Andacht zum 22. Sonntag nach Trinitatis, 1. November 2026

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Predigtarchiv

Andacht zum 22. Sonntag nach Trinitatis, 1. November 2026

31.10.2026

von Prof. Dr. Klaus Husemann (Prädikant in der Petri-Johannis-Gemeinde in Freiberg)

Mitten im Herbst

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

nach dem Kalender sind wir nicht mehr am Anfang und auch noch nicht am Ende des Herbstes, sondern heute mitten im Herbst. Das heißt, wir haben – auch in diesem Jahr – schon gesehen oder erlebt, was der Herbst nach dem Sommer alles für uns schon bereitgehalten hat. Und was wir noch vom Herbst erwarten dürfen, wissen wir alle. Nicht nur die Temperaturen werden fallen und die Nächte länger sein.

Alle Quartale, also Frühling, Sommer, Herbst und Winter sind etwas Besonderes und folgen einer Zeit, die nicht zurückgedreht werden kann. Nach dem Winter erwacht im Frühjahr die Natur, zum Beispiel die Blätter an Sträuchern und Bäumen. Es wird gepflanzt und gesät. Nicht zu vergessen der Wonnemonat Mai. Im Sommer reift das, was reifen soll. Vieles blüht und wächst. Sommerferien und Urlaube sind gefragt. Und der Herbst? Der Herbst ist die Zeit der Reife und der Ernte. Die Blätter bekommen ihre schönste Farbe, um nach dieser Pracht abzufallen und schnell zu verwelken. Was folgt ist der Winter und die Natur lägt sich praktisch schlafen oder erfriert.

Interessant und schon seit alten Zeiten ist nun folgender Zusammenhang: Der Herbst ist ein Sinnbild für das Leben von älteren und alten Menschen. So wird ja auch vom Herbst des Lebens gesprochen. Auch das Alter ist wie der Herbst eine Zeit der Reife und Fülle. Fülle mit dem, was wir schon alles erlebt haben, und Reife, wie wir mit dem Erlebten umgehen. Hier müssen es nicht gleich Altersweisheiten sein. Lebenserfahrungen und Glaubenserfahrungen reichen schon. Genauer gesagt: Beides sind ein Schatz, der noch besser gehoben werden kann. Auch deshalb ist ein älterer oder alter Mensch kein Auslaufmodell  - auch wenn das unsere Gesellschaft oft nicht wahrhaben will und lieber geduldig darauf wartet, bis die letzten Blätter zu Boden gefallen sind.

Die Anzahl der Sprüche zum Thema „Herbst und Alter“ ist groß. Dazu nur einige Beispiele, die mir gefallen haben:

-        „Wie der Herbst die Blätter färbt, so malt das Alter die Seele in den reifsten Farben.“

-        „Wie die Natur im Herbst ihre Früchte verschenkt, so bringt das Alter die Ernte eines langen Lebens ein.“

-        „Der Frühling begeistert, aber der Herbst gibt uns die Reife“

-        „Man muss ein langes Leben gelebt haben, um zu verstehen, wie herrlich ein ruhiger Herbst sein kann.“

-        „Im Herbst des Lebens zählt man nicht die Jahre, sondern die Ernte, die man im Herzen trägt.“

-        „Ein schönes Alter ist wie ein goldener Herbst: voller milder Wärme, reicher Ernte und einem tiefen, inneren Leuchten.“

Und Gott? Gott hat alles erschaffen. Auch die innere Logik der Jahreszeiten mit dem Herbst. Und bei unseren Lebenslauf auch das Älter-werden und das Alt-sein. Und Gott ist immer dabei – auch in unserem Alter. Hier will ich uns, liebe Leserinnen und Leser, daran erinnern, dass es hier um den großen ewigen Gott geht, der nicht nur alles erschaffen hat, sondern auch heute alles in seinen Händen hält – die ganze Welt (modern gesprochen: Das gesamte Universum), aber auch uns - jeden von uns.

Im Psalm 31, 16 steht dazu der kurze, aber sehr klare Satz: Meine Zeit steht in Deinen Händen. Das heißt nicht mehr und nicht weniger, als dass uns Gott nicht allein lässt. Welch eine große Verheißung und welch ein Vertrauen. Von Jesus, Gottes Sohn, wissen wir, dass das bis an das Ende der Welt gilt – also auch weit über unseren Tod auf dieser unserer Welt hinaus. Der Psalm-Vers bedeutet auch, dass wir nicht mehr alles tragen und beweisen müssen – auch nicht vor uns selbst.

Der Volksmund sagt uns, dass das Alter nichts für Feiglinge sei. Meine Mutter hat mir, bevor sich ihre Alzheimer-Krankheit bemerkbar gemacht hat, etwas anderes mit auf den Weg gegeben: Nämlich, dass das Alter eine Schule der Demut ist. Denn natürlich ändert sich unser Alltag im Alter. Viele von uns sind einsam oder fühlen sich einsam. Manches, was uns früher leicht von der Hand ging, erfordert heute mehr Kraft oder Zeit. Und vielen fällt es schwer,  loslassen zu können, Hilfe anzunehmen und darauf zu vertrauen, dass auch ihre Zeit in Gottes Händen liegt. Amen

Gebet

Großer Gott, wir bitten dich:
Hilf uns darauf zu vertrauen, dass unsere Zeit in deinen Händen liegt. 

Großer Gott, wir bitten dich:
Schenke uns die Kraft, mit den Widrigkeiten unseres Alters fertig zu werden.

Großer Gott, wir bitten dich:
Lass uns einsehen, dass das Loslassen gut für uns ist. 

Großer Gott, wir bitten dich:
Gib, dass wir Hilfe dankbar annehmen und auch bereit sind, anderen zu helfen.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme,
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute und
vergib uns unsere Schuld
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und
die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Segen 

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Der Herr segne Dich und behüte Dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir
und sei Dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich
und gebe Dir Frieden. Amen

Herzlich grüßt Sie
Klaus Husemann

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