Andacht zum 3. Sonntag nach Ostern (Jubilate), 21. April 2024

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Andacht zum 3. Sonntag nach Ostern (Jubilate), 21. April 2024

21.04.2024

von Dompfarrer Dr. Gunnar Wiegand

Liebe Leser und Leserinnen!

„Seid jederzeit bereit, Rechenschaft abzulegen über die Hoffnung, von der ihr erfüllt seid.“ – schreibt der Apostel Petrus (1. Petr 3,15 [BB]). Dieser Vers ist der Monatsspruch für April.

Mein erster Gedanke ist: bin ich denn überhaupt erfüllt von einer Hoffnung? Wenn ich so in mich hineinspüre, dann sind da erst einmal andere Gedanken und Gefühle:

- Wie kann ich meinen Alltag, meine Aufgaben im Beruf gut meistern?

- Welche Jacke ziehe ich an, wenn ich bei diesem Schmuddelwetter rausgehe?

- Wie kann ich Zeit mit meiner Familie verbringen, meine Freundschaften pflegen?

In diesen Alltagssorgen liegt die „Hoffnung, die mich erfüllt“ zugegebenermaßen nicht sofort oben auf. Wenn man den Petrus-Brief noch ein bisschen drum herum liest, wird auch schnell deutlich: diese Leute hatten wirklich Angst um ihr Leben. Sie standen für Ihren Glauben unter Druck. Denen wollte Petrus Mut machen. Ganz so ist meine Situation eben nicht.

Doch was bedeutet dann dieser Vers für meinen ganz persönlichen Alltag:

- Ich lebe in einer freiheitlichen Gesellschaft. Hier kann ich frei meinen Glauben leben. Aber das ist nicht selbstverständlich – wie es Petrus zeigt. Ich will für diese Religionsfreiheit einstehen, dort wo ich sie bedroht sehe. Das ist für mich da, wo das Evangelium nicht mehr die Mitte unseres gesellschaftlichen Miteinanders bestimmt.

- Selbstverständlich ist da die Hoffnung, hinter all meinem Tun. Aber da, wo ich nicht in existentieller Not bin, tritt sie offenbar in den Hintergrund. Und das heißt: ich brauche Momente in meinem Alltag, wo ich mir Christus vergegenwärtige, wo ich mich der Hoffnung Jesu Christi bewusst mache. Und auf der anderen Seite: ich danke Jesus Christus, dass er mich vor Schaden und Gefahr behütet.

- Und dieser Vers macht mir deutlich: wenn mich Not, Todesangst oder der Tod selbst überkommt, dann ist da diese Hoffnung durch Christus, die Hoffnung durch seine Auferstehung. Und ich hoffe (im wahrsten Sinn des Wortes), dass diese Hoffnung mir im rechten Augenblick auch wirklich Kraft gibt, mich nicht vor Sorgen verlässt.

Was bedeutet für Sie „Seid jederzeit bereit, Rechenschaft abzulegen über die Hoffnung, von der ihr erfüllt seid“? Was ist Ihnen an diesem Vers wichtig?

Ich muss meinen ersten Gedanken doch korrigieren: natürlich ist da die Hoffnung in meinem Leben. Aber sie ist eben versteckt. Nicht so ganz unmittelbar da, wie Sie Petrus hier betont.

Amen.

Gebet
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen
Gott erfülle Dich mit Hoffnung. Er segne und behüte Dich. Gott der Allmächtige und Barmherzige, der Vater, Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Herzlich grüßt Sie
Dr. Gunnar Wiegand, Dompfarrer

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