20.06.2026
von Helmut Müller
Liebe Leserinnen und Leser,
vielleicht haben sie es schon bemerkt: Die Sonne steht zwar hoch, die Natur ist in voller Blüte – und doch kippt etwas ganz leise. Von nun an neigt sich das natürliche Jahr wieder abwärts.
Genau in diese Zeit hinein fällt der Johannistag. Johannes der Täufer ist der bedeutendste Prophet zu Jesu Zeiten, denn er hat das baldige Kommen Jesu angekündigt und gilt als der Wegbereiter für Jesus. Der Höhepunkt seines Wirkens war die Taufe Jesu im Jordan. Das ist das Zeugnis von Johannes über Jesus: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“ (Johannes 3,30).
Ich denke, diese Johannesgestalt darf nicht im Bild unseres Lebens fehlen. Ein Mensch vom Blitz der Sendung und Berufung getroffen. Sein Auge hellsichtig und sein Urteil unbestechlich. Er ruft nicht um des Rufens willen. Er hat den großen Trost, den nur der kennt, der die innersten und äußersten Grenzen des Daseins abgeschritten hat. Er kennt seine Grenzen. Er weiß genau, er ist nur Wegweiser, nicht das Ziel. Er ruft den Segen und das Heil.
Der Johannistag ist ein wunderbarer Moment zum Innehalten. Er erinnert uns an die Fülle des Lebens, aber auch an den Wechsel der Zeiten.
Im Liederbuch „Singt von Hoffnung“ steht ein Lied, das genau für diesen Tag gedichtet wurde. Lesen wir die erste Strophe:
Das Jahr steht auf der Höhe, die große Waage ruht.
Nun schenk uns deine Nähe und mach die Mitte gut,
Herr, zwischen Blühn und Reifen und Ende und Beginn
lass uns dein Wort ergreifen und wachsen auf dich hin.
In der Freiberger St. Johannisgemeinde haben wir viele Jahre die Johannisandacht auf dem historischen Johannisfriedhof an der Chemnitzer Straße gefeiert. Auch auf dem Donatsfriedhof in Freiberg und auf den Friedhöfen in Kleinwaltersdorf und in Rothenfurt finden in diesem Jahr wieder Johannisandachten statt. Friedhöfe sind für mich nicht nur Orte des Todes, sondern auch Orte der Hoffnung auf die Auferstehung.
Der Ruf von Johannes: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“ bedeutet, nicht um Johannes geht es, nicht ihn feiern wir, auch wenn der Tag seinen Namen trägt. Auf der Höhe des Jahres denken wir an Jesus, den Gott gesandt hat um unseretwillen, damit wir Hoffnung haben auch angesichts der Vergänglichkeit des menschlichen Lebens und des Todes. Wenn wir auf des Zeugnis des Johannes achten und selbst Zeugen für Jesus sind, dann ist der Sinn dieses Tages erfüllt. Damit, auch wenn die Tage abnehmen, unser Vertrauen und die Liebe zu Gott stark bleiben.
Das lesen wir dann in der dritten und vierten Strophe des oben genannten Liedes:
Das Jahr lehrt Abschied nehmen schon jetzt zur halben Zeit.
Wir sollen uns nicht grämen, nur wach sein und bereit,
die Tage loszulassen und was vergänglich ist,
das Ziel ins Auge fassen, das du, Herr, selber bist.
Du wächst und bleibst für immer, doch unsre Zeit nimmt ab.
Dein Tun hat Morgenschimmer, das unsre sinkt ins Grab.
Gib, eh die Sonne schwindet, der äußre Mensch vergeht,
dass jeder zu dir findet und durch dich aufersteht.
Gebet
Guter Gott, wir danken dir für unser Leben, das du uns schenkst:
Für die Früchte der Erde, die uns nähren.
Für die Liebe der Menschen, die uns trägt.
Für die Hoffnung, die wir weitergeben.
Für alles das, was wir zum Leben brauchen.
Ewiger Gott, alles vergeht, nur du allein bleibst.
Menschlich Worte verwehen wie im Wind, aber allein dein Wort bleibt in Ewigkeit.
Inmitten unserer vergänglichen Zeit und Welt bitten wir dich:
Halte du uns fest, damit wir uns festhalten können an dir.
Senke uns deine Botschaft ins Herz, damit wir behalten was gilt.
Führe uns durch dieses Leben, damit wir zuletzt die Ewigkeit gewinnen.
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Segen
Der HERR segne dich und behüte dich;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Amen
Herzlich grüßt Sie
Helmut Müller, Prädikant in der Petri-Johannis-Gemeinde in Freiberg
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