Predigt zum 3. Sonntag nach Ostern (Jubilate), 25. April 2021

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Predigt zum 3. Sonntag nach Ostern (Jubilate), 25. April 2021

25.04.2021

zu Apostelgeschichte 17, 22 - 34; gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer zum Konfirmationsgottesdienst

Liebe Konfirmanden, liebe Eltern und Paten, liebe Gemeinde,
ich habe mich heute hier auf die Tulpenkanzel gestellt, um zu Euch zu predigen. Von dieser Kanzel wird normalerweise nur zu den hohen Festtagen des Kirchenjahres gepredigt, also zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Heute aber ist für Euch ein hoher Festtag und das will ich damit deutlich machen. Heute Nachmittag wird es für manche von Euch allerdings gar nicht nach einem hohen Festtag aussehen. Es wird keinen festlich gedeckten Tisch in einem Restaurant geben. Die Gäste aus der Ferne mussten fortbleiben. Die Gäste aus der Nähe dürfen auch nicht bei Euch sein. Das ist natürlich traurig. Ich finde aber, das hat auch etwas für sich. Ihr seid dadurch nämlich ein ganz besonderer Konfirmationsjahrgang. Denn oft ist es ja so, dass der Gottesdienst doch eher so etwas wie der Auftakt zur Familienfeier ist. Da ist manchmal die Feier wichtiger als das, worum es im Kern der Sache geht. Bei Euch aber ist es durch die Schutzmaßnahmen genau umgekehrt. Das, worum es eigentlich geht, steht heute ganz und allein im Mittelpunkt: Eure Eltern haben für Euch entschieden, dass Ihr getauft werdet. Sie wollten Euch der Liebe Gottes anvertrauen. Heute macht Ihr Euch das zu Eigen. Ihr sagt Ja zu Eurer Taufe und zu Eurem Glauben an Jesus Christus. Ihr steht nun als mündige Christen in Eigenverantwortung vor Jesus Christus und sagt ja zu ihm. Das ist das Wesentliche! Bei Eurer Konfirmation heute – mitten in dieser Pandemie – steht das Eigentliche, das Wesentliche ganz und allein im Mittelpunkt. Damit seid Ihr etwas Besonderes!
Um das Eigentliche ging es auch dem Apostel Paulus auf dem Areopag. Die Griechen hatten damals für alle Lebenslagen einen Gott oder eine Göttin. Die Aphrodite war beispielsweise für Liebesdinge zuständig oder der Gott Mars für den Krieg. Für alle diese Götter gab es auch im alten Griechenland Statuen und Altäre. Der Apostel fand auf dem Areopag aber auch einen ganz anderen Altar. Der war dem „unbekannten Gott“ gewidmet. Die Griechen waren ja kluge Menschen. Sie waren sich nicht sicher, ob die denn auch wirklich alle Götter kannten, die sie da in ihrem Götterhimmel hatten. Es könnte ja sein, man hatte einen vergessen. Darum bauten sie vorsichtshalber auch dem unbekannten Gott einen Altar. Man wollte schließlich keinen Gott verärgern.
Paulus nimmt das auf und deutet es um. Er sagt zu den Griechen: Hier habt Ihr schon dem unbekannten Gott einen Altar geweiht. Dieser unbekannte Gott aber ist der eigentliche Gott und ich kenne ihn. Für mich ist er nicht unbekannt und für Euch eigentlich auch nicht. Denn er ist der Gott, der alles Leben erschaffen hat. Er ist der Gott, durch den wir leben. Mir ist er vor allem deswegen nicht unbekannt, weil er sich in Jesus Christus bekannt gemacht hat. Er ist der Gott, der uns durch Jesus Christus eingeladen hat, an ihn zu glauben. Darum hat er Jesus Christus nach seinem Tod am Kreuz von den Toten auferweckt.
Als sie von der Auferstehung der Toten hören, wird es den meisten der Zuhörer zwar zu bunt. Aber es gibt auch ein paar, die durch die Predigt des Apostels zum Glauben kommen. Sie sind nur wenige, aber sie bekennen sich nun zu Jesus Christus, so wie Ihr es heute tun werdet. Sie erfassen es intuitiv, dass Paulus hier den wahren Gott verkündigt. Sie spüren, dass er das predigt, was das Leben trägt. Sie erleben, dass es in den Worten des Paulus um das Eigentliche geht.
