Predigt zum 2. Sonntag nach dem Christfest, 4. Januar 2026

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Predigt zum 2. Sonntag nach dem Christfest, 4. Januar 2026

04.01.2026

über Jesaja 61.1-3.10.11 (Lut17); gehalten in der Annenkapelle des Freiberger Doms St. Marien von Dr. Gunnar Wiegand, Pfarrer des Freiberger Doms

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen. Stille…

Liebe Gemeinde,

mitten in der Kernzeit von Weihnachten zwischen den beiden Weihnachtsfesten 25. Dezember und 6. Januar kommen wir an diesem Sonntag zusammen, reißen uns ein letztes Mal vor dem Alltagstrott des neuen Jahrs aus den gemütlichen Weihnachtsstuben heraus. Morgen geht die Schule wieder los, die Arbeit bei den meisten auch… aber ich spüre da auch: das Ende der freudigen Tage ist da… die Gäste sind aufgebrochen, die Weihnachtsgans endgütlich verdaut, die Stollen- und Plätzchenreste gehen zur Neige, der Baum beginnt zu nadeln, und da stellt sich immer die Frage: wie lange können wir von der Heimeligkeit und der Freude der Weihnachtstage noch zehren… sie in den Alltag mit hineinnehmen… und vor allem, wie?

Liegen Ihre Geschenke noch unter dem Baum oder haben Sie den Baum schon längst entsorgt? Und wie war es denn Weihnachten bei Ihnen mit diesen Geschenken? Gab es echte Überraschungen? Gehören Sie zu denen, die sich an wertigen Gegenständen erfreuen? Oder haben Sie sich an bescheidenen Kleinigkeiten gefreut – wie es der allgemeine Trend ist… Nachhaltigkeit und Minimalismus? Ist die Freude heute noch oben auf oder sind die Gegenstände schon längst im Alltag integriert?

Der heutige Predigttext hat mich wirklich erstaunt in seiner Sinnenfreude… ein Text, der so im Kontrast zu unseren Tugenden des Minimalismus, der Bescheidenheit steht… ja ein sinnenfroher Gegensatz zu dem armen Jesus-Kind in der Krippe.

Da spricht zunächst ein Gesandter von sich, vor Selbstsicherheit strotzend: Der Geist Gottes des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat…“ und später: „Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt.“

Wie muss sich dieser Dichter an schöner Kleidung gefreut haben. Hat er einen jüdischen Priestermantel vor Augen gehabt? Reiche farbige Stoffe über und über mit Gold und Edelsteinen durchwirkt? … da steigt mir förmlich der Duft von Weihrauch in die Nase, wie sie am letzten Freitag die Sternsinger bei mir zuhause und in der Dienststelle verbreitet haben…

Oder waren es eher Brautkleider? Vom Kopfschmuck einer Braut spricht er. Ich sehe an einem herrlichen Sommertag eine Braut in weiß geschmückt… vielleicht auf dem Weg zur Kirche zum Altar zusammen mit ihren Angehörigen… und silbern oder golden glitzert und funkelt ein Geschmeide in den schön-frisierten Haaren… um dem Bräutigam zu gefallen.  

Funkelnder Schmuck, duftendes Freudenöl und elegante Kleider mögen Trauernde trösten! Was für ein Feuerwerk für die Sinne! Vielleicht ein bisschen oberflächlich… aber kann so ein Luxus nicht tatsächlich ablenken, die Sinne von der Trauer in Freude verwandeln? … da denke ich an so kleine Präsente im Alltag, eine liebe Geste, wenn es nicht gut geht… oder warum nicht: ja auch ein schönes wertiges Geschenk zu Weihnachten oder zum Geburtstag…

Unweigerlich erinnern mich diese Bilder an das Epiphanias-Fest, das wir übermorgen feiern – die herumziehenden Sternsinger habe ich schon erwähnt. Epiphanias-Fest … Erscheinungsfest… Dreikönigstag, ja ein königliches Fest: Es ist wirklich Gott, der in Christus in die Welt gekommen ist. Er herrscht wie ein König und wird wie ein König empfangen. Die Weisen aus dem Morgenland folgen dem Stern, um den neugeborenen König anzubeten, sie bringen ihm kostbare Geschenke… Gold, Weihrauch und Myrrhe…

Ja, da sind eben die beiden Seiten, die Weihnachten begleiten: die Armut der Krippe… unsere eigene Tugend der Bescheidenheit, des Minimalismus… aber dann ist da doch auch die fröhliche und sinnenfrohe Seite: Gloria in excelsis Deo… Gold, Weihrauch und Myrrhe… Arme Hirten und begüterte Weise aus dem Orient.

Doch zurück zu Jesaja: Der Auftrag des Gesandten im Buch Jesaja umfasst sieben Aufgaben – eine symbolische Zahl, die Vollendung ausdrückt. Seine Mission ist es, den Armen gute Nachrichten zu bringen und diejenigen zu trösten, deren Herzen gebrochen sind. Dabei geht es nicht um Alltagskummer, sondern um tiefe seelische Wunden, etwa durch Verlust und Zerstörung – wie sie Menschen empfinden, die nach Katastrophen oder Kriegen vor den Trümmern ihres früheren Lebens stehen. Diese Menschen zu heilen, ist ein zentraler Teil seines Auftrags.

Darüber hinaus soll der Gesandte Gefangene befreien und ein „Jahr des Herrn, des „Wohlwollens“ verkünden. Diese Vorstellung erinnert an das sogenannte Jobeljahr aus dem Alten Testament, in dem Schuldner freigelassen und ursprüngliche Besitzverhältnisse wiederhergestellt werden sollten. Es sollte soziale Gerechtigkeit wiederhergestellt werden.

