Andacht zum Sonntag Judika, 17. März 2024

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Andacht zum Sonntag Judika, 17. März 2024

16.03.2024

von Prof. Dr. Karl-Hermann Kandler

Liebe Schwestern und Brüder!

Der Engel des Herr n vom Himmel sprach: Abraham! Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. Er sprach: Lege deine Hand nicht an den Knaben und tu ihm nichts; denn nun weiß ich, dass du Gott fürchtest und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont um meinetwillen. (1. Mose 22, 11 f.)

Was hatte sich Gott denn dabei gedacht, Abraham aufzufordern, ihm seinen Sohn zu opfern? Das ist doch unmenschlich. Lange hatte er gehofft, noch einen Sohn zu bekommen. Gott hatte es ihm ja versprochen. Ja, der Sohn sollte doch Vater eines großen Volkes werden. Und nun? Abraham ist gehorsam und geht dorthin, wo er das Opfer darbringen soll. Als er das Messer an den Hals seines Sohnes legt. hält ihn Gott zurück. Denn nun weiß er, dass Abraham Gott über alles andere fürchtet. Er darf einen Schafbock an Stelle seines Sohnes opfern. Aber wieso for-dert Gott den Abraham überhaupt auf, ein so unmenschliches Opfer ihm darzubringen. Welche Versuchung für Abraham! Was ist ihm wichtiger: Der lang ersehnte Sohn oder Gott? Doch wel-che Befreiung: Er bekommt zum zweiten Mal seinen Sohn aus Gottes Hand, den Träger der Verheißung. Gott steht zu seinem einst gegebenen Versprechen. Isaak wird zum Vater eines großen Volkes. Aber die Anfechtung blieb Abraham nicht erspart. Er muss an Gott glauben ge-gen Gottes Versprechen. Wir haben Gott ernst zu nehmen, wo unser Herz sich dagegen sträubt, wo wir Gott nicht mehr verstehen. Abraham hat Gott ganz ernst genommen, sowohl bei der Hoffnung, die ihm Gott versprochen hatte, als auch im Gehorsam. So ist Abraham zum Vater des Glaubens geworden. Wir sollen Gott fürchten, lieben und vertrauen, auch wenn vieles da-gegen zu sprechen scheint.
Wir empfinden wohl Abscheu vor dem, was Gott von Abraham fordert. Wie kann man nur so grausam sein. Und das will Gott sein? Viele lehnen den Gottesglauben ab wegen dieser Ge-schichte. Machen wir uns nichts vor. Wie viele Menschen sterben allein jeden Tag durch Men-schen! Wie viele kommen täglich um - jetzt in der Ukraine, im Nahen Osten. Jeden Tag wird in den Zeitungen und im Fernsehen berichtet von Morden! Wer sind wir, dass wir Gott Vorschrif-ten machen wollen? Wir sind Gott alles schuldig. Alles Leben gehört Gott. Er kann von uns alles fordern. Und was geben wir ihm? Wir wissen doch, dass wir Gott nicht mit irgendwelchen Din-gen abfinden können. Ist die Kollekte im Gottesdienst ein Ersatzopfer für uns, die wir selbst Gott schuldig sind? Die Geschichte von der Opferung Isaaks ist ein Zeugnis davon, dass wir Gott nicht mit irgendwelchen Dingen abfinden können, gar mit Dingen, dir wir nicht mehr brauchen wie alte Kleidungstücke, die wir zur Altkleider-Sammlung entsorgen. Ein Sühneopfer durch eine schmerzlose symbolische Handlung reicht nicht.
Die Geschichte aber ist eben gerade nicht die Geschichte eines Menschenopfers., sondern das Opfer eines Widders. Wir leben vielmehr von einem Opfer, das Gott selbst dargebracht hat. Gott selbst opfert seinen Sohn am Kreuz für unsere Sündenschuld. Am Karfreitag steht kein Widder neben dem Kreuz. Dass wir mit Gott im Reinen leben dürfen, ist allein Gottes Tat. Das Kreuzesopfer nimmt Gott an, auch wenn es ihm das Leben seines Sohnes bedeutet. Wir be-schwichtigen gern unser Gewissen, wenn wir etwas Unrechtes getan haben: Es war doch gar nicht so schlimm. Wir denken, dass Gott uns unsere Schuld vergibt, ist sein Geschäft, ist doch eine Selbstverständlichkeit. Nein, das ist sie nicht! Vergebung ist Gottes Geschenk an uns. Da-rum sind wir getauft. Wir dürfen auch heute nach dem Gottesdienst fröhlich heimkehren, wir sind entlastet, wir können mit Gott in Frieden leben.

Gebet
Lasst uns beten:
Herr, unser Gott!
Wir können wissen, dass du uns liebst und deinen Sohn nicht verschont hast vor dem grausa-men Tod am Kreuz. Lass uns darum dir von ganzem Herzen vertrauen.
Wir bitten dich für deine Kirche: Lass sie diese Botschaft verkündigen uns und vielen zum Trost.
Wir bitten dich um den Frieden in der Welt. Lass doch endlich die Waffen in der Ukraine, im Nahen Osten und im Jemen schweigen.
Wir bitten dich um Weisheit für alle, die uns regieren. Lass die Probleme dieser Welt im Frieden gelöst werden.
Wir bitten dich für unsere Lieben, auch für die Kranken und für alle, die Not leiden.

Gemeinsam beten wir:
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen
Es segne uns behüte euch der allmächtige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Es wünscht Ihnen einen gesegneten Sonntag
Karl-Hermann Kandler

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