Andacht zum Sonntag Invokavit, 22. Februar 2026

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Andacht zum Sonntag Invokavit, 22. Februar 2026

21.02.2026

von Dr. Gunnar Wiegand, Pfarrer des Freiberger Doms

Liebe Leser und Leserinnen!

Er ist für mich einer der bewegendsten Momente der Passionsgeschichte. Jesus hängt am Kreuz – verspottet, geschlagen, dem Tod nahe. Neben ihm: zwei Verbrecher. Der eine verhöhnt ihn. Der andere aber erkennt in dem sterbenden Mann neben sich mehr als nur einen Leidensgenossen. Er sagt: „Jesus, gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst.“ Und Jesus antwortet:

„Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“[1]

Der Verbrecher kann nichts mehr vorweisen. Keine guten Werke. Keine Wiedergutmachung. Kein neues Leben, das er führen könnte. Ihm bleibt nur ein letzter Ruf nach Jesus und damit das Vertrauen: dieser Mann neben ihm ist Gottes Sohn.

Diese Szene zeigt mir: Gottes Gnade ist kein Lohn für ein gutes oder gottgefälliges Leben. Der Glaube reicht. Selbst am Kreuz, im eigenen Sterben, öffnet Jesus die Tür zum Leben im Glauben – für einen kurzen aber so entscheidenden Moment. „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“

Dann fällt mir noch etwas auf. Jesus sagt nicht nur: „Du wirst im Paradies sein.“ Er sagt: „Du wirst mit mir sein.“

Für mich ein Kern christlicher Hoffnung: Gemeinschaft mit Christus am Kreuz. Der Himmel öffnet sich in der Beziehung mit Jesus und mit dem Nächsten. Wo Christus ist, da ist Paradies. Mitten im Sterben schenkt Jesus Nähe. Mitten im Gericht schenkt er Zuspruch. Mitten im Leid schenkt er Zukunft. Diese Beziehung beginnt jetzt, „heute“ – wie es Jesus sagt.

Erst letzte Woche waren unsere Freiberger Konfis zur Teenagerfreizeit in Sebnitz. Über 100 Jugendliche in Gemeinschaft, in Workshops, Bibelarbeiten und im Gebet. Da sind ganz viele solche Beziehungen untereinander und zu Jesus gewachsen. Für mich eine ganz erfüllte Zeit.

Ja, Gottes Rettung beginnt somit hier und jetzt, in der Gemeinschaft des Kreuzes. 

Amen.

Gebet

Herr Jesus Christus,
du hast den Verbrecher am Kreuz gerettet
– obwohl Du selbst gelitten hast.
Du hast einem Schuldigen Hoffnung gegeben –
und schenkst auch mir dein Wort der Gnade.
Lass mich dir vertrauen, heute und alle Tage.
Und halte mich fest in der Gewissheit,
dass ich in der Gemeinschaft des Kreuzes und mit dir leben darf
– jetzt und in Ewigkeit.

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen

Es segne und behüte dich Gott, der Allmächtige und Barmherzige, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.

Herzlich grüßt Sie
Dr. Gunnar Wiegand, Pfarrer des Freiberger Doms

[1] Lukas 23,43 und zugleich Jesu Christi Wort am Kreuz für diese Woche

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