Gleichzeitig spricht Jesaja auch von einem „Tag der Rache“. Dieses Wort bedeutet im Hebräischen nicht blinde Rache, sondern die Wiederherstellung gerechter Zustände, damit das Leben wieder erblühen kann – also eine Art göttliche Korrektur zum Wohl der Menschen.

Die letzten Aufgaben des Gesandten betreffen die Trauernden in Jerusalem: Er soll ihnen Trost bringen, ihre Trauer in Freude verwandeln und Zeichen der Würde und des Lebens schenken – Schmuck statt Asche, Freudenöl statt Trauer, Festkleidung statt Niedergeschlagenheit. Damit beschreibt der Text einen tiefgreifenden Wandel vom Leid zur Freude, vom Verlust zum neuen Leben.

Diese Liste liest sich so rund, so vollendet… ja so einfach und schön… mit all den sinnlichen Bildern der eleganten Kleidung… Aber genau das stimmt mich auch nachdenklich, traurig, macht mich ratlos… wie muss es den Angehörigen der verbrannten und verletzten Menschen in Crans Montana gehen? Wo ist denn das Ende der sozialen Ungerechtigkeit in unserem Land, ja in unserer Welt, in der sich einige wenige Reiche immer mehr bereichern? Wo ist denn das Ende der Kriege? Erst vorgestern habe ich einen Bericht über den Boom der Rüstungsindustrie in Tschechien gehört… aber nicht nur da… auch bei uns…

Ja, es geht um echte, durch Gerechtigkeit und Heilung begründete Freude. All dieses Schreckliche soll in Freude verwandelt werden. Doch wie kann das gehen?

Der Rest-Knopf ist es wohl nicht… eher eine Grundhaltung… verwurzelt im Glauben an Gott… an das Gute, dass all dieses Schreckliche nicht das letzte Wort hat. Der Evangelist Lukas hat diesen Jesaja-Ausschnitt erzählerisch noch einmal ganz anders verortet… Vielleicht ist Ihnen die Szene bekannt, die Lukas in seinem Evangelium schildert: Jesus kommt in seine Heimat Nazareth und besucht am Sabbat – wie es seiner Gewohnheit entspricht – die Synagoge. Man reicht Jesus eine Schriftrolle des Propheten Jesaja, und er liest daraus die alten Worte: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat und gesandt, zu verkündigen das Evangelium den Armen, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und die Zerschlagenen zu entlassen in die Freiheit und zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn".

Nachdem er gelesen hat, rollt Jesus die Schriftrolle zusammen, gibt sie dem Synagogendiener zurück und setzt sich. Die Aufmerksamkeit aller ist nun auf ihn gerichtet, als er sagt: „Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren.“

Eine eindrucksvolle Szene. Man kann die Spannung im Raum förmlich spüren – eine Mischung aus Staunen, Anerkennung und Skepsis. Besonders bemerkenswert finde ich, dass Jesus nicht ausdrücklich sagt: Ich bin der Gesalbte Gottes, der Gesandte. Stattdessen liest er schlicht den Text aus der Schrift und überlässt es seinen Zuhörern, selbst zu überlegen, wer mit diesem „Ich“ gemeint ist. Und genau dieser Jesus Christus hat vom Reich Gottes gesprochen, nicht nur mit Worten, sondern durch sein Handeln. Er hat Kranke gesund gemacht, Hungrige gespeist und Trauernden Trost geschenkt. Er hat Menschen, die Frieden stiften, Kinder Gottes genannt, Kinder gesegnet und niemanden übersehen – weder ungewöhnliche Gestalten noch anstrengende Leute. Er hatte Mitgefühl mit Ausgegrenzten und Schuldbehafteten und setzte sich mit ihnen an einen Tisch, um ihnen Wege aus ihren Verstrickungen zu eröffnen.

- Wir können ein schreckliches Unglück wie in der Schweiz nicht rückgängig machen.

- Wir können die soziale Ungerechtigkeit nicht von heute auf morgen ändern.

- Wir können die Kriege nicht einfach abschaffen.

Aber wir können kleine Schritte tun, dass die Welt um uns von Jesaja etwas von der guten Botschaft erfährt… im Handeln… in kleinen Gesten des Trostes der Solidarität oder des Gebets.

Und damit sind wir doch wieder bei der Frage: wie lange können wir von der Heimeligkeit und der Freude der Weihnachtstage noch zehren… sie in den Alltag mit hineinnehmen… ?

Der heutige Predigttext hat mich wirklich erstaunt in seiner Sinnenfreude… ein Text, der so im Kontrast zu unseren Tugenden des Minimalismus, der Bescheidenheit steht… ja ein sinnenfroher Gegensatz zu dem armen Jesus-Kind in der Krippe.

Wir leben in der Spannung zwischen dem armen Jesus-Kind in der Krippe und dem beschenkten Jesus-Kind. Ja der Messias steht in der Spannung zwischen Königtum und Armut, Stärke und Schwachheit. Unsere Welt ist in diese Spannung von Armut und Reichtum gestellt, von Schrecken und Freude…

Wo Gottes Geist wirkt, dort verwandelt sich Leid in Hoffnung und Zerstörung in neues Leben – Gott schenkt Heil, Gerechtigkeit und Zukunft, die nicht nur Einzelne aufrichtet, sondern die ganze Gemeinschaft erneuert. Und ich wünsche Ihnen, dass Sie diese frohe Botschaft mit in dieses Jahr hineinnehmen – vielleicht, wenn Sie bei Gelegenheit eines ihrer Weihnachtsgeschenke zur Hand nehmen?

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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