Andacht zum 20. Sonntag nach Trinitatis, 30. Oktober 2022

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Andacht zum 20. Sonntag nach Trinitatis, 30. Oktober 2022

29.10.2022

von Prof. Dr. Karl-Hermann Kandler

Liebe Schwestern und Brüder,

Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge … Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schild. (Psalm 46, 1 und 8)

Ja, wir stecken in großen Nöten. Es fallen uns dabei gleich der Krieg in der Ukraine ein und die Corona-Pandemie, die bald 3 Jahre lang uns nun schon begleitet. Da sind auch finanzielle Unsi-cherheit, die mit diesen Nöten verbunden sind. Da brauchen wir einen, der unsere Zuversicht und Stärke ist. Denn wenn wir in die Zukunft blicken, kann einem schon angst und bang wer-den. Wann wird endlich Frieden werden? Wann wird Corona ein Ende haben, werden wir auch in Zukunft genug zum Leben haben?
Luther erlebte auch große Nöte, sie waren aber anderer Art. Er litt an seiner Kirche. Wohl wa-ren die Leute seiner Zeit meist sehr fromm, aber das nützte die damalige Kirche schamlos aus. Seit dem hohen Mittelalter lehrte sie, dass auch durch Geldzahlungen zwar nicht Sünden ver-geben, aber die von der Kirche verhängten Kirchenstrafen mit Geld umgangen werden könnten. Man sprach von einem Ablass. So wanderte der Dominikanermönch Tetzel durch Deutschland – und kam auch nach Freiberg – und rief die Menschen auf, sich den Ablass zu kaufen. Ja, man kam auch auf die Idee, man könne Geld einnehmen, wenn man Ablass auch für Verstorbene kaufen würde: „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele mit einem Hui in den Himmel springt.“ Die Kirche brauchte Geld, etwa um den Petersdom in Rom bauen zu können.
Dagegen wandte sich Luther und verfasste 95 Thesen gegen den Ablass, die er heute vor 505 Jahren veröffentlichte. Nicht der Ablass rettet uns vor dem göttlichen Gericht, sondern allein der Glaube an das Evangelium, der glaube daran, dass Jesus Christus für uns am Kreuz gestor-ben und zu Ostern auferstanden ist. So wie Paulus vor fast 2000 Jahren, schämte sich auch Lu-ther nicht, dieses Evangelium zu verkündigen und – wenn nötig - dafür zu sterben, denn beide wurden damals für ihre Verkündigung verfolgt. Ja, es ist allein der Glaube an das Evangelium, der uns rettet. Der Glaube ist die Kraft, die rettet, die uns aus den großen Nöten frei und froh macht. So sehr wir – leider – Sünder sind und oft nicht das tun, was Gott von uns will, wir ver-trauen darauf, dass unsere Sünde, unsere Schuld vor Gott, Jesus Christus schon bezahlt hat – nicht mit Geld, sondern mit seinem Tod. Durch die Taufe sind war ja Gottes Kinder und von Gott gerecht gesprochen. Gott ist mit uns, er ist unser Schutz. Darauf dürfen wir vertrauen und Gott von Herzen dafür danken, dass uns diese frohe Nachricht, dieses Evangelium verkündigt wird.
Gott ist zugleich unsere Hilfe in den großen Nöten, die uns heute treffen, in den Sorgen um Krieg und Frieden, um Gesundheit und um ausreichende Mittel zum Leben, aber auch in den Nöten, die uns in unserer Kirche treffen: Dass sich viele von ihr abgewendet haben – oft auch von Gliedern unserer Familien. Wir können Gott nur immer erneut darum bitten, dass er bei seiner Kirche bleibt, dass das Evangelium verkündigt und geglaubt wird. Er allein ist unsere Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Gott sei Dank dafür.

Gebet
Lasst uns beten:
Wir danken Dir, himmlischer Vater, dafür dass Dein Evangelium auch heute verkündigt wird. Lass deine Kirche allein dabei bleiben und gib, dass ihre Botschaft viele Menschen erreicht und ihnen zur Zuversicht und Stärke in allen Nöten wird.
Wir bitten dich, lass deine Kirche von diesem Evangelium geprägt sein und den vielen, die heute von dir nichts wissen wollen, zeigen, dass es allein Zuversicht und Stärke ist in allen Nöten, die uns treffen.
Darum bitten wir Dich um den Frieden in der Welt. Mach doch dem Krieg in der Ukraine ein Ende. Lass unsere Regierung in Verantwortung vor dir die richtigen Entscheidungen treffen. Nimm von uns die Sorgen vor dem nächsten Winter.
Wir befehlen uns und unsere Lieben Dir an. Lass uns am Glauben festhalten und dich bezeugen. Steh uns bei, wenn uns Schweres belastet.

Gemeinsam beten wir:
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen
Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig,
der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Amen.

Es wünscht Ihnen einen gesegneten Sonntag Karl-Hermann Kandler

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