Predigt zum 2. Sonntag nach Ostern (Miserikordias Domini), 18. April 2021

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Predigt zum 2. Sonntag nach Ostern (Miserikordias Domini), 18. April 2021

18.04.2021

zu 1. Petrus 1, 3; gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer

Liebe Gemeinde,
Hoffnung. Was für ein großes und wunderbares Wort. Worauf hoffen Sie? Welche großen oder kleinen Hoffnungen tragen Sie in sich? Ich persönlich hoffe darauf, dass meine Familie unbeschadet durch die Pandemie kommt. Mit jeder verabreichten Impfung wächst diese Hoffnung. Ich hoffe auch darauf, dass wir im Sommer in unser Ferienhaus in Mecklenburg fahren dürfen. Diese Hoffnung ist allerdings geringer geworden, so wie die Lage sich derzeit entwickelt. Nicht zuletzt hoffe ich darauf, dass wir eines Tages den Dom wieder so voller Leben erleben werden, wie es vor Ausbruch der Pandemie war mit den Konzerten, Führungen und Veranstaltungen und nicht zuletzt mit wieder gut besuchten Gottesdiensten. Aber bis dahin werden wir wohl noch sehr viel Geduld aufbringen müssen. – Was hoffen Sie? Dass die Kontakte mit Freunden und Verwandten wieder intensiver werden? Dass endlich die Kurzarbeit beendet wird und Sie zurück an den Arbeitsplatz können? Dass das Leben mit einer gefährdeten Existenz wieder zurückfindet in geregelte Bahnen? Dass Kinder und Jugendliche wieder so leben können, wie sie es vor dem März 2020 konnten?
Schlimm wäre es, wenn wir keine Hoffnungen mehr in uns trügen. Denn dann wäre das Leben zu Ende. Wenn nicht die Epidemie alles überdecken würde, hätten wir jetzt vermutlich eine heftige Debatte um das selbstbestimmte Sterben. Immer mehr Menschen wünschen es sich, den Tod in die eigene Hand nehmen zu können. Wenn es keine Hoffnung mehr gibt auf ein lebenswertes Leben, wollen sie diesem Leben ein Ende setzen dürfen – mit der Unterstützung von Ärzten und ohne so etwas Dramatisches machen zu müssen wie von einer Brücke zu springen. Wo die Hoffnung verschwindet, geht auch das Leben.
Nun leben wir ja Gott sei Dank nicht in einer Zeit ohne Hoffnung. Wir wissen zwar nicht, ob sich unsere Hoffnungen erfüllen werden. Aber es gibt Anhaltspunkte dafür. Das Impfen wird beispielsweise die Lage deutlich verbessern. Ohne die geimpften Menschen, die pflegebedürftig und älter als 80 Jahre alt sind, wäre unser Gesundheitssystem in dieser dritten Welle der Pandemie schon zusammengebrochen. Durch das Impfen wird sich die Lage früher oder später entspannen. Aber wissen wir, ob nicht eine Mutante des Virus die Impfungen ganz oder teilweise unwirksam machen wird und wir dann wieder von vorn anfangen? Hoffnung in dieser Welt ist immer etwas Zerbrechliches. Sie kann sich erfüllen; sie kann sich aber auch als Wunschtraum erweisen. Alle Hoffnung in dieser irdischen Welt ist begleitet vom Bangen, ob sie sich auch erfüllen wird.
„Gelobt sein Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung von den Toten“, heißt es im Wochenspruch für die vergangene Woche. Das ist das Wunderbare an unserem christlichen Glauben: Wir dürfen neben den kleinen und großen Hoffnungen unseres Lebens auch noch eine überwältigend große Hoffnung in uns tragen. Seit Ostern gibt es die Hoffnung, dass die Mühseligkeiten auch des normalen Lebens einmal Vergangenheit sein werden; dass alle Schmerzen vergehen, die die Patienten in den Krankenhäusern empfinden; dass die Angst, keine Luft mehr zu bekommen, oder die Angst um einen erkrankten lieben Menschen einmal überwunden sein wird; dass alle Tränen abgewischt werden und es kein Leid mehr gibt. Mit der Auferstehung Jesus ist die Hoffnung auf ein Leben in einer anderen Welt zu uns gekommen. Die Frauen und die Jünger haben es am auferstandenen Jesus sehen können.
