist vorgerückt; der Tag ist nahe herbeigekommen“, schreibt er an die Christen in Rom. Er meint damit natürlich nicht eine Nacht, in der er vielleicht diese Zeilen geschrieben hat. Die Nacht ist für ihn ein Vergleich. Wer einmal aus irgendwelchen Gründen nachts nicht schlafen konnte oder Nachtdienst hatte und darum nicht schlafen durfte, der kennt das: Der Morgenanbruch ist nach einer solchen Nacht etwas ganz Wunderbares. Die Sorgen, die einen vielleicht nicht haben schlafen lassen, werden mit dem anbrechenden Tageslicht viel weniger; die Lebenskräfte, die zu schwinden drohten, werden wieder mehr; alles fühlt sich ganz anders an, wenn das Morgengrauen immer mehr zum Tag wird.
Diese Erfahrung nimmt der Apostel auf. Er gestaltet daraus einen Vergleich zwischen unserer Gegenwart und der Zukunft, die uns bevorsteht. Paulus schreibt, dass wir als Christen einer Zukunft entgegengehen, die wie das Morgengrauen nach der Nacht ist. Im Vergleich zu unserer Zukunft wird die Gegenwart sich umgekehrt wie eine lange, dunkle Nacht anfühlen.
Diese Zukunft, dessen war sich der Apostel gewiss, kommt und sie ist nahe. Sie wird schon sehr bald zur Gegenwart. Sie wird zur Gegenwart mit dem Advent Christi. Mit seiner erneuten Ankunft, mit seiner erneuten Begegnung mit dieser Welt bricht eine ganz neue Welt an. Diese Welt wird nicht mehr unter dem Vorzeichen des Todes stehen. Menschliches Fehlverhalten und menschliche Niedertracht, Artensterben, Umweltzerstörung, Klimawandel, Armut, Ungerechtigkeit, Hass, Gewalt, Krieg, Tod und Verderben – all das wird keinen Platz mehr haben in der neuen Welt Gottes. Mit der Ankunft Christi in dieser Welt – nicht der vergangenen im Stall von Bethlehem, sondern der zukünftigen – wird alles gut. Was zu Weihnachten angefangen hat, wird sich vollenden. Mit dem Advent Christi wird die Nacht unserer Welt zum Tag.
Wir haben also einen doppelten Grund uns zu freuen in der Adventszeit:
Wir dürfen uns innerlich einstellen auf die Feier der Ankunft des Kindes im Stall von Bethlehem zu Weihnachten. Wir freuen uns, dass Gott uns und unsere Welt nicht allein gelassen hat. Wir freuen uns, dass der große und unsichtbare Gott sich klein und sichtbar gemacht hat in dem Menschenkind Jesus.
Zugleich freuen wir uns, dass Gott das zu einem guten Ende bringen wird, was mit Jesus begonnen hat. Durch den gekommenen Christus können Leid, Schuld und Tod uns nicht mehr von Gott trennen. Wir sind innig verbunden mit ihm. Aber durch den kommenden Christus wird es all das gar nicht mehr geben. Gerechtigkeit und Frieden werden sich in seiner neuen Welt küssen. Wir werden leben auf einer neuen Erde unter einem neuen Himmel. Alle Tränen werden dort abgewischt sein und Leid und Geschrei werden nicht mehr sein. So hat es der Seher Johannes in seiner Vision schauen dürfen.
Diese Freude auf das Kommende, so schreibt es der Apostel, macht etwas mit unserem Leben. Sie verändert uns. Sie setzt Kräfte frei. So wie die Freude auf Weihnachten so viele Aktivitäten in diesen Tagen ermöglicht. Genau so geht es uns als Christenmenschen mit der Freude auf die Zukunft Christi. Wir sind darum solche, die diese neue Welt mit ihrem Leben schon vorwegnehmen – wie dieser eine Wohnungsbesitzer Weihnachten schon vorweggenommen hat, als er schon den Weihnachtsbaum in die Wohnung gestellt und beleuchtet hat. In ähnlicher Weise nehmen wir die Zukunft Gottes schon vorweg. Wir tun es, weil uns eine so große Freude auf das bewegt, was da kommen wird. Die Freude auf das Kommende macht etwas mit uns. Sie lässt uns die Welt des Friedens und der Gerechtigkeit, die erneuerte Schöpfung unter einem neuen Himmel vorwegnehmen.
Das ist vielleicht auch der Grund, warum uns als Christen unsere Mitmenschen nicht egal sind und viele von uns sich für die Allgemeinheit engagieren. Ich denke da an all die lieben Menschen, die heute diese Andacht und das nachfolgende Lagerfeuer liebevoll vorbereitet haben und sich auch zu anderen Gelegenheiten für ihre Gemeinde einsetzen. Ein anderes Beispiel: Vielleicht haben sie es gelesen, dass die Selbsthilfegruppe trauernder Eltern und die Bergsänger den Bürgerpreis der Stadt Freiberg bekommen werden. Geehrt werden zwei Frauen von der Selbsthilfegruppe und der Leiter der Bergsänger. Es ist in meinen Augen kein Zufall, dass wir da ein Petrigemeindeglied und ein Domgemeindeglied unter den drei Preisträgern haben. Die Freude über das, was kommt, macht eben etwas mit unserem Leben. Sie setzt Kräfte frei für ein Engagement für den einzelnen Mitmenschen und für die Allgemeinheit. Christen ist es nicht egal, was aus unserem Gemeinwesen wird. Sie setzen sich ein für den Frieden, für Gerechtigkeit und auch für die Bewahrung der Schöpfung. Darum haben wir die Klimaproteste am Freitag mit unserem Gebet begleitet. Auf diese Weisen leben wir schon jetzt als Kinder des Lichts, auch wenn unsere Werke natürlich trotzdem noch viel weniger leuchten, als es sein könnte. Sonst müsste der Apostel seine Gemeinde ja auch nicht daran erinnern, dass sie die Werke der Finsternis ablegen und die Waffen des Lichts anlegen soll.
Unsere Zukunft ist wie ein Morgen nach der Nacht. Mit Christi Advent, mit seiner erneuten Begegnung mit unserer Welt, wird alles gut. Alle schönen Gefühle, die wir zu Weihnachten wieder haben werden, sind nur ein Vorgeschmack im Vergleich zu dem, was sein wird. Öffnen wir uns für diese Freude. Und lassen wir es zu, dass diese Freude auch weiterhin und immer mehr unser Leben prägt und unsere Augen öffnet für die Dunkelheiten dieser Welt. Lassen wir es zu, dass diese Freude uns leitet und wir mit unserem Leben hinweisen auf eine neue und bessere Welt, die mit dem Advent Christ, mit seiner Ankunft anbrechen wird.
Amen.

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