Andacht zum 17. Sonntag nach Trinitatis, 9. Oktober 2022

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Andacht zum 17. Sonntag nach Trinitatis, 9. Oktober 2022

08.10.2022

von Pfarrer Justus Geilhufe

Bibeltext
1Hört mir zu, ihr Inseln, und ihr Völker in der Ferne, merkt auf! Der Herr hat mich berufen von Mutterleibe an; er hat meines Namens gedacht, als ich noch im Schoß der Mutter war. 2Er hat meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht, mit dem Schatten seiner Hand hat er mich bedeckt. Er hat mich zum spitzen Pfeil gemacht und mich in seinem Köcher verwahrt. 3Und er sprach zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, durch den ich mich verherrlichen will. 4Ich aber dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unnütz. Doch mein Recht ist bei dem Herrn und mein Lohn bei meinem Gott. 5Und nun spricht der Herr, der mich von Mut-terleib an zu seinem Knecht bereitet hat, dass ich Jakob zu ihm zurückbringen soll und Israel zu ihm gesammelt werde – und ich bin vor dem Herrn wert geachtet und mein Gott ist meine Stärke –, 6er spricht: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten Israels wiederzubringen, sondern ich habe dich auch zum Licht der Völker gemacht, dass mein Heil reiche bis an die Enden der Erde. (Jesaja 49,1-6)

Liebe Leserinnen und Leser,
der Predigttext für diesen Sonntag ist eine Art Lied. Jesaja, einer der großen Propheten aus dem Alten Testament singt darin von seiner Berufung. „Von Mutterleibe an“ hatte ihn Gott ausge-wählt und seinen Mund „wie ein scharfes Schwert gemacht“. „Zum spitzen Pfeil“ wurde Jesaja und das obwohl er oft dachte er „arbeitete vergeblich und verzehrte seine Kraft umsonst“.
Kürzlich saß ich zusammen mit einem Ehepaar. Er kam aus Eggesin. Manche von Ihnen werden es vom Hören kennen. Eggesin war eine Stadt mit einer großen Panzerdivision. Und der Mann erinnerte sich: „Unser Pfarrer hatte es schwer“. Unvorstellbar, wie es damals in diesen Pfarrern, in den Christen solcher Städte ausgesehen haben muss. Wenn Monat für Monat hunderte vom Staat, den Offizieren, den Lehrern und vielen anderen zu Kirchenaustritt bewegt wurden. Und alles, was man machte, nichts dagegen war. Jede Taufe wurde von zig Austritten aufgewogen, zunichte gemacht.
Aber wer von uns war schon in Eggesin? Wie es in diesem Pfarrer dort ausgesehen haben mag, das wissen wir nicht. Jesaja weiß es. 3000 Jahre vor unserer Zeit nimmt er genau diese Erfahrung vorweg. „Ich aber dachte ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unnütz.“ Ein Trost zu wissen, dass es andere Gläubige Menschen gab, denen es genauso ging. Menschen, die an Gott festgehalten haben, obgleich das Leben hart war. Oder hat Gott an ihnen festgehalten?
Der Prophet Jesaja formuliert es ganz eigen und doch berührend echt. Er schreibt: „Mein Recht ist bei dem Herrn und mein Lohn bei meinem Gott.“ Das ist die gute Botschaft in allem unseren christlichen arbeiten. Das Recht, das heißt die Kraft, das Vollbringen, die Wahrheit unseres Tuns liegt bei Gott. Was wir hier uns verzehren, am Ende ist es Gott, der alles bestimmt und uns am Ende der Zeit den Sinn hinter allem erklärt.
„Mein Recht ist bei dem Herrn“ heißt aber auch, dass Gott hier etwas tut, was im Letzten doch auch unglaublich ist. Wie der alte Mann nun von Eggesin erzählte, erzählte er auch von der Jubelkonfirmation. Wie sie da wieder zusammen saßen. Nach 50 Jahren und noch mehr. Und die Kirche stand noch an ihrem Ort. Ein neuer Pfarrer segnete sie ein. Die Kirchgemeinde war noch da. Ich schaue ihn an und sage: „und das bestimmt nicht aus unserer Kraft heraus...“ und er lächelt zurück: „Nee! Ganz sicher nicht!“

Gebet
Herr wir bitten dich, dass wir nicht verzweifeln, wenn wir scheinbar nicht vorwärts kommen. Wenn alles, was wir tun wollen, nicht auszureichen scheint. Gib uns die Kraft deines Geistes zu sehen und zu glauben, dass das Recht und die Macht und unser Lohn bei dir sind. Jetzt und allezeit.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.

Segen
Der Herr segne und beschütze dich.
Der Herr erhelle das Dunkel, daß du seinen Weg mit dir erkennst.
Er habe mit dir Erbarmen und bleibe dir zugewandt.
Der Herr gebe dir das Leben,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Herzlich grüßt Sie
Justus Geilhufe, Pfarrer

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