Seit Eurem ausgefallenen Konfirmationstermin, liebe Konfirmanden, ist die Zeit nicht weniger von der Pandemie geprägt gewesen als damals. Aber diese Zeit hat auch ihr Gutes. Sie hilft uns nämlich, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Gerade jetzt in den Beschränkungen durch die Epidemie spüren wir ja ganz deutlich, was trägt und was nicht, worauf es ankommt im Leben und worauf nicht.
Denn wir haben gelernt: Auf vieles kann man verzichten. Mal nicht in den Urlaub zu fliegen, lässt sich verschmerzen. Mal nicht in aller Ruhe und ohne Maske shoppen zu gehen, ist eigentlich kein Problem – sofern so etwas nicht der einzige Lebensinhalt ist.
Aber seiner Arbeit nicht nachgehen zu können, das ist ein Problem. Manche haben seit Monaten Kurzarbeit – von unseren Domladenmitarbeitern bis zu den Schauspielern im Theater. Das ist nicht nur des Geldes wegen schwierig, sondern weil die Arbeit dem Leben ja auch einen wichtigen Sinn gibt.
Die Menschen nicht treffen zu können, die uns am Herzen liegen, das ist ein Problem. Wer keine Familie hat, die mit ihm in einem Haushalt lebt, ist jetzt sehr allein. Indem wir sie vermissen, merken wir vielleicht viel mehr als vorher, wie enorm wichtig die Menschen sind, mit denen wir uns verbunden fühlen.
In einer solchen Lage nichts zu haben, woran man sich festhalten kann, das ist vor allem ein Problem. Manche halten ihre Angst nicht mehr aus und flüchten sich in absurde Verschwörungstheorien. Wir können als Christen froh sein, dass wir in unserem Glauben einen Halt haben, dem ein Virus nichts anhaben kann, und dass gegenseitige Rücksichtnahme uns Christen selbstverständlich ist.
Die Pandemie hat uns deutlicher als vorher sehen lassen, was das wirklich Wesentliche im Leben ist: eine Arbeit, die den eigenen Fähigkeiten und Begabungen entspricht und die einem darum Freude macht; Menschen, die zu einem gehören und auf die man sich in allen Lebenslagen verlassen kann und vor allem (!) der Glaube, der uns Halt und Orientierung im Leben gibt.
Diese Dinge sind das Entscheidende im Leben, das Wesentliche. So wie Eure Konfirmation heute an diesem Tag das Eigentliche und das Wesentliche ist.
Es gibt eine schöne Geschichte von einem Professor. Er wollte seine Studenten dazu ermutigen, sich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren und ihnen im Leben Priorität einzuräumen. Darum füllte er Sand in ein Glas, wie dieses hier. Der Sand stand für das, was wir gern machen, aber auch genauso gut lassen können: Abende bei Computerspielen oder vor dem Fernseher zu verbringen beispielsweise. Dann füllte er Kies in das Glas. Der stand für das, was wir alltäglich machen müssen, wie Einkaufen oder Hausaufgaben machen. Als er schließlich noch einige große Steine hineintun wollte, passten die nicht mehr hinein. Dabei standen diese für das Wesentliche im Leben. Dann schüttete er das alles wieder aus dem Glas und befüllte es neu. Zuerst legte er die großen Steine in das Glas. Dann füllte er den Kies hinein. Der sortierte sich zwischen den großen Steinen problemlos in die Lücken ein. Der Sand fand in den verbliebenen Zwischenräumen schließlich auch noch seinen Platz. Man muss nur die Prioritäten richtig setzen.
Ihr macht es heute richtig. Denn Ihr füllt heute den wichtigsten und den schönsten der großen Steine in euer Lebensglas, indem Ihr Euch zu Jesus Christus bekennt. Euch ist er kein unbekannter Gott; ihr kennt ihn – und er kennt Euch!
Amen.

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