Andacht zum 3. Sonntag nach Ostern (Jubilate), 21. April 2024

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Andacht zum 3. Sonntag nach Ostern (Jubilate), 21. April 2024

20.04.2024

von Superintendentin Hiltrud Anacker

Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen.
(Psalm 37, 5)

Liebe Leser und Leserinnen!
Jubilate heißt auf deutsch nichts anderes als "jubelt". Diese übersprudelnde Freude gibt der Name des Sonntags mit. Früher wurde oft zu Palmsonntag konfirmiert, weil da die Jungen und Mädchen aus der Schule kamen. Inzwischen ist das Schulende später. In vielen Kirchgemeinden hat man deshalb die Konfirmation in die Osterzeit gelegt. Mancher Konfirmationsgottesdienst wird zum Sonntag Jubilate gefeiert, ein wahrer Grund zur Freude: Junge Menschen bekennen ihren christlichen Glauben, sie werden gesegnet und damit dem besonderen Schutz anvertraut, der sie begleiten soll ihr ganzes Leben lang, was auch immer ihnen begegnet.
Wenn man älter oder gar alt geworden ist, schaut man ganz gern auch zurück. Davon handelt die Andacht, die ich mir dieses Mal nicht selbst ausgedacht habe. Ich habe Gedanken von Michael Becker gefunden, die mich anrühren, Sie vielleicht auch. Er schreibt:

Der schönste Satz übers Älterwerden kommt vom russischen Schriftsteller Vladimir Nabokov (1899-1977). Er ist später nach Amerika ausgewandert, also viel herumgekommenen in der Welt. Mit fast 80 Jahren sagt der Schriftsteller Nabokov: "Auch wenn ich 100 Jahre alt werde - meine Seele wird dann immer noch in kurzen Hosen herumlaufen."
Ist das nicht schön? Auch wenn er alt ist, will er noch kurze Hosen anhaben - wenigstens in seiner Seele. Er will immer auch ein Kind bleiben, so alt er auch wird. Er will sich erhalten, was so wichtig ist fürs Leben: dass er die ganze Welt neugierig anschaut und immer ein kindliches Vertrauen hat.
Dazu passt, dass der Schriftsteller ein ausgefallenes Hobby hatte: Er war Schmetterlingsforscher, streifte durch die Wiesen und beobachtete die schönen bunten Fliegerchen. Also sah er die Welt neugierig, vorsichtig, wollte klug werden durch genaues Hinschauen und Hinhören. Nicht durch Besserwissen. Das gefällt mir. Ich lerne mehr, wenn ich nicht schon immer alles weiß. Wenn ich
mehr Frage als antworte und genauer hinhöre als dauernd selber rede. Ich bleibe wacher im Alter, wenn ich etwas mehr forsche, als immer nur weiß.
Und da ist noch etwas, was zu den kurzen Hosen oder Kleidchen meiner Seele gehört: Mehr Vertrauen als Misstrauen. Natürlich wird man manchmal übers Ohr gehauen, das haben fast alle schon erlebt. Natürlich wird man manchmal ausgenutzt. Na und? Das soll mich nicht zum Misstrauen verleiten. Eine gewisse Vorsicht, ja. Aber dauerndes Misstrauen? Nein. Das haben die Menschen neben mir nicht verdient. Gott übrigens auch nicht. Viele meinen es gut mit mir, das
spüre ich. Da will ich doch nicht misstrauisch werden. Wenn etwas das Leben schön macht auch im Alter, dann ist das mein Vertrauen. Es öffnet Türen, die dann eher verschlossen bleiben, wenn ich misstrauisch bin. Lieber einmal zu viel vertraut, als immer zu wenig. Auch Gott gegenüber. Da zieht meine Seele gern ihre kurzen Hosen an und sagt: "Befiehlt dem Herrn deine Wege und hoffe
auf ihn, er wird's wohl machen."

Gebet
Schau vom Himmel, Gott. Und hilf.
Schau auf alle,
die sich nicht einschüchtern lassen von Ungerechtigkeiten
weit weg, oder auch bei uns.
Gib ihnen den Mut zu widerstehen.
Gib ihnen Klugheit, um zu überleben.

Schau auf alle,
die sich von Gerechtigkeit anstecken lassen.
Und von Mut.
Und von Liebe.
Die ein großes Herz haben.
Die Toleranz üben.
In den Schulen.
In den Betrieben.
In den sozialen Netzwerken.
Halte sie gesund.

Schau auf alle, die nicht müde werden, Güte zu verbreiten.
Die misshandelten Kinder beistehen.
Oder geflüchteten Menschen.
Schau auf alle, die an Sterbebetten sitzen und ausharren.
Stärke ihre Seelen.

Schau auf alle, deren Herz schwer ist.
Die sich fremd fühlen.
Oder einsam.

Schau auf alle, die trauern.
Tröste sie.
Schau auf alle deine Menschenkinder.
Auch auf uns.
Du bist uns Hilfe und Schild.

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen
Es segne und behüte dich der barmherzige Gott: Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Amen.

Herzlich grüßt Sie im Namen der Kirchgemeinde
Hiltrud Anacker, Superintendentin

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