Andacht zum 9. Sonntag nach Trinitatis, 2. August 2026

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Predigtarchiv

Andacht zum 9. Sonntag nach Trinitatis, 2. August 2026

01.08.2026

von Superintendentin Hiltrud Anacker

Liebe Leser und Leserinnen!

Ich will Ihnen erzählen von Beppo, dem Straßenkehrer. Er tat seine Arbeit gern und gründlich. Er wusste, sie war notwendig. Er erledigte sie langsam, aber stetig: Schritt - Atemzug - Besenstrich. Schritt - Atemzug - Besenstrich. Dabei machte er sich so seine Gedanken. Sie haben vielleicht auch gelesen von Beppo, dem Freund von Momo. "Siehst du, Momo, es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen. So darf man es nicht machen.  Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein. Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig." (gekürzt aus: "Momo" von Michael Ende)

Was ist wichtig? Vielleicht fragen Sie sich manchmal: "Was will ich tun? Was muss ich tun? Was ist mein Beruf – was ist meine Berufung?" Richtig gut kann man einen Beruf wohl nur ausüben, wenn man dazu auch wirklich geschaffen ist. Das gilt für sogenannte einfache Berufe genauso wie für sogenannte hochqualifiziert Berufe. Beppo erfüllt seine Aufgabe mit Hingabe, denn es ist eine sehr wichtige. Meine, vielleicht auch Ihr Vorstellung von Berufung: Ein Mensch geht in dem auf, was er tut - so wie Beppo. Er macht die Welt wieder schön.

Jeremia, von dem die Bibel berichtet, wird berufen - von Gott. Gott spricht zu ihm: "Bevor ich dich im Mutterleib geformt habe, kannte ich dich. Bevor du von deiner Mutter geboren wurdest, warst du schon heilig für mich. Zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt." (Jeremia 1,5) Gott hat eine wichtige Aufgabe für ihn, er beruft ihn, Prophet zu werden. Wissen Sie, wie Jeremia darauf reagiert? Ich formuliere mit meinen Worten: "Ach du meine Güte, was kommt denn jetzt auf mich zu, ich kann das doch gar nicht, keiner wird mir zuhören, wer hört schon so einem unerfahrenen Menschen wie mir zu, andere haben doch eine viel größere Lebenserfahrung – nein, lieber Gott, ich kann das nicht!!!" So falsch lag er mit seiner Einschätzung gar nicht. Die Leute hörten ihm nicht gern zu. Ob seine Jugend dabei eine Rolle spielte, weiß ich nicht. Dazu wird nichts weiter im Buch erwähnt. Es könnte auch schlicht am Inhalt seiner Predigt gelegen haben. Jeremia stellte sich der Aufgabe und analysierte seine Zeit mit scharfblickenden Verstand. Er riet, sich der Großmacht Babylon zu ergeben, um wenigstens das Leben zu retten. Wer hört so schlechte Botschaften schon gern. Dabei wollte er damit die Welt nur ein wenig verbessern. Die anderen „Propheten“, die Heil verkündigten, wo Unheil kam, denen die wirkliche Berufung zu ihrem Beruf fehlte, denen hörten die Menschen viel lieber zu. Aber: Das Unheil kam. Die Babylonier überzogen das kleine Land Juda, zerstörten nicht nur Jerusalem und den Tempel, sie führten auch viele Menschen in die Gefangenschaft. Erst spätere Generationen lernten, die Prophetie Jeremias zu schätzen, als sie selbst in neue bedrohliche Situationen kamen. Da erinnerten sie sich an ihn und überlegten, welche Ratschläge für sie passten. Jeremia ging in seinem „Beruf“ als Prophet auf. Seine Zeitanalyse stimmte. Er lag richtig mit seinen vielen Warnungen, sprach dann aber auch Mut zu. Gott würde sein Volk nicht allein lassen. Jeremia hatte seine von Gott gestellte Aufgabe angenommen.

An welchen Ort stellt Gott Sie oder mich? Was möchte Gott von "mir"? Gott, so denke ich, stellt Menschen an ihren Platz, um u.U. zu einem Thema Stellung zu nehmen oder um dazu sein, zuzuhören, … Was ist „meine“ Aufgabe am Ort, an den Gott „mich“ gestellt hat? Manche Aufgabe erscheint so riesig groß. Wie soll sie zu schaffen sein?

Ich höre gern auf den Rat Beppos: Man darf nie an die ganze Aufgabe auf einmal denken. Man muss nur an den nächsten Schritt denken. Und immer wieder nur an den nächsten. Dann macht es Freude, das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein. Auf einmal merkt man, dass man Schritt für  Schritt die Aufgabe geschafft hat. Man hat gar nicht gemerkt wie. Zugleich klingt die die Zusage Gottes in mir, die er Jeremia gegeben hat: „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir, um dich zu retten – spricht Gott.“
Amen.

Gebet

Barmherziger Gott,
wir leben aus deiner Kraft und der Fülle deiner Gaben:
Gib uns Gedanken nach deinem Sinn,
dass wir tun, was recht ist, und leben, wie es dir gefällt.

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen

Es segne und behüte dich der allmächtige Gott:
Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Amen. 

Herzlich grüßt Sie

Hiltrud Anacker
Superintendentin

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