Andacht zum 1. Sonntag nach Ostern (Quasimodogenitis), 7. April 2024

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Andacht zum 1. Sonntag nach Ostern (Quasimodogenitis), 7. April 2024

06.04.2024

von Superintendentin Hiltrud Anacker

Es war Abend geworden an jenem Sonntag. Die Jünger waren beisammen und hatten aus Angst vor den führenden Juden die Türen abgeschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: “Frieden sei mit euch!” Dann zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Als die Jünger den Herrn sahen, kam große Freude über sie...
Als Jesus kam, war Thomas, genannt der Zwilling, einer aus dem Kreis der Zwölf, nicht dabei gewesen. Die anderen Jünger erzählten ihm: "Wir haben den Herrn gesehen!" Thomas sagte zu ihnen: "Niemals werde ich das glauben! Da müsste ich erst die Spuren von den Nägeln an seinen Händen sehen und sie
mit meinem Finger fühlen und meine Hand in seine Seitenwunde legen – sonst nicht!"
Eine Woche später waren die Jünger wieder im Haus versammelt und Thomas war bei ihnen. Die Türen waren abgeschlossen. Jesus kam, trat in ihre Mitte und sagte: “Frieden sei mit euch!” Dann wandte er sich an Thomas und sagte: “Leg deinen Finger hierher und sieh dir meine Hände an! Streck deine Hand aus und lege sie in meine Seitenwunde! Hör auf zu zweifeln und glaube!” Da antwortete Thomas: “Mein Herr und mein Gott!” Jesus sagte zu ihm: “Du glaubst, weil du mich gesehen hast. Freuen dürfen sich alle, die mich nicht sehen und trotzdem glauben!” (Johannesevangelium 20, 19 - 20.24 - 29)

Liebe Leserinnen und Leser!

Wie soll es nur weiter gehen?
Sie sitzen hinter verschlossenen Türen. Sie halten keine geheime Sitzung ab. Sie haben schlicht Angst. Die anderen hatten Jesus aus dem Verkehr gezogen. Die Hinrichtung war noch gar nicht so lange her, vor zwei Tagen erst. Als wäre das nicht schon schlimm genug, hatte Maria Magdalena etwas ganz Merkwürdiges erzählt. Sie war zum Grab gegangen und hatte es leer vorgefunden. Natürlich waren ein paar von ihnen sofort hingelaufen, um nachzuschauen. Das Grab war tatsächlich leer gewesen. Ein paar Tücher hatten sie noch gefunden, nichts weiter. Wo war der Leichnam Jesu hin? Was war da bloß los? Alles sehr merkwürdig! Wie sollte es mit ihnen weiter gehen? Würden nun auch sie abgeholt werden? Schließlich waren sie mit ihm als seine Jünger durch die Lande gezogen. Sie hatten sich nun wahrlich nicht versteckt. Besser, sie tauchen für eine Weile unter, bis sich alles beruhigt hat. Sie, das sind die Freunde Jesu, allen voran Petrus. Sie sitzen zusammen, beraten sich, schweigen vielleicht auch ratlos miteinander und vor allem, sie fürchten sich. “Friede sei mit euch” hören sie. Und sie erkennen ihn: Jesus.
Die Bibel beschreibt in schlichten Worten, was so schwer zu verstehen ist: Die Auferstehung Jesu, den Sieg über den Tod, wie es immer heißt. Nein, es geht nicht um Unsterblichkeit, es geht um ein verwandeltes Leben, von Gott geschenkt - eben Auferstehung. Das muss man erst einmal verdauen. Sie erkennen den Auferstandenen an seinem Gruß: “Friede sei mit euch.” Sie sehen - besser - sie erkennen ihn mit eigenen Augen. Eine große Last fällt ihnen von der Seele. Das werden sie später nicht müde zu bezeugen.
Thomas war nicht dabei. Wer weiß, was er gerade anderes zu tun hatte. Als er die Geschichte von den Freunden hört, glaubt er sie nicht: Das kann nicht sein! Er ist in die Geschichte als der Zweifler eingegangen. Verdenken kann man es ihm nicht. Als sich die Szene wiederholt, hört auch er das “Friede sei mit euch.”
Seit dem sind an die 2000 Jahre vergangen. Noch immer lebt die Menschheit in einer friedlosen Welt. Noch immer hören und erleben wir Gewalt und Ungerechtigkeit. Wo bleibt der Frieden? Wie soll es weiter gehen?
Jahr für Jahr feiert die Christenheit Ostern als Fest der Auferstehung. Es ist etwas besonderes, die Osternacht mitzuerleben: Das Osterlicht und der anbrechende Tag. Eine Woche nach Ostersonntag ist inzwischen wieer der Alltag eingekehrt. Die Osterbotschaft von der Auferstehung aber darf nicht
verstummen! Diese Hoffnung lässt es heller werden, wenn mehr Menschen, wenn auch ich mich um Frieden bemühe. So kann es gut weiter gehen gegen allen Zweifel!

Gebet
Barmherziger Gott,
du hast uns erfüllt mit österlicher Freude:
Hilf, dass sie in uns lebendig bleibe und ausstrahle in die Welt.
Durch unsern Herrn Jesus Christus, deinen Sohn,
der mit dir und dem Heiligen Geist lebtund gepriesen wird in alle Ewigkeit.
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen
Es segne und behüte dich der barmherzige Gott: Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Friede sei mit Euch!

Herzliche Grüße
Hiltrud Anacker, Superintendentin

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