Diese Hoffnung hat kein Bangen als Gegenüber. Es kann bei ihr nicht so kommen oder auch anders. Vielleicht wird diese Hoffnung für uns manchmal von Zweifeln beeinträchtigt. Vielleicht ist sie manchmal nur ein glimmender Docht und kein großes Feuer in unserem Herzen. Aber was wir da manchmal nur mit Zittern und Zagen erhoffen, das wird kommen. Denn es ist schon gekommen. Am Ostermorgen hat es ja schon begonnen. Von den Schmerzen des von den Nägeln durchbohrten Jesus sind nur die Nägelmale am Auferstehungsleib geblieben. Die Atemnot des Gekreuzigten ist von einer Leiblichkeit abgelöst worden, die keine Atemluft zum Leben benötigt. Die Angst vor dem Tod und der Gottverlassenheit Jesu ist der Freude über sein neues Leben in Gottes ewiger Welt gewichen. Die Tränen, die die Menschen um ihn geweint haben, sind in Freudentränen bei der Begegnung mit dem Auferstandenen verwandelt worden. Mit der Auferstehung Jesu hat all das begonnen, was wir noch für uns und unsere Welt erhoffen.
So ist diese lebendige Hoffnung, von der der Apostel spricht, ganz anders als unsere alltäglichen Hoffnungen. Die können sich erfüllen oder auch nicht. Die Hoffnung auf das ewige Leben ist an Jesus schon in Erfüllung gegangen. Darum wird sie auch für uns in Erfüllung gehen.
Zeichen dafür gibt es schon jetzt und mitten unter uns und vielleicht gerade in dieser Pandemie. Ich weiß, dass ich mich mit dem folgenden auf ganz dünnem Eis bewege. Aber ich will es dennoch wagen, dieses Eis zu betreten: Der schöpferische Gott will unser Leben. Darum hat er durch Jesu Auferweckung dem Tod eine Grenze gesetzt. Der schöpferische Gott will unser Leben. Vielleicht setzt er darum unserem zerstörerischen menschlichen Tun jetzt eine Grenze. Was, wenn diese Pandemie so etwas wie ein Bußruf Gottes zur Umkehr wäre? Wir alle wissen, dass die Menschheit nicht mehr so weitermachen kann wie bisher. Unser Planet wird das nicht ertragen können. Die Menschheit wird letztlich daran zugrunde gehen, wenn sie diesem Bußruf nicht folgt. Was, wenn diese Pandemie uns zeigen soll, dass es auch anders geht? Wir müssen nicht dreimal im Jahr in den Urlaub fliegen. Wir müssen nicht ohne Ende Ressourcen verbrauchen für immer mehr und immer Neues. Wir können auch ganz anders leben. Was, wenn Gott uns mit dieser Pandemie zeigen will, dass es eine neue Normalität geben muss? Was, wenn er uns damit vor einer viel größeren Katastrophe bewahren will, nämlich der durch die Klimaveränderungen verursachten? Es werden viel mehr Menschen sterben als in diesen Tagen, wenn wir nicht endlich das STOPP-Signal beachten, das die Pandemie uns setzt – oder das möglicherweise der lebendige und das Leben schaffende Gott uns setzt? Was, wenn die Pandemie auf diese Weise ein paradoxes Zeichen für die Gegenwart des Gottes ist, der unser Leben will?
„Gelobt sein Gott, der uns wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ Wie auch immer wir diese Pandemie erleben: Wir gehen durch diese für uns in unterschiedlicher Ausprägung furchtbare Zeit nicht ohne eine Hoffnung. Wir wissen den lebendigen Christus an unserer Seite. Er teilt unser Schicksal: Die Atemnot der Beatmungspatienten ist die Atemnot des Gekreuzigten und umgekehrt. Wir wissen, dass er der gute Hirte ist, von dem an diesem Sonntag im Evangelium die Rede ist. Seiner Führung dürfen wir uns anvertrauen: Er weiß einen Weg für uns – auch, wenn unsere Politiker offenbar völlig die Orientierung verloren haben. Vor allem vertrauen wir und hoffen wir, dass der Weg, den er uns führt, im Licht enden wird. Denn in Christus hat das Leben gesiegt. Darum wird unsere Hoffnung in Erfüllung gehen. Mag es darum auch ungewiss sein, wie es mit der Entwicklung der Epidemie weitergehen wird, mag es auch ungewiss sein, ob es eine Rückkehr zur Normalität überhaupt geben kann, unser Weg wird nicht in Chaos, Einsamkeit, Krankheit oder Tod enden. Unsere Zukunft ist das Leben, das an Christus schon erschienen ist.
Diese Hoffnung prägt unser Leben – auch und gerade in Zeiten des Coronavirus. Wir halten uns fest an der Hand, die Christus uns hinhält. Wir lassen uns die Zuversicht nicht nehmen. Wir machen die Osterfreude groß in uns und lassen alle Angst dadurch klein werden. Wir lassen die Hoffnung in uns lebendig werden:
Mit ihr im Herzen kann die Vernunft unser Handeln bestimmen. Mit ihr im Herzen können wir den Opfern der Epidemie beistehen. Mit ihr im Herzen sehen wir schon jetzt in der Dunkelheit das Licht.
„Gelobt sein Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung von den Toten“.
Amen.

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