Predigt zum 9. Sonntag nach Trinitatis, 2. August 2026

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Predigt zum 9. Sonntag nach Trinitatis, 2. August 2026

02.08.2026

über Jeremia 1,4-10 (Lut17); gehalten in der Kirche Schmannewitz von Dr. Gunnar Wiegand, Pfarrer des Freiberger Doms

Der Predigttext Jeremia 1,4-10 (Lut17) war zugleich Lesung des Alten Testaments

Liebe Gemeinde,

es ist Ferienzeit… Zeit für den Urlaub… vielleicht hier in der Dahlener Heide oder sie waren schon unterwegs… der Urlaub kommt noch… Es ist Urlaubszeit, Ferienzeit… Zeit für die Familie, Zeit für einen Besuch bei den Eltern…

Die vertrauten vier Wände… die Brötchen vom Lieblingsbecker am Morgen… das alte Zimmer… der Geruch der Tapeten… der Lieblingskuchen zur Kaffeetafel am Nachmittag… der herrliche Garten mit den schönen Blumen… Gefühl der Geborgenheit… die Mutter, der Vater, die Freunde… die alten vier Wände… das eigene Dorf… einfach Heimat…

Dagegen: das Leben in Verantwortung… im Beruf… an einem anderen Ort… vielleicht in einer lauten Großstadt… Lärm… Autos… der tägliche Weg ins Büro oder and en Arbeitsplatz… die Herausforderungen im Alltag… viele Unternehmen müssen sich umstrukturieren… vielleicht die Angst, dass es einen selber erwischt… ja, auch wir als Kirche sind ja betroffen… Baumoratorium… Einstellungsstopp beim Personal im Verkündigungsdienst… von Krisen in der Welt – erfahren wir viel über die Medien… oder spüren die hohen Benzinpreise doch auch ganz unmittelbar im eigenen Geldbeutel.

Oder die Kehrseite der Familienidylle… wenn kein Urlaub ist, wenn keine Ferien sind… die täglichen Sorgen im Alltag... bei den Kindern die Schule… die vielen Termine… dann wieder Krankheiten…

Ja hier die schöne Ferienzeit… dort der oft harte Alltag… gibt es eine Brücke? … wie kann ich „wie in einem Mutterleib“ doch im Leben getragen sein? … dieses Leben aushalten? … mit allen Herausforderungen und Krisen?

Ich stelle mir vor: da ist dieser Prophet Jeremia… ein Mann mit einer behüteten Kindheit… wie muss auch er diese Kindheit, die Mutter, die Heimat geliebt haben… gleich zweimal erwähnt er seine Mutter zu seiner Berufung als Prophet… Idylle auch bei ihm… er will sie gerne halten…

Und auf der anderen Seite dann doch die knallharte Realität… sie schillert schon am Beginn seines Prophetenbuches durch… er legt diese harte Realität, geprägt von Kriegen Gott in den Mund: 10Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.“ … er kündigte die Eroberung Jerusalems und das Exil des Gottesvolkes an… seine Prophezeiungen erfüllten sich… die Babylonier brachten mit Krieg, Zerstörung und Deportation schweres Leid über die Bevölkerung…

In anderen Worten: dieser Mann lebte in einer noch krasseren Diskrepanz zwischen dem Gefühl der vertrauten, geborgenen Heimat, dem Mutterleib und der zerstörerischen Realität… der Verlust dieser Heimat…

Wie schafft er eine Verbindung zwischen seiner heimatlichen Komfortzone und der furchtbaren krisenhaften Realität seiner Zeit?...

er bringt sie von Anfang an mit… er trägt sie in sich… schon weit vor seiner Geburt… das ihm vorbestimmte Leben von Gott… das von ihm vorbestimmte Leben aus der Berufung als Prophet Gottes… er will sich diesem furchtbaren Leben gar nicht stellen: Ach, Herr Herr, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung…. Und Gott gibt zurück: Du kannst gar nicht zu jung sein… denn ich habe dich schon immer für diesen Weg in der Welt vorherbestimmt… In Jesajas Worten: 5Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker…

Ich verstehe das so: versetze dich in dieses wunderbare Gefühl Deiner Heimat… in Deinem Väterlichen- und Mütterlichen Haus… diese Geborgenheit… und dann setze noch eines drauf: die Geborgenheit… das Getragensein von Gott selbst… der Glaube… er trägt dich durch die Wirren Deines Lebens… er trägt Dich durch die dunkelsten Momente Deiner Krisen und Herausforderungen… bei Jeremia gibt er sogar soviel Kraft, auf der höchsten Ebene der Politik mitzumischen…

Liebe Gemeinde,

mein erster Gedanke war: na was predigt man einer Gemeinde, wenn es um die Berufung zum Predigen geht?... müsste da nicht eher eine Gemeinde aus Pfarrern vor mir sitzen?... soll ich denen jetzt mitgeben, dass sie wie die Propheten predigen sollen?...

Es ist doch nicht jede und jeder zum Propheten geboren… und es ist auch nicht eines jeden oder einer jeden Aufgabe zu predigten… aber jede und jeder hat sein Leben… mit seinen ganz eigenen Herausforderungen, den Pflichten und Aufgaben… diese werden durch Jeremias Worte nicht weniger… aber sie werden erträglicher… denn sie werden zu einer von Gott gut geheißenen Aufgabe… und am Ende steht nicht die Zerstörung, sondern das Gute: 8Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr… und …du sollst bauen und pflanzen“… Als ich vor ca. zwei Wochen durch Danzig gegangen bin, war vor mir eine Frau…. Sie hat ein T-Shirt getragen. Da stand ein Spruch drauf, den ich großartig fand. „to the person behind me: you are amazing, beautiful and enough. Remember that… (an die Person hinter mir: Du bist beeindruckend, schön und genug. Erinnere dich daran!)

Und dann sind da ja auch noch diese blöden Krisen in unserer Zeit… sind diese Krisen real? Wie real sind sie? Oder erzeugt sie doch eher unser verrückter medialer Konsum? Können wir ihnen die kalte Schluter zeigen oder ist es naiv die Krisen zu ignorieren? Aber was tun?... In Aktivismus verfallen? Gar nichts tun?... in jedem Fall ist da Verunsicherung… und auch die Einsicht, dass niemand diese Situationen alleine ändern kann…

Gott hat jede und jeden schon vor Anbeginn der Zeit gekannt... ihr oder ihm eine Rolle zugewiesen… und er hat uns dadurch den Glauben gegeben an seinem Werk mitzuwirken… ihn zu verkündigen… im Frieden und im Vertrauen… im Glauben an diesen Verborgenen Schatz im Acker… (wie wir es im Evangelium gehört haben…) er ist uns durch Jesus verheißen… bleiben wir fokussiert!

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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