Predigt zum 1. Sonntag nach Ostern (Quasimodogeniti), 11. April 2021

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Predigt zum 1. Sonntag nach Ostern (Quasimodogeniti), 11. April 2021

12.04.2021

zu Johannes 21, 1 - 19; gehalten von Pfr. Justus Geilhufe

Liebe Gemeinde!
Wir haben ein ganz besonderes Osterfest hinter uns und der erste Sonntag danach, der Sonntag Quasimodogeniti, ist der Moment, in dem sich vielleicht zum ersten Mal entfalten kann, an wir zum ersten Mal wirklich ins Herz nehmen können, was für eine Bedeutung Ostern für uns eigentlich hat?
Das Evangelium macht eine Sache gleich zu Beginn deutlich. Mit Ostern wird die Welt nicht perfekt, mit Ostern kommt der Himmel nicht auf die Erde oder wird die Erde zum Himmel. Es scheint vielmehr als ginge das Leben völlig ungeachtet der Ereignisse in Jerusalem ganz normal weiter.
Bei Petrus heißt das, dass er wie so oft einmal wieder aufsteht und sagt:  „Ich geh Fischen“. Er zieht sich aus, steigt in sein Boot und fährt hinaus auf den See. So wie immer...Ostern bedeutet anscheinend auch Alltag.
Aber nicht nur das. Ob es nun an Petrus oder am See oder an den Fischen liegt. Wie so oft fängt Petrus einmal wieder nichts. Das scheint oft so zu sein. So lernen Petrus und Jesus sich ganz am Anfang ja kennen. Im Evangelium heißt es: „Sie Fingen nichts...“ Ostern bedeutet auch, dass unser Alltag immer wieder auch enttäuschender Alltag ist. Ach nach Ostern gelingt vieles nicht, auch nach Ostern scheitern wir an dem, was wir uns vornehmem.
Petrus fährt nach einer langen Nacht müde und abgekämpft wieder zurück ans Ufer. Frustriert und enttäuscht und am Ufer steht ein Mann, steht Jesus, der ihnen zuruft: „Kinder habt ihr nichts zu essen?“. Ostern bedeutet scheinbar auch weiterhin auf Gott angewiesen zu sein....
Aber was für eine Bedeutung hat Ostern dann? Wenn doch alles irgendwie gleich bleibt. Wenn Jesus zwar auferstanden ist aber am Ende Petrus auch einfach nur wieder fischen geht und nichts fängt....fischen geht und dabei wieder scheitert...
Ostern bedeutet für Petrus, in diesem Moment dem auferstandenen Herrn zu begegnen...Nicht einfach nichts zu fangen, nicht einfach leer auszugehen, nicht einfach zu scheitern, sondern in diesem Moment, in dem er nichts fängt, in dem Moment, in dem er leer ausgeht, in dem er scheitert, dem Auferstandenen zu begegnen... 

Das bedeutet Ostern!
Alltag heißt auch, es wieder allein schaffen zu wollen.  Und es wieder alleine schaffen zu wollen, heißt, es irgendwann einfach nicht mehr alleine zu schaffen.
Der Unterschied, den Ostern macht, ist, dass das Scheitern nicht im Nirgendwo endet. Sondern, dass wenn wir scheitern, wenn der Weg mal wieder lang ist und die Vorräte ausgehen, Jesus uns dabei zusieht und zuruft: Na Kinder, habt ihr nix zu essen?
Im Scheitern wartet Gott schon auf uns...Seit Ostern wartet Gott im Scheitern schon auf uns....
Er wartet aber im Scheitern nicht so als könnte man sagen, er ist da oder er ist dort...aber er wartet dort so, dass er eindeutig in unserem Leben ist... als der, der fragt, ob wir nichts zu essen haben. Wie bei der Großmutter, der Patentante oder der Mutter des besten Freundes, bei dem man früher im Garten spielen war und wenn man langsam Hunger bekam hörte wie jemand rief: Kinder habt ihr nichts zu essen? Und man die Großmutter nicht sehen musste und doch beim Hören schon wusste, dass jetzt etwas Schönes auf dem Küchentisch wartet. Wenn die Luft ausgeht, wenn der Hunger kommt, wenn wir aus eigener Kraft nicht mehr lange weiter können, wartet Gott schon längst auf uns...
Ich habe die ersten Wochen hier bei Ihnen hinter mir und die waren die letzten vor den Osterfeiertagen. Sie können sich vorstellen, dass ich da natürlich besonders hinter her war, die Dinge, grade an den hohen Feiertagen gut zu machen. Nicht nur, dass der erste Eindruck stimmt, sondern eben gut zu machen, dass die, die zum Gottesdienst kommen, etwas von Gott, von Jesus spüren, die Auferstehung erleben, ihre Bedeutung verstehen.
Den Palmsonntagsgottesdienst haben wir mit einer Prozession über den Friedhof begonnen. Das geschmückte Kreuz wurde voran getragen, ein Pony lief hinter her, die Konfrmanden, die Gemeinde alle hatten Zweige und wir gingen so gemeinsam in die Kirche.
Abgemacht war, dass das Pony nebem dem Eingang stehen bleibt und die Gemeinde daran vorbei in die Kirche einzieht. Aus irgend einem Grund entschied die Bäuerin, dass das Pony in den Altarraum mit einzieht. Da stand nun ein sichtlich nervöses Pony vor dem Groschirmaer Altar und konnte dort auch nicht mehr weg weil jetzt die ganze Gemeinde erst einmal in die Kirche einzog.
Und auf einmal hob das Tier den Schwanz....Die Bäuerin hat alles versucht aber es landete vor dem Altar.
Die ganze Prozession, die ich mir überlegt hatte, endete mit einem Haufen vor dem Altar....Die Prozession war sozusagen schief gegangen. Und in dem Moment merkte ich: Gott begegnet uns nicht dort, wo ich ihn in meinem Konzept von der Palmsonntagsprozession hinverortet habe. Er wartet genau dort, wo die Prozession aus dem Ruder läuft und das Pony vor den Altar macht und er ruft uns allen, die sich in dem Moment erschrecken, zu....Kinder...ich bin in einem Stall geboren. Ihr findet mich nicht dort, wo es schön und wunderbar geordnet ist. Sondern eben auch oder gerade da, wo es stinkt und dreckig ist.
Die Palmsonntagsprozession schien schiefgelaufen zu sein aber genau dort wartete Gott auf uns.
Im Scheitern wartet Gott schon auf uns...Seit Ostern wartet Gott im Scheitern schon auf uns....
Amen.

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