Andacht zum 19. Sonntag nach Trinitatis, 23. Oktober 2022

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Andacht zum 19. Sonntag nach Trinitatis, 23. Oktober 2022

22.10.2022

von Superintendentin Hiltrud Anacker

Liebe Leserinnen und Leser!
„Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste, was es gibt auf der Welt“ Dieses Lied singen „Die drei von der Tankstelle“. Der Film kam Anfang der 1930er Jahre in die Kinos. Die drei, das sind Willy, Hans und Kurt. Die Botschaft des Films: Auch wenn es ganz schlimm kommt, mit ei-nem guten Freund an der Seite ist alles halb so schlimm.
Die biblische Geschichte, um die es heute gehen soll, ist u.a. auch eine Freundschaftsgeschichte. Sie erzählt von einem Gelähmten, einem, der wirklich schlimm dran ist. Und er hat wirklich gute Freunde. Eine Behinderung, das war z. Z. Jesu eine Katastrophe. Oft blieb diesen Menschen nur das Betteln. Dieser Mann hat nichts mehr zu verlieren, er hat ja nichts, außer seine Freun-de. Die ließen ihn nicht im Stich. Sie hören: Jesus kommt. Das hören aber nicht nur sie. „Alle Welt“ strömt hin. „Jesus, der kann wirklich zu helfen.“ Das glauben die Freunde. Also ziehen sie los und nehmen ihren gelähmten Freund mit. Haben sie ihn überhaupt gefragt? Vielleicht. Ihm wird mulmig zumute gewesen sein. Die Freunde sind entschlossen: Da sie nicht ins Haus reinkommen, brechen sie kurzerhand ein Loch in die Decke. Was der Hausbesitzer dazu sagt, ist ihnen gleichgültig. Egal ist ihnen auch, ob sie Jesus bei seiner Predigt unterbrechen. Was die anderen von ihnen denken, wenn es von oben Staub rieselt? Es schert sie nicht. Sie wollen nur eines: Ihrem Freund soll es gut gehen.
Wahre Freunde sind bereit, dem andern von der eigenen Kraft abzugeben, bei der anderen sein, auch wenn sie nicht Rampenlicht steht, sich einzusetzen, wo es notwendig ist.
Nun liegt der Gelähmte vor Jesus mitten unter Menschen, die sich ins Haus gedrängt haben. „Was passiert?“ werden die anderen gefragt haben. „Jesus, mach schon!“ dachten vielleicht ungeduldig die Freunde. Und der Gelähmte war vermutlich peinlich berührt. Da spricht Jesus den Gelähmten an: „Deine Sünden sind dir vergeben.“ – Was soll das denn? Schon regen sich ein paar der Umstehenden auf, allerdings anders als erwartet: „Darf der denn das? Maßt er sich damit nicht an, Gott zu sein?“ Markus, der die Geschichte in seinem Evangelium erzählt, stellt eine wichtige Frage: Was ist Gesundheit? Er kommt zu der Antwort, dass Leib und Seele zusammengehören. Stellen Sie sich noch einmal den Gelähmten vor. Vielleicht hat er gedacht: „Wieder einmal so ein arroganter Kerl.“ oder „Lasst mich doch alle in Ruhe, das ist peinlich!“ Es könnte sein, er war nicht gut auf Gott zu sprechen in seiner verzweifelten Situation – und ich könnte das gut verstehen. Markus aber will erzählen: Wichtiger als die körperliche Gesundheit ist, mit Gott im Reinen sein. Das Wort „Sünde“ bedeutet „Trennung“. Jesus will, den Gelähmten mit Gott ins Reine bringen. Leib und Seele bilden eine Einheit, wenn es um unser Wohlbefinden geht. Jesus kümmert sich zuerst um die Seele. Den Körper heilt er dann so ganz nebenbei auch. Auf seinen eigenen Beinen verlässt der Mann das Haus.
Was werden die Freunde hinterher gemacht haben? Bestimmt haben sie diskutiert über das, was sie erlebt hatten. Es ist ein Segen, gute Freunde zu haben. Mit ihrer Aktion hatten sie viel mehr erreicht, als sie sich ursprünglich gewollt hatten. Ich stelle mir vor, dass sie vor lauter Freude gefeiert haben. Diese Geschichte mussten sie weiter erzählen, die Geschichte, dass bei
Gott beides wichtig ist: Leib und Seele. Das wichtigste aber ist, mit Gott im Reinen zu sein. Amen.

Gebet
Herr, unser Gott, wir danken dir, dass du kein ferner Gott bist, weit weg von uns und gleichgültig gegenüber unseren Problemen und Sorgen. Du hast ein offenes Ohr für die Klagen und Hoffnungen der Menschen.
Darum bitten wir dich für alle, die nicht mehr innehalten können, die gefangen sind in Hektik und Betriebsamkeit und darüber die Sorge für ihren Leib und ihre Seele vergessen. Lass sie Ruhepunkte in ihrem Leben entdecken.
Wir bitten für alle, die unter der Last ihres Lebens leiden, die einsam sind in Krankenzimmern, Kliniken und Seniorenheimen. Lass sie Liebe und Aufmerksamkeit finden.
Wir bitten für die, die in sich selbst gefangen sind und sich wie gelähmt vorkommen. Lass sie durch andere Menschen Hilfe und Aufrichtung erfahren.
Wir bitten für alle, die nicht mehr weiterwissen und aus ihren Nöten keinen Ausweg mehr sehen. Lass sie neuen Mut schöpfen und sich für unbekannte Wege öffnen.

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen
Es segne und behüte Dich Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Herzlich grüßt Sie
Hiltrud Anacker, Superintendentin

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