20.09.2026
über Markus 1,16-20 (Lut17); gehalten im Bürgerhaus Kleinwaltersdorf im Rahmen des Altweibersommerfestes (mit Kirchenvorstandswahl) von Dr. Gunnar Wiegand, Pfarrer des Freiberger Doms
Text der Verkündigung Markus 1,16-20 (Lut17)
Impuls: Netzspiel. Ein Wollfaden wird in einem Kreis hin- und hergeworfen, bis ein großes Netz entsteht.
Liebe Kinder, liebe Eltern, liebe Großeltern, liebe Gemeinde,
Schaut euch dieses Netz an, das wir gerade miteinander gespannt haben.
Am Anfang war da nur ein Wollknäuel. Ein einzelner, dünner Faden. Man konnte sich kaum vorstellen, was daraus werden würde. Aber dann wurde er von einem Menschen zum nächsten weitergegeben. Jeder hat seinen Teil festgehalten. Jeder und jede war wichtig. Und auf einmal ist ein großes Netz entstanden, das alle miteinander verbindet.
Als wir eben das Evangelium gehört haben, kamen darin ebenfalls Netze vor. Simon und Andreas werfen ihre Netze aus. Jakobus und Johannes flicken ihre Netze. Für die Fischer waren Netze lebenswichtig. Mit ihnen fingen sie die Fische, von denen sie sich ernährten. Sie wussten: Ein Netz besteht aus vielen Knotenpunkten und Haltepunkten. Und wenn die Fäden gut miteinander verbunden sind, kann das Netz tragen und halten.
Und solche Leute beruft Jesus. Diese Typen wussten, wie so ein Netz funktioniert… und wie wichtig es für die eigene Existenz ist, für das eigene Überleben. Und nun ruft sie Jesus, macht aus diesen einzelnen Fischern eine kleine Gemeinschaft. Aus Simon und Andreas, aus Jakobus und Johannes. Später kommen noch viele andere dazu. Männer und Frauen, Jüngere und Ältere, Menschen mit unterschiedlichen Geschichten und Begabungen. Sie werden Jüngerinnen und Jünger Jesu… aus Fischern werden Menschenfischer, aus Fischern wird eine Glaubensgemeinschaft um Jesus.
Und so etwas im Kleinen erleben wir heute hier zum Altweibersommer. Schaut noch einmal auf unser Netz. Keiner von uns ist genau wie der andere. Hier waren Kinder neben Erwachsenen, Jugendliche neben Senioren. Manche können gut organisieren, andere zuhören. Manche packen kräftig mit an, andere haben kreative Ideen. Manche stehen gern im Mittelpunkt, andere wirken lieber im Hintergrund. Und doch braucht es jede Einzelne und jeden Einzelnen… so wird eine Gemeinschaft.
Der Altweibersommer zeigt uns dafür ein wunderschönes Bild. Wenn morgens die Sonne über die Felder scheint, entdecken wir die feinen Spinnenfäden in der Luft. Manchmal hängen ganze Netze zwischen Sträuchern und Bäumen. Sie glitzern im Licht wie Silber. Sie wirken zerbrechlich und leicht. Einfach herrlich zu sehen, wie sorgfältig sie gewebt sind und wie viel sie aushalten. Erst am Montag habe ich bei einer kleinen Wanderung ein solches Netz einer Kreuzspinne im Sonnenschein bewundert.
Ja, Gemeinschaft… Schön wie das Netz einer Spinne. Stabil wie das Netz in einem Fußballtor. Stark wie das Netz der Fischer am See Genezareth.
Auch hier in Kleinwaltersdorf erleben wir an diesem Wochenende solche Netze der Gemeinschaft. Beim Dorffest haben viele Menschen mit angepackt. Einige haben geplant und organisiert. Andere haben aufgebaut, dekoriert, Kuchen gebacken, Musik gemacht oder Gäste empfangen. Manche waren schon Wochen vorher beschäftigt, andere helfen ganz praktisch vor Ort. Und seit Freitag wird gefeiert: mit den Meppelkisten, Musik, Tanz und vielen Begegnungen. Gestern standen die Altweibermühle und das Meppelkistenrennen im Mittelpunkt. Heute lädt das Familienprogramm mit Märchen, Luftakrobatik und vielen weiteren Angeboten Jung und Alt zum Mitmachen ein. Ein großes fröhliches Fest.
Genauso ist es in unserer Kirchgemeinde. Mopedgottesdienst und Schulanfangsgottesdienst am Schuljahresbeginn, das Gemeindefest vor zwei Wochen, die Nacht der Kirchen in Freiberg, Tag des offenen Denkmals, Konzerte, wie am letzten Sonntag in der Kirche hier in Kleinwaltersdorf… und heute wählen wir einen neuen Kirchenvorstand. Kirche lebt davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen. Dass sie Entscheidungen treffen, Ideen entwickeln, beten, mitdenken und mitarbeiten… für die Gemeinschaft unserer Gemeinde
Schaut noch einmal auf unser Wollnetz. Wenn ein Mensch daran zieht, merken es alle. Wenn jemand loslässt, verändert sich das ganze Netz. So ist es auch im wirklichen Leben. Wir sind stärker miteinander verbunden, als wir oft denken.
Wenn einer traurig ist, braucht er Menschen, die ihn tragen. Wenn einer sich freut, dürfen andere sich mitfreuen. Wenn jemand Hilfe braucht, soll er wissen: Ich bin nicht allein. Genau dazu ruft Jesus seine Jünger. Er sagt: „Kommt, folgt mir nach. Geht miteinander. Tragt einander. Bildet eine Gemeinschaft…“ Als Christen und Christinnen, als Familien, als Kirchgemeinde – eingebettet in die Dorfgemeinschaft Kleinwaltersdorf – gehören wir zusammen: als Menschen, die von Gott geliebt sind.
Darum dürfen wir heute dankbar sein: für dieses wunderbare Fest des Altweibersommers, für die Gemeinschaft unserer Gemeinde, für alle Menschen, die unser Leben tragen und bereichern. Und wir dürfen Gott bitten, dass er die Fäden, die uns verbinden, fest und stark macht. Damit niemand durchs Netz fällt und jeder seinen Platz darin findet. Denn viele Fäden miteinander werden zu einem starken Netz.
Amen.
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