Andacht zum Sonntag Palmarum, 24. März 2024

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Andacht zum Sonntag Palmarum, 24. März 2024

24.03.2024

von Superintendentin Hiltrud Anacker

Bibeltext
Denkt im Umgang miteinander immer daran, was in der Gemeinschaft mit Christus Jesus gilt: Er (Jesus) war von göttlicher Gestalt. Aber er hielt nicht daran fest, Gott gleich zu sein – so wie ein Dieb an seiner Beute. Er legte die göttliche Gestalt ab und nahm die eines Knechtes an. Er wurde in allem den Menschen gleich. In jeder Hinsicht war er wie ein Mensch. Er erniedrigte sich selbst und war gehorsam bis in den Tod – ja, bis in den Tod am Kreuz. Deshalb hat Gott ihn hoch erhöht. (Philipperbrief 2, 5 - 9a)

Liebe Leser und Leserinnen!

Da bricht mir kein Zacken aus der Krone

Ich habe keine und hatte nie eine Krone, nicht einmal zum Kinderfasching. „Da bricht mir kein Zacken aus der Krone“ ist ein Sprichwort aus dem Mittelalter: je mehr Zacken eine Krone hatte, umso höher der Rang dessen, der sie trug.
Wurde eine Zacke herausgebrochen, kam das einer Degradierung gleich - sehr unangenehm.
Welchen Rang, welche Bedeutung habe ich? In Menschengruppen handeln wir einen Rang aus, obwohl die Menschenwürde unantastbar ist in der Demokratie, obwohl vor Gott alle gleich sind. Was wünsche ich mir? Eine „Krone“ wünschen sich gar nicht alle, aber unseren Platz im Leben benötigen wir. Vorn dran zu stehen, ist nicht immer angenehm. Kann ich das? Will ich das? Wenn man aber einmal einen Platz räumen muss, ist auch das nicht einfach. Das ist das eine, was mir bei dem Sprichwort einfällt „Da bricht mir kein Zacken aus der Krone“ sagen wir auch manchmal, wenn uns etwas nichts ausmacht. Das wohl einfachste Beispiel ist, jemanden den Vortritt zu lassen. Da bricht mir wirklich kein Zacken aus der Krone.
Jesus Christus bricht mehr als ein Zacken aus der Krone. Das hat er sich selbst so überlegt und gewählt, schreibt der Apostel Paulus. Jesus geht den Weg von ganz oben nach ganz unten. Das ist wohl eine besondere Form Demut der Demut. Warum schreibt Paulus so? Er selbst sitzt im Gefängnis, als er den Brief an die christliche Gemeinde in Philippi verfasst. Dass er von Christus predigte, passte manchen nicht. Paulus ist ganz unten angekommen. Er will die Christen ermutigen. Auch sie erleben, wie sie angefeindet werden. Sie sollen sich darauf besinnen, was es heißt, Christ zu sein: „In welche Not ihr auch geratet, Christus ist euch nah.“ Selbst am schlimmsten Tiefpunkt erinnert Paulus: „Gott weiß, wie es euch geht, weil er selbst ganz unten war.“ Es stärkt, sich zu erinnern: Da ist einer, der mich versteht. Außerdem zeigt Paulus eine Zukunftsperspektive auf: „Deshalb hat Gott ihn hoch erhöht.“
So handelt Gott: Er kommt in die Lebenswelt der Menschen hinein und übt Demut. Wenn Jesus das tut - er, der göttlicher Gestalt war, dann soll dies sich auswirken auf das Zusammenleben in der christlichen Gemeinde. Demut üben, ist unmodern. Es geht um mehr, als einem/einer anderen den Vortritt zu lassen. Es geht darum, das eigene Handeln am Handeln Jesu zu überprüfen. Der Weg Jesu war eben nicht der Weg der Selbstüberhebung, sondern ein Weg hin zu wahrem Frieden und zu Erlösung. Dafür lohnt es sich, auf eine Zacke zu verzichten.

Gebet

Du bist der Gott unserer Stärke,
du bewahrst und segnest,
du rettest und versöhnst.
Du lässt uns hoffen.

Du siehst,
die Spur der Gewalt in unseren Tagen.
Du kannst retten und versöhnen.

Du spürst
die Schmerzen der Kranken
ihre Angst und die der Angehörigen,
die Müdigkeit derer, die sich sorgen.
Du kannst retten und versöhnen.

Du leidest
mit deiner Schöpfung.
Du kannst retten und versöhnen.

Du hörst
wie deine weltweite Kirche nach dir fragt,
gerade auf dem Weg durch die Karwoche hin zum Osterfest.
Du bist der Gott unserer Stärke.
Du lässt uns hoffen.
Wir bitten dich:
sende dein Licht und deine Wahrheit
durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit.
Amen.

Segen

Es segne und behüte dich der barmherzige Gott:
Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

Herzlich grüßt Sie
Hiltrud Anacker, Superintendentin

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