Andacht zur Ökumenischen Friedensdekade 2026

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Predigtarchiv

Andacht zur Ökumenischen Friedensdekade 2026

07.11.2026

von Helmut Müller, Prädikant in der Petri-Johannis-Gemeinde Freiberg

Liebe Leserinnen und liebe Leser!

Mit diesem drittletzten Sonntag im Kirchenjahr beginnt auch die Ökumenische Friedensdekade. Seit mehr als 45 Jahren sind Christen verschiedener Konfessionen in den Tagen bis zum Buß- und Bettag eingeladen, über Frieden nachzudenken, gemeinsam zu beten und aktiv zu werden.

Viele Jahre haben wir in der Freiberger Petrikirche zusammen mit katholischen Glaubensgeschwistern und Mitgliedern von Freikirchen Andachten im Rahmen der Friedensdekade gehalten. In diesem Jahr wurde das Motto „couragiert widerständig“ gewählt. Es ist ein Aufruf, sich mutig für Frieden, Menschlichkeit und Gerechtigkeit einzusetzen, besonders dann, wenn Hass, Gewalt und Unrecht zunehmen. Widerständig zu sein heißt, Ungerechtigkeit, Ausgrenzung und Gewalt nicht einfach hinzunehmen, sondern sich im Rahmen demokratischer Möglichkeiten für eine gerechtere und friedlichere Welt einzusetzen.

Ich denke dabei an den Bibelvers aus dem 2.Timotheusbrief, Kapitel 1, Vers 7 Dort heißt es: „Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“. Unser Glaube soll uns nicht in Angst und Gleichgültigkeit zurücklassen, sondern uns Kraft geben, couragiert zu handeln – im Alltag, in der Nachbarschaft, in der Schule und in der Kirchgemeinde. Das heißt also, ich sollte mutig widersprechen, wenn ich Unrecht erkenne. Ich handle dabei friedlich und bleibe immer der Liebe verpflichtet.

Vor einem Jahr, am 10. November 2025 wurde von der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Dresden die Friedensdenkschrift „Welt in Unordnung - Gerechter Friede im Blick“ verabschiedet. Wenn ich darin lese, finde ich für mich Antworten auf die Fragen, wie gegenwärtig christliche Friedensethik gelebt werden kann: Jesus Christus lehrte den vollständigen Verzicht auf Gewalt. Sein Gebot der Nächsten- und Feindesliebe ist ein ethischer Kompass. Doch menschliches Tun kann kein Paradies auf Erden schaffen. Das Konzept des „Gerechten Friedens“ sagt aus, dass Frieden nur da gedeihen kann, wo es auch eine gerechte Ordnung gibt. Ist sie bedroht, kann es sein, dass sie durch Zwangsmaßnahmen gegen Angriffe geschützt werden muss – etwa, wenn ein Aggressor ein Nachbarland überfällt, so wie wir es gegenwärtig mit dem militärischen Überfall Russlands auf die Ukraine erleben. Das heißt, die evangelische Friedensethik versteht den Gerechten Frieden als Ideal, nach dem es sich zu streben lohnt. Er wird nie ganz erreicht werden. Aber sein Leitbild bietet Orientierung im Spannungsfeld zwischen Glaubenshoffnung und den Bedrohungen in der realen Welt.

Zurück zur Ökumenischen Friedensdekade. Sie geht bis zum Buß- und Bettag. 

Also am 18. November wird dazu im Freiberger Dom ein Ökumenischer Gottesdienst gefeiert. In der Zeit der Friedensdekade lädt die Kirchgemeinde Bobritzsch im Kirchgemeindebund Freiberg zu besonderen Veranstaltungen ein.

Am 12.11.2026, 19.00 Uhr Kirche Niederbobritzsch, Friedensgebet gemeinsam mit dem Kirchgemeindebundvorstand

Am 13.11.2026, 19.00 Uhr Kirche Hilbersdorf, Konzert mit dem Gospelchor Großröhrsdorf mit Friedensgebet - Hinweise zu weiteren Abenden sind zu finden unter www.kirchgemeindebund-freiberg.de/kirchgemeinden/bobritzsch

Das Lied, das wir immer bei den Andachten im Rahmen der Friedensdekade gesungen haben, steht im Evangelischen Gesangbuch Nr. 430:

Gib Frieden, Herr, gib Frieden, die Welt nimmt schlimmen Lauf.
Recht wird durch Macht entschieden, wer lügt, liegt obenauf.
Das Unrecht geht im Schwange, wer stark ist, der gewinnt.
Wir rufen: Herr, wie lange? Hilf uns, die friedlos sind.
Gib Frieden, Herr, wir bitten! Die Erde wartet sehr.
Es wird so viel gelitten, die Furcht wächst mehr und mehr.
Die Horizonte grollen, der Glaube spinnt sich ein.
Hilf, wenn wir weichen wollen, und lass uns nicht allein.
Gib Frieden, Herr, wir bitten! Du selbst bist, was uns fehlt.
Du hast für uns gelitten, hast unsern Streit erwählt,
damit wir leben könnten, in Ängsten und doch frei,
und jedem Freude gönnten, wie feind er uns auch sei.
Gib Frieden, Herr, gib Frieden: Denn trotzig und verzagt
hat sich das Herz geschieden von dem, was Liebe sagt!
Gib Mut zum Händereichen, zur Rede, die nicht lügt,
und mach aus uns ein Zeichen dafür, dass Friede siegt.

Gebet

Herr, unser Gott des Friedens, wir bitten um Frieden und Gerechtigkeit in unserer Zeit. Wir vertrauen dir die Opfer all der Länder an, in denen derzeit Krieg herrscht. Wir bitten dich für die Menschen, die auf dein Wirken hin Frieden stiften und sich unermüdlich für eine Zukunft in Frieden und Gerechtigkeit einsetzen. Komm durch deinen Geist, stärke sie und stehe ihnen bei. Schärfe unseren Blick für die Ungerechtigkeiten in unserem Umfeld, stärke unseren Mut und unsere Einsatzbereitschaft, Not zu lindern und zu verhindern.

Herr, unser Gott, erhöre unser Gebet und mach uns unserer Zuversicht gewiss, dass du durch Jesus Christus mit uns deine neue Welt auch bei uns beginnen lassen wirst.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme,
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute und
vergib uns unsere Schuld
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und
die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. 

Segen

Der Friede Gottes, der alles menschliche Begreifen weit übersteigt, bewahre euer Denken und Wollen im Guten, geborgen in der Gemeinschaft mit Jesus Christus.

Herzlich grüßt Sie
Helmut Müller

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