Andacht zur Schöpfungszeit "Hast du erkannt, wie weit die Erde ist?", 27. September 2026

We are sorry - this page is not available in your language.
You might use Google Translate™ to get an automatically translated version of this page by clicking the following link:

Predigtarchiv

Andacht zur Schöpfungszeit "Hast du erkannt, wie weit die Erde ist?", 27. September 2026

26.09.2026

von Superintendentin Hiltrud Anacker

Liebe Leser und Leserinnen!

„Hast du erkannt, wie weit die Erde ist?“ Ich stutze. Ich weiß, die Erde hat einen Umfang von reichlich 40.000 Kilometern. Beim Durchmesser habe ich ca. 12.000 Kilometer im Kopf. Ich habe mich vergewissert: Es sind ca. 12.800 Kilometer. Die Erdoberfläche habe ich nachschlagen müssen: 510 Millionen Quadratkilometer. Die Zahlen weiß ich nun, aber kann ich mir das wirklich vorstellen? Ein Detail der Schöpfung oder das Große-Ganze, ich komme ins Staunen.

„Hast du erkannt, wie weit die Erde ist?“ – so fragt Gott im Buch Hiob (Hiob 38,18). Diese Frage meint mehr als Entfernungen und Horizonte. Sie stellt uns hinein in die Weite der Schöpfung – und in die Wahrheit über uns selbst.[1] Bereits 1989 hat der Ökumenische Patriarch Dimitrios I.[2] die orthodoxen Christen zu einem Gebet für die Schöpfung am 1. September aufgerufen. Viele andere Kirchen haben sich angeschlossen. Die Zeit von Anfang September bis Anfang Oktober wird nun ökumenisch als "Schöpfungszeit" begangen. Über dem zentralen Gottesdienst dieses Jahr in Marburg wurde die Frage Gottes an Hiob gestellt: "Hast du erkannt, wie weit die Erde ist?"

Zur Geschichte: Hiob geht es schlecht. Er hat alles verloren. Er klagt - und hat Grund dazu. Gott lässt sich auf die Diskussion ein. Gott antwortet Hiob auf seine Klage:

"Wer bist du, dass du meinen Plan anzweifelst, von Dingen redest, die du nicht verstehst? Nun gut! Steh auf und zeige dich als Mann! Ich will dich fragen, gib du mir Bescheid! Wo warst du denn, als ich die Erde machte? Wenn du es weißt, dann sage es mir doch! Wer hat bestimmt, wie groß sie werden sollte? … Weißt du, wie weit die Erde sich erstreckt? Wenn du das alles kennst, dann sag es mir!"

(Hiob 38,2.3.18)

Die Geschichte Hiobs ist sprichwörtlich geworden. Sie kennen bestimmt "Hiobsbotschaften". Hiob ist verzweifelt. Sein Besitz ist verloren, seine Kinder sterben. Frau und Freunde fragen: "Was hast du getan, dass Gott dich so straft?" Dann wenden auch sie sich ab. Hiob diskutiert mit Gott. Gott hört zu. Er sagt aber nicht: "Ich versteh dich, Hiob. Du tust mir leid!" Gott reagiert vollkommen unerwartet. Er richtet Hiobs Auge auf das Große-Ganze, auf das, was der einzelne Mensch heute in Zahlen ausdrücken, sich aber nicht wirklich vorstellen kann. Hiob kann es sich schon gar nicht vorstellen. Die Erzählung wurde geschrieben, als die Menschen noch gar nicht wissen konnten, dass die Erde eine Kugel und keine Scheibe ist. Hilft das bei Hiobsbotschaften: Sich das Große-Ganze anschauen? Nach meinen Erfahrungen in der Seelsorge hilft das zumindest am Anfang nicht. Da hilft erst einmal nur da sein, Verständnis zeigen. Aber mit ein bisschen Abstand … Gott redet lange. Hiob weiß, dass er Gottes Größe nichts entgegenzusetzen hat. Und doch hält er sich an Gott fest.

Über die Geschichte Hiobs kann man lange diskutieren. Sie lässt Fragen offen. Sie greift das Thema "unverschuldetes Leid" auf und das Gefühl der Ohnmacht. Und sie lenkt den Blick auf das Große-Ganze. Im Abstand, mit einem größeren Überblick gelingt es manchmal, etwas anders einzuschätzen und so Hoffnung zu schöpfen oder gar gestärkt aus einer leidvollen Erfahrung hervorzugehen.

Hast du erkannt, wie weit die Erde ist? Auf dem Plakatmotiv[3] schaut einer in den Himmel. Zugleich lässt es uns die Erde sehen, den "blauen Planeten", auf dem wir leben, dessen Luft wir atmen, der so schön ist, den es zu bewahren gilt. Diesen tollen Lebensraum hat Gott geschaffen, das glaubt nicht nur Hiob. Wir hören Botschaften über die bedrohte Erde. Ich bin überzeugt, wir können gemeinsam durchaus etwas für die Schöpfung tun. Aber unsere Kräfte sind begrenzt. Aufgeben wäre für mich keine Option. Da gibt es das Miteinander, das Staunen und nicht zuletzt das Gebet für die Schöpfung.

Zu Hiob jedenfalls kehrt der Segen zurück. Amen.

Gebet

Gott des Lebens, du beschenkst uns, danke.
Zugleich dürfen wir dir alles sagen, was uns auf dem Herzen liegt.
Wir bitten dich: Öffne unsere Augen für die Schönheit deiner Welt.
Öffne unsere Hände und Herzen, dass wir deine Liebe weitergeben.
Wir bitten dich für alle Menschen, die sich um eine gerechte Verteilung der Güter bemühen.
Segne alle, die mithelfen, damit die Erde uns und allen Mitgeschöpfen
auch in Zukunft eine Heimat sein kann.
Wir bitten dich für alle, die Macht haben und Leben gestalten.
Lenke ihr Reden und Handeln mit deinem Geist.
Lass Frieden und Versöhnung wachsen in unserer Welt.
Wir bitten dich für alle kranken, alten und bedürftigen Menschen.
Lass sie Zuwendung und Hilfe finden.
Du, Gott, bist die Quelle aller guten Gaben.
Deine Gnade trägt uns, deine Liebe macht uns heil. Dafür danken wir dir jetzt und in Ewigkeit.

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Gott, die Quelle allen Lebens,
segne uns mit Respekt vor der Erde
und mit einem Herzen, das staunen kann.
Jesus Christus, der diese Welt liebt
und ihr Leid teilt, begleite uns auf Wegen der Gerechtigkeit
und stärke uns, wo Verantwortung Mut braucht.
Heiliger Geist, Atem des Lebens,
erneuere die Schöpfung
und belebe uns mit Hoffnung, Kraft und Liebe.
So segne uns der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Herzlich grüßt Sie
Hiltrud Anacker, Superintendentin

[2] Der Patriarch von Konstantinopel gilt Primus inter pares (als erster unter Gleichen) der Patriarchen der orthodoxen Kirchen und somit als Oberhaupt von derzeit ca. 350 Millionen orthodoxer Christen weltweit.

[3] Es ist mit Hilfe einer KI generiert worden.

Bilder

all news


Kommentare

No comments

Add comment

Fields marked with an asterisk (*) must be filled.

to top