Andacht zum Sonntag Kantate ("Singt!"), 3. Mai 2026

We are sorry - this page is not available in your language.
You might use Google Translate™ to get an automatically translated version of this page by clicking the following link:

Predigtarchiv

Andacht zum Sonntag Kantate ("Singt!"), 3. Mai 2026

02.05.2026

von Superintendentin Hiltrud Anacker

Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion. … und alle Leviten, die Sänger waren, … standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. … Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: "Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig", da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, … sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

(2. Chronik 5,2ff)

Liebe Leser und Leserinnen!

Früher war alles besser - oder? Was haben wir früher als Kinder draußen gespielt. Ich erinnere mich an "Räuber"-Sachen zum Anziehen. Es war nicht schlimm, sie schmutzig zu machen. Jeden Tag spielten wir draußen. Oder täuscht mich meine Erinnerung? Wahrscheinlich fast (?) jeden Tag. Ich habe noch so ein Gefühl, wie es war, beim Nachbarn nachzufragen, wenn die Butter ausgegangen war. Alle hatten nicht viel. Und in der Kirchgemeinde? Die Gottesdienste waren gut besucht, jeden Sonntag wurde Kindergottesdienst angeboten, Chor- und Kurrendegruppen hatten eine stattliche Größe. Früher war eben alles besser.

Wenn ich ehrlich bin, stimmt das so nicht. Erinnerung verklärt. Die "goldenen 20er Jahre" des letzten Jahrhunderts mündeten in die Weltwirtschaftskrise. Die Nachbarschaftshilfe ergab sich aus der Mangelwirtschaft der DDR. Die StaSi wusste gut Bescheid in unseren Häusern. Beim Gemeindepraktikum während meines Studiums unterstützte ich den Dorfchor, der sich wöchentlich in überschaubarer Mitgliederzahl traf. Der Posaunenchor probte wacker. Seine Größe hielt sich in Grenzen. Und wer als Kind in der DDR die Christenlehre besuchte, musste schon mit Gegenwind in der Schule rechnen. Wenigstens war dies in meiner Schule so.

Wenn wir uns an Schönes erinnern, tut uns dies gut. Vielleicht überstrahlen deshalb diese Erinnerungen  das Unschöne. Letzteres vergessen wir gern, und das ist richtig so. Wir lernen hoffentlich aus Fehlern und schweren Erlebnissen. Aber es ist gut, sich davon nicht immer herunter ziehen zu lassen.

"Wenn's nur wieder so wäre wie früher …" Diese Sehnsucht haben die Bücher der Chronik im Alten Testament entstehen lassen. Sie erzählen Geschichten aus dem Volk Israel, die zuvor schon einmal in den Büchern der Könige aufgeschrieben worden waren. Seit dem war eine Menge Zeit vergangen. Zur Zeit des großen persischen Königtums (Mitte des 6. Jh. v. Chr.) erlebte Israel eine schwierige Phase: Auf der einen Seite sahen sie ihr zerstörtes Land, auf der anderen Seite hofften sie auf einen Neuanfang. Sie schauten zurück. Wie war das, als Salomo den ersten Tempel in Jerusalem baute, den Ort, der für Gott wie eine wundervolle Wohnung sein sollte. Mit dem Tempel (und darin die Bundeslade mit den von Gott geschenkten Geboten) hatten sie das Gefühl, Gott ist mitten unter ihnen. In der Erinnerung glorifizieren die Chronikbücher. Sie loben die Anfänge des Gottesdienstes im Tempel in den höchsten Tönen. Alles geht glatt. Sie berichten von einer hochrangigen Gästeliste, es kommt, was Rang und Namen hat. Mit der Tempeleinweihung erhält Israel ein neues Zentrum des Glaubenslebens. In einer extrem angespannten Zeit wird die Geschichte Israels heilsgeschichtlich neu interpretiert, und zwar aus nachexilischer Perspektive. (Dr. Lars Maskow) Salomo erscheint makellos, toratreu. Was in den Königebüchern über Salomos Fehler berichtet wird, lässt die Chronik einfach weg. Sie zeichnet eine ideale Ordnung - mitten im Chaos, ohne deren Verwirklichung zu erwarten. Diese Haltung gibt Halt: "Wenn's nur so wär wie früher - da war alles besser." Wir haben eine Erzählung aus längst vergangener Zeit vor uns. Sie knüpft an an eine lange Tradition von Mose bis hin zu David und Salomo. Es ist schön, Teil einer Geschichte zu sein, die erzählt, wie Gott mitgeht, seine Herrlichkeit auch einmal zeigt. Das muss man doch in den höchsten Tönen loben, oder?

Ich forsche nach in meiner Geschichte: Habe ich schon einmal etwas erahnen können von der Herrlichkeit Gottes - auch mitten im Chaos? Ich bin nicht der Typ, der gern die Vergangenheit verklärt. Aber Erinnerungen an aufmunternde Begegnungen, an berührende Konzerte, an Freundschaften, die schon so lange bestehen, bauen mich auch auf. Und letztlich halte ich mich fest daran, dass Gott auch mir in der Taufe versprochen hat mitzugehen. Das erfüllt mich mit Dankbarkeit und lässt mich nach vorn schauen. Früher war nicht alles besser, aber gute Erfahrungen lassen mich nach vorn schauen. Genau das wollten die Chronikbücher erreichen. Dann fällt mir das Loben gar nicht so schwer.
Amen.

Gebet

Wir sind hier, Gott,
weil wir auf Wunder hoffen:
Dass du für Gerechtigkeit sorgst
und für Frieden.
Dass du Herzen weit macht
und Mut hineinsäst.
Dass Liebe sich ausbreitet
und Freude und Jubel und Jauchzen.
Nicht irgendwann.
Sondern bald.
In diesem Leben.
Das wünschen wir von dir, Gott,
durch Jesus Christus.

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen

Es segne und behüte Euch der barmherzige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Herzlich grüßt Sie

Hiltrud Anacker, Superintendentin

all news


Kommentare

No comments

Add comment

Fields marked with an asterisk (*) must be filled.

to top