Andacht zum Sonntag Judika 2022

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Andacht zum Sonntag Judika 2022

03.04.2022

zu Markus 10, 25 - 35 von Pfarrer Justus Geilhufe

Bibeltext
Da gingen zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen zu ihm: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, was wir dich bitten werden. Er sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich für euch tue? Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde? Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde; zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das zu geben steht mir nicht zu, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist. Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

Liebe Schwestern und Brüder,
die Evangelien üben einen besonderen Reiz auf ihre Leser aus und das liegt auch an Begebenheiten, wie der Geschichte von den zwei Jüngern, die Jesus um etwas bitten, auf das sie gar kein Recht haben.
Es ist ein eigenartig intimer Moment, der hier beschrieben wird. Und auf den ersten Blick wirkt es fast wie ein Wunder, dass er in der Bibel gelandet ist. Das erschließt sich – wie so oft – erst auf den zweiten Blick.
Wichtig ist: Diese Gruppe um Jesus ist keine Gruppe von Vorbildern, die Maßstäbe zur Nachahmung setzen. Es sind keine perfekten Menschen, die Jesus deshalb ausgesucht hätte, weil sie alles richtig machen.
Es sind schlicht die, die Jesus als erste nachgefolgt sind aus einer Kraft heraus, die von Jesus selbst kommt. Deshalb ist diese Gruppe eine beinahe lose Zusammenwürfelung an Menschen wie wir alle es sind. Menschen, die Dinge gut und richtig machen, die glauben können aber auch zweifeln und aus den verschiedensten Gründen genauso wie wir, Forderungen ans Leben, Forderungen an Gott stellen, die sie selbst eigentlich gar nicht verstehen und auf die sie überhaupt kein Anrecht haben.
Daher kommt der Reiz gerade dieser Geschichte. Deshalb bewegt sie uns, weil sie in all ihrer Banalität eigentlich am besten Verschwiegen worden wäre und genau deshalb in der Bibel ist. Die Unwissenheit der Jünger berührt uns nämlich, weil es unsere Unwissenheit ist. Wir wollen auch Dinge von Gott und wissen gar nicht, worum wir eigentlich bitten. Vielleicht ist es am Ende auch nur, dass wir im Geheimen wünschen, dass Christsein auch einmal heißt: belohnt zu werden, dass man fromm und ordentlich ist, statt immer ins Gewissen gerufen zu bekommen, dass es das Dienen ist, was uns ausmacht.
Und das ist das Entscheidende. Manchmal wissen wir eigentlich gar nicht, worum wir bitten oder was unsere Rolle in dieser Welt eigentlich ist. Und genau aus dem Grund, ist die Geschichte von den Jüngern, die das auch nicht wussten, in der Bibel gelandet. Weil nicht ihre Unwissenheit, nicht ihre Selbstbezogenheit den Ausschlag gibt, sondern das, was Jesus am Ende eben daraus macht.

Gebet
Lasst uns beten:
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name
Dein Reich komme
Dein Wille geschehe
Wie im Himmel, so auf Erden
Unser tägliches Brot gib uns heute
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsere Schuldigern
Und führe uns nicht in Versuchung
Sondern erlöse uns von dem Bösen
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen
Geh deinen Weg ruhig - mitten in Lärm und Hast,
und wisse, welchen Frieden die Stille schenken mag.
Steh mit allen auf gutem Fuß, wenn es geht,
aber gib dich selber nicht auf dabei.
Freue dich an deinen Erfolgen und Plänen.
Strebe wohl danach weiterzukommen, doch bleibe bescheiden.
Das ist ein guter Besitz im wechselnden Glück des Lebens.
Pflege die Kräfte deines Gemüts, damit es dich schützen kann,
wenn Unglück dich trifft, aber überfordere dich nicht durch Wunschträume.
Viele Ängste entstehen durch Enttäuschung und Verlorenheit.
Lebe im Frieden mit Gott, wie du ihn jetzt für dich begreifst,
Und was auch immer deine Mühen und Träume sind
in der lärmenden Verwirrung des Lebens -
halte Frieden mit deiner eigenen Seele.
Geh hin im Frieden + des Herrn.
Amen.

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