Predigt zum Berggottesdienst auf dem Freiberger Obermarkt am 25. Juli 2021

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Predigt zum Berggottesdienst auf dem Freiberger Obermarkt am 25. Juli 2021

02.08.2021

gehalten von Pfr. Dr. Michael Stahl

Liebe Gemeinde dieses Berggottesdienstes, liebe Gäste,
mit „Glück auf“ grüßt man sich hier in Freiberg. Aus meiner Kind- und Jugendzeit im Erzgebirge ist mir der Gruß vertraut, auch wenn er dort ein bisschen anders klang und bis heute klingt: „Gliggauf“.
In Freiberg grüßt man hochdeutsch.
Mit „Glück auf“ grüßten sich die Bergleute in Sachsens seit dem 16. Jahrhundert. Sie wünschten sich Gelingen für ihre Arbeit: das Glück, dass ein Erzgang sich auftue; und sich wünschten sich eine glückliche Fahrt:
Bewahrung beim Ein- und Ausfahren und am Ort; das Glück, wieder nach Hause zu kommen nach der Schicht.
Fundglück, Wohlergehen, Bewahrung, in und mit dem allen: Segen – das verbindet sich mit dem Gruß „Glück auf.“ „Glück“ hatte und hat viele Bedeutungen. Schon immer verstanden Menschen mehr darunter als einen glücklichen Zufall. In früheren Zeiten wussten sie aber vielleicht besser als wir heute, dass niemand seines eigenen Glückes Schmied ist, sondern dem Glück etwas Unverfügbares anheftet. Am ehesten liegt es in unseren Händen, etwas zum Glück anderer beizutragen, und sei es allein durch den ernstgemeinten Gruß oder vielleicht das begleitende stille Gebet.
Das Wort „Glück“ kommt auch in der Bibel vor, aber deutlich seltener als man vielleicht meinen mag. In der Lutherbibel taucht der Begriff gerade mal an 7 Stellen auf und steht für Gelingen, für Wohlergehen, aber auch für noch Größeres: für das Heil, den Frieden, hebräisch für Schalom. „Wünscht Jerusalem Glück“, übersetzt Luther im 122. Psalm. „Wünscht Jerusalem Schalom“ heißt es wörtlich. Und tatsächlich hören wir auch da einen Gruß, mit dem die Pilger im Psalm die Stadt Jerusalem begrüßen sollen und mit dem sich Menschen bis heute in Teilen der Welt, vor allen in Israel begrüßen: „Schalom“. „Heil, Frieden, Ruhe, Wohlfahrt“ stecken in diesem Wort: alles, was den Grund legt für ein gutes Leben; alles, worum Menschen Gott bitten, wenn sie ihn anrufen um das „tägliche Brot“, was wir im Kern als Segen Gottes verstehen.
Das Wort, der Gruß „Schalom“ begegnet in diesem Jahr im Straßenbild Freibergs. Mit dem Festjahr „Schalom Freiberg“ erinnert die Bergstadt an 1700 Jahre Judentum in Deutschland und ca. 800 Jahre jüdischen Lebens hier vor Ort. Zahlreiche Veranstaltungen sind dem gewidmet, obgleich oder gerade deshalb, weil es Jüdinnen und Juden hier besonders schwer hatten, Fuß zu fassen. Über 300 Jahre lang galt in sächsischen Bergstädten ein Zuzugsverbot für Menschen jüdischen Glaubens. Die wenigen Familien, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ansiedelten, litten schon bald unter antisemitischer Hetze, Entrechtung und Verfolgung. Die meisten von ihnen wurden, nachdem sie die Stadt verlassen hatten, aufgegriffen, deportiert und ermordet. Ob seinerzeit der weithin christlichen Bevölkerung Freibergs ein „Glück auf“ gegenüber Jüdinnen und Juden über die Lippen gekommen ist?
„Glück auf“ und „Schalom“, zwei Grußformeln mit ganz unterschiedlicher Herkunft und doch einer im Kern gemeinsamen Bedeutung: Heil, Frieden, Ruhe, Wohlergehen, Bewahrung; am Abend wohlbehalten nach Hause kommen und satt zu werden; ohne Angst vor der Nacht oder dem nächsten Morgen schlafen zu können; leben zu können von den Früchten der Arbeit. Diese Wünsche, Hoffnungen, Sehnsüchte verbinden uns als Menschen über Religionen und Herkunft hinweg, „Gligg auf“, das ist für mich seit Kindestagen ein warmer, ein verbindender Gruß – ein bergmännisch geprägtes Schalom. Wünschen wir uns im Alltag auf diese Weise Bewahrung und Wohlergehen und lassen wir uns zugleich an unsere eigene Bedürftigkeit erinnern: an die Wünsche, Hoffnungen und Sehnsüchte, die uns als Menschen miteinander verbinden, deren Erfüllung wir nicht in der Hand haben, aber zu deren Verwirklichung bei unserem Nächsten wir beitragen können.
L.: Und der Schalom Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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