18.04.2026
von Theresa Matthes (Gemeindepädagogin in der Petri-Johannis-Gemeinde Freiberg)
Liebe Leserinnen und Leser!
Der zweite Sonntag nach Ostern ist der sogenannte Hirtensonntag. Im Gottesdienst wird das wohl bekannteste Bild von Gott als unserem guten Hirten in den Blick genommen. Wir kennen es alle aus dem Psalm 23. Doch wie ist das: Kann mir das Dasein als Schaf in Gottes schöner Herde gefallen?
Manchmal ist mir alles zu viel. Dann denke ich: Das Leben ist so kompliziert geworden! Zusammenhänge sind schwer durchschaubar und der eigene Lebensbereich so zerfasert irgendwie. Es ist eine herausfordernde Aufgabe, allem gerecht zu werden: Nichts zu vergessen, auf alles wichtige ein Augenmerk zu haben. Und ein interessantes Hobby muss man haben! Spannende Freunde und ein gewähltes Äußeres. Und informiert soll man sein, zu allem eine Meinung haben.
Gerade junge Menschen, die immerzu schillernde Bilder auf social media anschauen, spüren diese Überforderung. Social media ist eine Lebenswelt, in der man sich stets mit einem gelingenden Leben präsentieren muss. Und wenn es mal schief geht, so muss das wenigstens noch gekonnt in Szene gesetzt werden. Denn es wird nichts vergessen oder verziehen. Das ist ein immenser Druck.
Wie schön wäre es, einmal all das loslassen zu können. Den ganzen Erwartungsdruck abzugeben, all die Anspannung loslassen zu können. Einfach da zu sein. Und mich in Gottes allumfassenden liebevollen Armen gehalten zu wissen. Ich finde das gar nicht so leicht. Das braucht Übung. Denn es ist etwas anderes damit gemeint, als als dummes Schaf die Hände zu heben und zu sagen: Der Herr wird´s schon richten.
Es gibt genügend Dinge, die uns zu wenig wichtig geworden sind: die Not der dritten Welt, das aus dem Gleichgewicht geratene Klima, die Verrohung im Internet, das Schicksal meiner Nachbarin, meines Nachbarn, um nur einiges zu nennen. Nein, ich meine mit dem Loslassen, das Ablegen des Alles-in-der-Hand-haben-Wollens. Dieses Loslassen ist eine bewusste Entscheidung, aus dem Rad der Selbstoptimierung und Selbstinszenierung auszusteigen. Eine Entscheidung, auch meinen Sorgen eine Pause zu gönnen. Ja, das meint auch die Übung, den eigenen Willen zu hinterfragen und
loszulassen. Die Übung, eigene Träume und Vorstellungen, wie mein Leben zu verlaufen habe, abzulegen. Und das Führen Lassen von Gott. Keine leichte Übung!
In der Karwoche begleitete mich eine Auslegung der Passions- und Ostergeschichte von Jörg Zink. Berührt hat mich der Gedanke, dass wir Menschen zwei Leben hätten: Das eine, das bei unserer Geburt beginnt, mit unserem Körper verwoben und unserem Bewusstsein gelenkt wird. Dieses Leben ende mit unserem Tod. Das zweite Leben entstehe in unserer Seele, das sei das geistige Leben. Dieses wachse und reife mit unseren Jahren. Wenn ein Mensch auf dieses inwendige Leben sein Augenmerk legt, spürt man Liebe, Weisheit und Kraft, die man sich nicht selbst schaffen kann. Dieser innere Mensch sei es, der mit der Auferstehung erweckt und im Himmelreich am Ende der Zeit sein Zuhause finde.
Wenn wir über Jesus Christus als unseren guten Hirten nachdenken, stelle ich mir vor, mein innerer Mensch ist in einer innigen vertrauten Beziehung zu ihm. Da ist eine Bindung, eine Prägung. Eng verwoben mit allen Aspekten meines Daseins. Ich kenne die Stimme, das Wirken meines Herrn. Ich weiß unumstößlich: Dieser Hirte meint es gut mit mir und führt mich. Er sieht mich. Seiner Führung kann ich mich anvertrauen. Denn in seinen Augen bin ich schon jetzt genug, schon jetzt geliebt, schon jetzt erlöst. Bei ihm ist meine Seele zuhause. Auch in finsteren Zeiten finde ich Halt und Kraft, weil ich mit etwas verbunden bin, das größer ist als das Komplizierte und Verdrehte. Größer als das Leid, das ich erleben muss. Und weil mein inwendiger Mensch sich so gut aufgehoben weiß, darf ich Dinge im Außen loslassen. Ich muss niemandem etwas vormachen. Ich muss nicht überall dabei sein. Ich brauche weniger. Ich kann mehr geben. Ich kann warten. Da werden andere nur staunen, wie ich glücklich und gehalten sein kann, inmitten von Schmerz und Verlust und Chaos.
So eine geübte Haltung hat mit tiefer Weisheit und durchlebten Jahren zu tun. Und nichts mit einem primitiven Schafsdasein. Ich wünsche uns allen den Frieden Gottes, der uns im Üben des Loslassens und Nachfolgens verheißen ist.
Gebet Psalm 23
Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zu frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße, um seines Namens Willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück. Denn du bist bei mir. Dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.
Segen (Jörg Zink)
Unser Gott, der Mächtige,
Ursprung und Vollender aller Dinge,
segne dich,
gebe dir Gedeihen und Wachstum,
Gelingen deinen Hoffnungen,
Frucht deiner Mühe,
und behüte dich vor allem Argen,
sei dir Schutz in Gefahr
und Zuflucht in Angst.
Unser Gott lasse leuchten
sein Angesicht über dir,
wie die Sonne über der Erde
wärme gibt allem Erstarrten
und Freude gibt dem Lebendigen,
und sei dir gnädig,
wenn du verschlossen bist in Schuld,
erlöse dich von allem Bösen
und mache dich frei.
Unser Gott erhebe
sein Angesicht auf dich,
er sehe dein Leid
und höre deine Stimme,
er heile und tröste dich
und gebe dir Frieden,
das Wohl des Leibes, das Heil der Seele,
Liebe und Glück.
Amen.
So will es Gott,
der von Ewigkeit zu Ewigkeit bleibt.
so steht es fest nach seinem Willen
für dich.
Herzlich grüßt Sie
Theresa Matthes
Add comment
Fields marked with an asterisk (*) must be filled.