Andacht zum Monatsspruch für September 2022

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Andacht zum Monatsspruch für September 2022

10.09.2022

von Pfarrerin Leen Fritz

Liebe Leser und Leserinnen!

Ich möchte gerne den Monatsspruch für September mit Ihnen teilen: Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in der Menschen Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. Prediger 3, 11
Gott hat uns die Zeit in die Wiege gelegt.
Anfang und Ende. Wir leben in der Zeit. Jeden Tag.
Unsere Zeit ist getaktet.
In manchen Lebensabschnitten haben wir viel zu viel davon.
In manchen Lebensabschnitten haben wir zu wenig davon.
Meine liebgewonnene Routine wird durch die Zeit durcheinandergewirbelt.
Meine Zeit wird mir aus der Hand genommen, von anderen verwendet, gefärbt, bestimmt.
Weg ist sie und kommt nicht wieder.
Ich plane eine Konfirmandenstunde.
Und die läuft dann ganz anders, als ich es mir gedacht habe,
dehnt sich aus, schrumpft zusammen, je nachdem wie die Konfis reagieren.
Warum? Das ist manchmal nicht zu ergründen. Nicht alles, was kommt, kann ich sehen und planen.
Ich weiß, ich habe nicht unendlich viel Zeit.
Ich muss sie mir einteilen. Zeit ist kostbar.
Ein Leben wäret 70 Jahr und wenn’s hoch kommt, so sind es 80 Jahr, singt der 90. Psalm.
Ich will Zeit mal für mich behalten und dann auch mal wieder teilen.

Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.

Gott hat uns die Zeit in die Wiege gelegt, hat (laut dem Buch Genesis) Sonne, Mond und Sterne bestimmt uns die Zeit anzuzeigen, uns nach ihr zu richten.
Und er hat uns gleichzeitig die Ewigkeit ins Herz gelegt, sagt der Prediger.
Ewigkeit, zeitloses Sein.
Ich weiß nicht, ob es wirklich ein Segen ist, wenn die Zeit nicht enden will, z.B. bei Schmerzen. Gott hat uns die Ewigkeit ins Herz gelegt.
Aber nicht, um uns in ihr einzusperren und jeden Halt zu nehmen, sondern vielmehr als eine Tür in die Freiheit.
Weil Gott die zeitlose Zeit schenkt, den Stillstand, als eine Einladung aus der Zeit auszubrechen.
Momente, in denen ich nicht nachdenke über Anfang und Ende, wenn ich ein liebevolles Lächeln tausche, jemanden in die Augen sehe und erlebe, dass Grenzen sich auflösen.
Momente, in denen ich mir die Freiheit nehme stehenzubleiben. Innezuhalten und die ewigen Momente zu genießen. Vielleicht kommen Ihnen gerade auch solche Momente in den Sinn.
Jesus hat sie hochgehalten, diese ewigen Momente:
Übt das Stehenbleiben und fallt aus eurer Zeit, wenn einer am Wegesrand liegt und Hilfe braucht, auch wenn der Tagesplan durcheinandergerät.
Bleibt einfach mal stehen, auch in euren Gedanken, und sorgt euch nicht über das, was kommt, plant nicht zu viel, hat ohnehin keinen Sinn, ihr seht nicht weit genug. Seid im hier und jetzt.
Gott sorgt für euch.
Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit.
Mitten unter uns lebt Gott mit seiner Zeit, schickt die Ewigkeit in mein Leben, in deins, jeden Tag.
Und deshalb können wir auch immer wieder die Zeit anhalten, sie ganz bewusst in die Hand nehmen, den Augenblick kneten, dehnen, wie es uns beliebt, mit Gottes Segen. Es liegt in unserer Hand wie wir die Zeit sehen, jeden einzelnen kleinen Moment.
Wenn wir uns darin üben, dann kommen diese Momente wie von selber.
Am Ende der Zeit wird das ohnehin so sein, dass Gottes Zeit und unsere zusammenfließen, sagt die Bibel.
Auf ewig.
Es schadet nichts, sich darauf schon etwas vorzubereiten.
Amen.

Gebet
Schöpfer meiner Stunden und meiner Jahre,
du hast mir viel Zeit gegeben.
Sie liegt hinter mir und sie liegt vor mir.
Sie war mein und wird mein, und ich habe sie von dir.
Ich danke dir für jeden Schlag der Uhr und für jeden Morgen, den ich sehe.
Ich bitte dich nicht, mir mehr Zeit zu geben.
Ich bitte dich, dass ich ein wenig dieser Zeit freihalten darf von Verpflichtungen,
ein wenig für zwischenmenschliche Begegnung,
ein wenig für das Spiel,
ein wenig für die Menschen am Rande meines Lebens, die einen Tröster brauchen.
Schenke du Zeit füreinander, Trost, Gesundheit und segne du meinen Tag.

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Irischer Segenswunsch
Mögest du dir die Zeit nehmen, die stillen Wunder zu feiern,
die in der lauten Welt keine Bewunderung finden.
Amen.
Verbunden mit einem Gruß
Ihre Leen Fritz, Pfarrerin

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